Donnersbergkreis „Die Menschen standen im Mittelpunkt“

Eigentlich ist die Aktion bereits seit Ende März abgeschlossen, aber seitdem sind nochmals rund 4000 Euro an Spenden nachgereicht worden. Wenn jemand auf uns zukommt und sagt, ich habe eine zweckgebundene Spende für die Menschen im Moschel- oder Appeltal, dann werden wir dieses Geld selbstverständlich auch künftig weitergeben. Aber dieses Interview ist auch eine Gelegenheit, um einen offiziellen Schlussstrich unter diese rundum positive Aktion zu ziehen. Bei unserem letzten Gespräch im Januar hatten Sie zusammen mit dem zuständigen Gremium gerade 608.000 Euro an die Geschädigten der Flutkatastrophen im Appel- und Moscheltal verteilt. Wie viel Geld ist seitdem nochmals dazugekommen? Wir hatten danach weitere rund 248.000 Euro zur Verfügung, von denen etwa 209.000 Euro wiederum nach dem Punktesystem ausgeschüttet worden sind. Das heißt, zirka 40.000 Euro sind noch vorhanden. Das hat damit zu tun, dass wir in einem Punkt noch etwas in der Luft hängen: Beim Ausfüllen ihrer Zuschussanträge haben die Flutopfer ja angegeben, ob sie grundsätzlich gegen ihre Schäden versichert sind und ob sie bereits etwas von der Versicherung erhalten haben. War das nicht der Fall, haben sie von uns Geld bekommen – sich im Gegenzug aber verpflichtet, bei Zahlung durch die Versicherung den Betrag ganz oder anteilig zurückzugeben. Hier warten wir auf Rückmeldungen beziehungsweise -zahlungen. Mit diesem Geld hätten wir die Möglichkeit, Härtefällen ein weiteres Mal unter die Arme zu greifen. Andererseits hätten Familien, die inzwischen wissen, dass sie nichts von der Versicherung bekommen, eventuell Anspruch auf einen weiteren Zuschuss. Dazu brauchen wir aber ein Signal der Geschädigten. Welche Spendensumme steht letzten Endes unter dem Strich? Bislang sind auf unserem Konto 856.359 Euro und 63 Cent für die Hochwasser-Opfer eingegangen. Zusammen mit dem, was direkt an die Orts- beziehungsweise Verbandsgemeinden gespendet wurde sowie der großen Sammelaktion von Lions- und Rotary-Club reden wir sicher über einen Betrag von mehr als einer Million Euro. Hat sich das Punktesystem, nachdem Sie die Spenden verteilt haben, aus Ihrer Sicht bewährt? Absolut. Für uns war es eine tolle Erfahrung, mit diesem System zu arbeiten, das wir auf künftige Projekte – wenn auch mit anderen Schwerpunkten – ebenfalls anwenden werden. Es ist für die Allgemeinheit hervorragend nachvollziehbar und vor allem auch nachprüfbar. Hat’s dennoch Härtefälle gegeben, bei denen Sie sich selbst eine andere Regelung gewünscht hätten? Insgesamt haben wir von den Betroffen ganz viele positive Rückmeldungen bekommen, die Menschen waren meistens sehr glücklich über das, was sie an Zuschüssen erhalten haben. Aber es hat auch einige ganz wenige Fälle gegeben, bei denen wir die Anträge ablehnen mussten – beispielsweise, wenn die Schäden nicht Privat-, sondern Firmenbesitz betroffen haben. Das hat uns natürlich leidgetan, aber es hat dann andere Wege gegeben, diesen Menschen zu helfen. Beispielsweise über Spenden, die direkt an die Ortsgemeinden gegangen sind. Oder Mitglieder unsere Initiative haben auf privatem Weg Baumaterial besorgt. Die Möglichkeiten zur Unterstützung waren vielfältig. Haben Sie sich selbst im Nachgang ein Bild machen können, wie die Spenden eingesetzt worden sind? Ja, beispielsweise war ich an Pfingstmontag bei der Benefizveranstaltung der Nordpfälzer Spatzen in Ransweiler. Da sind Betroffene auf mich zugekommen und haben gesagt, ich soll mir unbedingt mal ihr Haus anschauen. Ich war in einigen Gebäuden und muss sagen, die Menschen haben ihre Anwesen wieder ganz toll hinbekommen. Gleiches gilt für Obermoschel, wo ich beim Betriebsausflug des Kreises ebenfalls einige Geschädigte spontan besucht habe. Man muss aber auch sagen: Ohne die Spendenbereitschaft in unserer Region wäre das alles nicht möglich gewesen! Sind Sie froh, dass diese Mammut-Aktion vorüber ist, oder wird Ihnen auch etwas fehlen? Einerseits sind wird natürlich froh. Eine Aktion in dieser Größenordnung haben wir bislang nicht bewältigt. Als die Katastrophe im Moscheltal passiert ist, war der neue Vorstand gerade einmal drei Monate im Amt. Im ersten Jahr haben wir insgesamt 22 Vorstandssitzungen abgehalten. In den ersten Monaten nach der Flut haben unser Kassenwart Claus Baaden und ich jeden zweiten Tag zusammengesessen. Wir hatten insgesamt über 2000 Buchungen, alleine die Kassenbelege waren bei der jüngsten Prüfung 60 Zentimeter hoch. Mit dem Auto sind wir rund 2800 Kilometer für diese Aktion gefahren. Andererseits haben wir auch viele schöne Momente erlebt. Es macht unheimlich viel Freude, wenn das Konto wächst und man weiß: Gott sei Dank, wir können den Menschen helfen. Und es ist natürlich ein gutes Gefühl, wenn diese Arbeit anerkannt wird. Als Sie vom Unwetter im Moscheltal gehört haben, war Ihnen damals sofort klar: Da müssen wir helfen? Wir haben bereits am Samstagabend scheibchenweise erfahren, dass da etwas Schlimmes passiert ist. Tags darauf bin ich dann mit meiner Vorstandskollegin Monika Sandmeier ins Moscheltal gefahren. In der Tasche hatte ich 1500 Euro, die ich an die Geschädigten verteilen wollte. Als wir dann gesehen haben, wie die Menschen bergeweise den Müll aus den Häusern schleppten, ist uns erst das ganze Ausmaß der Katastrophe bewusstgeworden. Mir war es dann fast peinlich, als ich fünf Leuten jeweils 300 Euro zugesteckt habe. Da wusste ich, wir müssen etwas Großes starten. Gab es zu Beginn einen Spendenbetrag, den Sie erreichen wollten? Mich haben die Bilder sofort an das Hochwasser in Schmiedeberg (Sachsen/2002, Anmerkung der Redaktion) erinnert, damals haben wir rund 250.000 Euro gesammelt. Jetzt war diese Notlage direkt vor der Haustür. Mit diesem lokalen Bezug im Kopf hatten wir uns schon das Ziel gesetzt, die Summe aus Schmiedeberg zu übertreffen. Auf 300.000 Euro hatte ich gehofft – dass es natürlich so viel mehr geworden ist... ...hätten Sie nicht erwartet, oder? Nicht in diesem Ausmaß. Aber viele Leute haben zu diesem tollen Ergebnis beigetragen: etwa die Bürgermeister und Verwaltungen, die nicht nur das Krisenmanagement hervorragend gestemmt, sondern auch eigenständig Benefizaktionen angeleiert haben. Dazu die RHEINPFALZ, die der ganzen Not mit ihrer Serie über die Flutopfer ein Gesicht gegeben hat. Dann natürlich die vielen, vielen Menschen, die sich in den unterschiedlichsten Aktionen engagiert haben. Da gab es Vereine, die zwei- oder dreimal gesammelt haben, weil ihnen der erste Betrag zu gering war. Wichtig war auch, dass wir sehr schnell alle Einnahmen auf einem Konto gebündelt haben. Es hat keine Sammel-Konkurrenz gegeben – allein die Menschen standen im Mittelpunkt. Sie kommen viel herum im Kreis. Ist der Zusammenhalt in unserer Region durch die Flut gestärkt worden? Das kann ich nicht sagen. Aber eines habe ich in jedem Fall festgestellt: Wenn’s um Hilfe geht, wenn Menschen in Not sind, dann stehen wir zusammen. Und zwar nicht nur im Donnersbergkreis. Beispielsweise haben ganz viele Personen, Vereine und Institutionen aus dem Kreis Bad Kreuznach gespendet. Da war die momentan so kontrovers diskutierte Gebietsreform nie ein Thema – das war einfach ein Akt der Solidarität und Nachbarschaftshilfe. Gibt es noch etwas, dass Sie den Menschen – ob Opfern oder Spendern – abschließend sagen möchten? Diejenigen, die Spenden bekommen haben, möchte ich beglückwünschen. Sie haben, soweit ich das sehen konnte, etwas Tolles daraus gemacht. Die Wenigen, die keinen Zuschuss erhalten habe, bitte ich um Verständnis. Wir haben uns wirklich sehr bemüht, ein möglichst gerechtes System zu finden. Und natürlich allen, die in irgendeiner Form zu diesem Wahnsinns-Ergebnis beigetragen haben, ein Riesen-Dankeschön. Ich kann eines versichern: Alle Auslagen, die unsere Mitglieder erstattet bekommen, werden von diesen sofort wieder gespendet. Alles, was wir auf unserem Konto eingenommen haben, ist also zu hundert Prozent an die Flutopfer weitergegeben worden.