Donnersberger Echo
Corona und Feiern – ein schmaler Grat
Um Missverständnissen vorzubeugen: Mir fehlt jedes Verständnis für Partys – sei es auf „Malle“ oder vor unserer Haustür –, bei denen unter Missachtung aller derzeit geltenden Hygienevorschriften willenlos gefeiert wird. Gleiches gilt für Demonstrationen: Das Recht auf freie Meinungsäußerung sei natürlich allen Teilnehmern unbenommen – aber dann bitte so, wie es die momentanen Regeln vorschreiben. Dass diese entgegen anders lautenden Theorien eben doch zwingend notwendig sind, zeigen ja die steigenden Infektionszahlen. Und noch sind nicht alle Urlauber in die Heimat zurückgekehrt, noch hat die Schule nicht wieder begonnen. Hoffen wir einmal das Beste ...
Großes Verständnis habe ich aber, dass die Menschen in diesem Jahr des weitgehenden Stillstandes – der ja nicht selten ein Rückschritt ist – nach Möglichkeiten suchen, den gerade in unserer ländlichen Region so ausgeprägten Gemeinschaftssinn nicht vollends verkümmern zu lassen. Residenzfest in Kibo: abgesagt. Herbstfest in Rockenhausen: abgesagt. Kerwen: abgesagt. Vereinsfeste: abgesagt. Zwangsläufig wächst da der Wunsch nach Nähe und persönlichen Kontakten. Hier haben die Nordpfälzer in den vergangenen Wochen eindrucksvoll bewiesen, dass sie eben nicht nur ein geselliges, sondern auch ein kreatives und vernünftiges Völkchen sind.
Von „Weinkerwe light“ bis „Haxen to go“
Kreativ, weil sich quer durch den Landkreis Organisatoren Gedanken gemacht haben, wie sie ihren Bewohnern auch in Zeiten von Covid-19 eine Freude machen und den Zusammenhalt im Dorf beziehungsweise der Stadt stärken können. Da gibt es in Kirchheimbolanden die Aktion „Kibo l(i)ebenswert“, die nach der erfolgreichen Premiere im Juli am kommenden Wochenende zum zweiten Mal die Bürger kulinarisch und kulturell auf dem Römerplatz verwöhnen will. Da haben sich die Einselthumer Winzer zu einer Art „Weinkerwe light“ zusammengetan, um das Traditionsfest wenigstens mit einer abgespeckten Version am Leben zu erhalten. Da haben die Teschenmoscheler als Trost für die ausgefallene Kerwe „Haxen to go“ angeboten – die dann sicher in den momentanen Bedingungen angepasster Runde verzehrt worden sind. Da hat die Gehrweilerer Straußjugend frei nach dem Motto: „Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt ...“ auf die obligatorische Kerwerede nicht gänzlich verzichtet, sondern diese an fünf verschiedenen Stellen über den Ort verteilt vorgetragen. Es gibt bestimmt zahlreiche weitere gelungene Beispiele, wie die Donnersberger dieser Tage zueinander finden.
Vernünftig sind sie in meinen Augen, weil die zarte Wiederaufnahme des gesellschaftlichen Lebens bislang kaum zu neuen Infektionen im Kreis geführt hat. Man soll bekanntlich den Tag nicht vor dem Abend – in diesem Fall vor dem Impfstoff – loben, aber Stand heute ist Veranstaltern wie Besuchern in unserer Region für ihr diszipliniertes Verhalten Respekt zu zollen. Es ist derzeit ein schmaler Grat zwischen Frohsinn und Kontaktfreudigkeit auf der einen, Leichtsinn und Unvernunft auf der anderen Seite. Drücken wir die Daumen, dass die Menschen rund um den Donnersberg den Balanceakt weiter so gut bewältigen. Ein gesprächiges Wochenende mit der nötigen – rein körperlichen, nicht emotionalen – Distanz wünscht Ihnen Rainer Knoll