Donnersberger Echo RHEINPFALZ Plus Artikel Corona: Was vorbei ist und was nicht

Nach den stressigen Corona-Zeiten wird’s jetzt mal Zeit für eine Sommerpause.
Nach den stressigen Corona-Zeiten wird’s jetzt mal Zeit für eine Sommerpause.

Eine persönliche (Zwischen-)Bilanz

Nein, es ist noch nicht vorbei. Nein, es ist längst nicht alles wieder normal. Nein, nicht jeder Nordpfälzer hat die vergangenen vier Monate ohne – körperliche, psychische und/oder wirtschaftliche – Blessuren überstanden. Und doch gibt es einige Dinge, die Hoffnung machen. Allen voran natürlich die niedrigen Infektionszahlen. Es scheint so, als gehen die meisten Menschen in unserer Region mit ihrer wiedererlangten „Freiheit“ verantwortungsbewusst um. Das macht Mut für die nächsten Monate. Denn einfach so – siehe Gütersloh – wird das Virus nicht verschwinden. Seien wir also weiter auf der Hut und freuen uns an dem, was (wieder) möglich ist.

Diese Woche hat das zweite Halbjahr begonnen. Vielleicht für jeden von uns eine Gelegenheit, mal seine persönliche Corona-(Zwischen-)Bilanz zu erstellen. Die meisten werden zu dem Ergebnis kommen, dass natürlich nicht alles gut war: Schulen und Kitas nur im Notbetrieb geöffnet, Firmen in Kurzarbeit, alle Gruppen- und Vereinsaktivitäten gestrichen – was das mittel- und langfristig zur Folge hat, lässt sich noch nicht absehen.

Am schwierigsten fand ich den Umgang mit unseren älteren und alten Mitmenschen: Eltern, die wochenlang ihre Kinder nicht gesehen haben, Omas und Opas, die ihre neugeborenen Enkel nicht besuchen konnten, Seniorenheim-Bewohner, die praktisch von der Außenwelt abgeschnitten waren und die vielerorts nur dank großartigen Engagements des ohnehin stark belasteten Personals vor dem emotionalen Gefriertod bewahrt worden sind: Hier zeigt sich in zugespitzter Form, dass fast alle Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie ein Abwägen zwischen Gesundheitsschutz einerseits, den Auswirkungen für unsere Gesellschaft anderseits waren und sind. Und je nachdem, was für einen selbst überwiegt, fällt auch die individuelle Gewinn-Verlust-Rechnung unterschiedlich aus.

Für mich kann ich sagen: Natürlich hatten auch wir in unserer Familie schwierige Situationen zu händeln. Zeitweise vier Leute parallel im Homeoffice beziehungsweise -schooling, für unsere Kinder das Wegbrechen ihrer Hobbys und (direkter) sozialer Kontakte, beruflich coronabedingte Turbulenzen – und dennoch sage ich: Da waren viele Menschen weitaus schlimmer dran! Und ich habe in den letzten Monaten eine Menge Positives gesehen: Zahlreiche Menschen, die in der Natur unterwegs sind, die auf der Straße oder über den Gartenzaun – natürlich mit Abstand – mehr Zeit für ein gepflegtes Gespräch haben, die aufeinander achtgeben und sich um die Schwächeren kümmern, die kreativ sind, was das Erfinden neuer oder das provisorische Ausüben ihrer bisherigen Freizeitaktivitäten anbelangt – und nicht zuletzt habe ich bei allen traurigen Momenten, die Covid-19 mit sich bringt, immer mal wieder herzlich gelacht.

Mitunter auch über Einsendungen von Lesern der Donnersberger Rundschau, die sich an unseren Aktionen rege beteiligt haben: Ob beim „Corona-Foto des Tages“, diversen Umfragen, mit Vorschlägen oder Beiträgen zu unserem „Corona-Tagebuch“, Spielideen für Kinder und anderem mehr: Sie haben mitgeholfen, dass wir auch in dieser schwierigen Zeit eine – so hoffen wir jedenfalls – passable Zeitung machen konnten und weiterhin können. Dafür an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön! Und vielleicht setzen Sie sich heute Abend bei einem Glas Wein oder Saft mal auf Ihre Terrasse, atmen durch und ziehen Ihr persönliches Fazit der letzten Monate. Gerne können Sie uns an Ihren Gedanken teilhaben lassen: Schicken Sie eine E-Mail an reddonn@rheinpfalz.de. An eines sollten wir aber denken: Es ist noch nicht vorbei!

Die Schulen haben es (vorerst) geschafft

Vorbei ist dagegen seit gestern das Schuljahr 2019/20. Gott sei Dank, werden die meisten Schüler, Lehrer und Eltern sagen. Sie alle, so viel steht fest, werden das letzte Quartal ihr Leben lang nicht vergessen. Es hat fraglos gezeigt, dass wir in Sachen Homeschooling gehörigen Nachholbedarf haben – sowohl was die technische Ausstattung als auch den Umgang damit anbelangt. Und natürlich hat nicht jeder der Beteiligten – ob Pennäler oder Pädagoge – die vielzitierten Herausforderungen mit dem gleichen Ehrgeiz angenommen. Aber meine persönliche Erfahrung war, dass die große Mehrheit der Lehrer und Schüler (und Eltern!) sich ohne jegliche Vorbereitungszeit mit viel Engagement in die neue Aufgabe gestürzt und das Beste aus der Situation gemacht hat.

Dabei war angesichts rückständiger medialer Möglichkeiten Einfallsreichtum gefragt: So hat die (zehnte) Klasse meiner Tochter beispielsweise nicht nur „gemoodelt“ (Moodle ist eine Lernplattform), sondern auch „discorded“. Ursprünglich eine „Gaming-App“ für Computerspieler, haben manche Lehrer den Online-Dienst für Telefonkonferenzen mit ihren Schülern sowie dem Vermitteln von Schaubildern oder Videos umgenutzt. Und nebenbei haben sie angezeigt bekommen, ob die Jugendlichen gerade zum Spielen oder für Mathe auf „Discord“ unterwegs gewesen sind ... Jedenfalls ist dies nur eines von vielen Beispielen, was die Schulen in dieser Krise geleistet haben – auch das hätte durchaus mal einen Applaus verdient!

Kehrseite der Medaille: Die soziale Komponente war lahmgelegt. Abiturbälle: abgesagt. Abschlussfeiern: abgesagt. Klassenfahrten (meine Tochter hatte sich riesig auf ihre Berlin-Reise gefreut!): abgesagt. Das ist nicht zu ändern, aber traurig. Deshalb ist es zwar selbstverständlich richtig, dass alternative Lernformen ausgebaut werden müssen. Aber bitte nicht auf Kosten der Klassen- und Schulgemeinschaft. Ich jedenfalls wünsche mir, dass nach den Sommerferien normaler Unterricht wieder möglich ist. Wochenlanges Lernen am Laptop alleine auf der Couch: Das wird hoffentlich vorbei sein!

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