Donnersbergkreis Die erste Posaune denkt immer positiv

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Er ist das Urgestein des Musikvereins Winnweiler und der Senior im Blasorchester. Von den 103 Jahren, die der Verein alt ist, hat Otto Leidinger 65 Jahre mitgeprägt. Und das über die Jahrzehnte hinweg nicht nur als aktiver Musiker: Er sammelte die Vereinsbeiträge ein und war als Beisitzer in der Vorstandschaft tätig, ehe ihn die Mitglieder 1996 zum ersten Vorsitzenden gewählt haben. 16 Jahre lang hat er dieses Amt mit Hingabe und großem Engagement versehen, 2012 legte er die Aufgabe dann in jüngere Hände. Was „de Otto“ aber neben seiner Leidenschaft für die Musik auszeichnet und ein Hauptgrund für seine Beliebtheit ist, sind sein umgängliches Wesen, seine Bescheidenheit und seine positive Lebenseinstellung.

So wollte Leidinger auch von seinem kürzlich anstehenden 80. Geburtstag kein großes Aufheben machen. „Ich feiere jeden Morgen, an dem ich gesund aufwachen darf, Geburtstag“, sagt er augenzwinkernd. Positives Denken war schon in früherer Jugend von Nöten, als sich die Aussicht auf eine Lehrstelle zum Traumberuf Elektriker zerschlug und der 14-Jährige nach Beendigung der Schulzeit wohl oder übel eine Ausbildung zum Handformer in den Gienanth-Werken beginnen musste. Doch auch diese Prüfung hat er gemeistert und die Lehre nach drei Jahren erfolgreich abgeschlossen. Nach weiteren vier Jahren als Former hat er ab 1956 betriebsbedingt in der Schlosserei gearbeitet und 1971 die Gussputzerei mit italienischen, türkischen und deutschrussischen Arbeitern übernommen. Im Gießereibetrieb war er bis zu seinem Eintritt ins Rentenalter 1997 tätig. Wen wundert’s, dass er bis heute nicht nur der Blasmusik, sondern auch der IG Metall die Treue hält. Die allerersten Töne in seinem Musikerleben hat Leidinger allerdings nicht etwa einem Blasinstrument, sondern einer Geige entlockt: Friedrich Rhein, ein Nachbar der Familie und damals Dirigent des Orchesters, wollte den damals 13-Jährigen fürs Geigenspiel begeistern. Doch den Otto zog es mehr zum „Blech“ und so nahm er für 2,50 Deutsche Mark pro Übungsstunde bei Friedrich Scheidel Unterricht in Bariton. Die vielen Knöpfe und Klappen des Instruments ließen ihn aber schon bald zur „einfacheren“ Posaune wechseln, die er seit 1949 im Orchester bläst. Dass er trotzdem auch mit anderen, diffizilen Musikinstrumenten mustergültig umgehen konnte, beweist seine Zugehörigkeit zu einer Band, die von 1961 bis 1972 in amerikanischen Offiziersclubs auftrat und in der er ein b-Saxophon blies. In besonders guter Erinnerung ist ihm seine Zeit in der Donnersberg-Big-Band unter Wendelin Krill geblieben, gemeinsam mit Stars wie Hugo Strasser oder Bill Ramsey und mit Musik von Glenn Miller. Im Orchester ist er jedoch schon lange Jahre als erster Posaunist im Einsatz – noch, wie er schmunzelnd einschränkt, denn glücklicherweise verfügt das Orchester an so gut wie allen Instrumenten über qualifizierten Nachwuchs. Nicht zuletzt ein Verdienst Leidingers, für den die Jugendarbeit Herzenssache ist und der in Sachen Ausbildung des Musikernachwuchses stets um eine gute Zusammenarbeit mit der Kreismusikschule bemüht war. Unvergessen aus Leidingers Zeit als Vorsitzender bleibt auch seine „Uniform-Anschaffungsaktion“ gleich zu Beginn seiner Amtszeit, als er die Finanzierung des neuen Outfits der Aktiven komplett bei Sponsoren „zusammengebettelt“ hatte. Sein Stammplatz im Orchester ist auf der linken Seite – und auch seine parteipolitische Heimat ist seit mehr als 40 Jahren „links der Mitte“. Schon in den ersten Nachkriegsjahren 1946 bis 1948 verteilte er das SPD-Organ „Die Freiheit“. 1973 begleitete Leidinger seinen Meister Jakob Unvericht zu einer Parteiversammlung, die er prompt als „Unterkassierer“ verließ. Von 1974 bis 2004 gehörte er dem Orts- und Verbandsgemeinderat Winnweiler an und war in verschiedenen Ausschüssen tätig. So viel kulturelles und politisches Ehrenamt kann nicht unbeachtet bleiben. 2012 wurde er zum Ehrenmitglied des Musikvereins ernannt. Im gleichen Jahr hat ihm Landrat Winfried Werner im Beisein von Ministerin Margit Conrad und Bürgermeister Rudolf Jacob „für seine langjährige ehrenamtliche Tätigkeit in der kommunalen und sozialen Selbstverwaltung in Verbindung mit sozialen und kulturellen Zwecken“ die Ehrennadel des Landes Rheinland-Pfalz verliehen. Doch wer Otto Leidinger kennt, der weiß, dass er nicht der Typ ist, sich auf solchen Lorbeeren auszuruhen. Sie sind im Gegenteil Motivation für ihn, solange es seine Gesundheit erlaubt, weiterhin in „seinem“ Blasorchester das Posaunen-Ensemble zu verstärken. Und möglichst lange noch jeden Morgen Geburtstag zu feiern ... (rm)

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