Donnersbergkreis
Cannabis Club „B420“: Die ersten Pflanzen wachsen
Der Weg zur ersten Ernte ist steinig. Und er erfordert viel Geduld. Fast ein Jahr ist es her, seit der Konsum von Cannabis in Deutschland legal wurde. Es dauerte nicht lange, bis sich die ersten Social Clubs gründeten. Vereinsstrukturen, die laut dem neuen Gesetz notwendig sind, um Cannabis anpflanzen und die Ernte dann an Mitglieder verteilen zu dürfen. In der näheren Region ist der Social Club „B420“ weiterhin der einzige. Seinen Hauptsitz hat er in Bad Kreuznach, die Mitglieder kommen aber auch aus dem Donnersbergkreis – und die eigene Anzucht startet nun nach einigen Schwierigkeiten in einer Lagerhalle bei Bingen.
Einen Container-Komplex hat der Club dort entstehen lassen. Quasi eine Halle innerhalb einer Halle. Can Christ, Fabien Spreitzer und Sakda Stenzhorn ziehen die Stränge, treffen als Gründer die wesentlichen Entscheidungen und tragen die finanzielle und planerische Last der Cannabis-Produktion. „Das Vorhaben ist durch Kredite finanziert“, verrät Christ. Ohne Risiko ist ihr Vorhaben also keineswegs. Und ohne Hürden ebenso wenig. Zunächst waren es vor allem bürokratische Dinge, die das Trio lernen und letztlich auch erfüllen musste. Das neue Gesetz steckt schließlich noch in den Kinderschuhen. Im Austausch mit anderen Clubs bundesweit half man sich, teilte Erfahrungen. Dann sollte die erste Cannabis-Produktion endlich starten, und zwar in Wöllstein. Die Container waren bereits aufgebaut, ehe sich herausstelle, dass die Stromkapazität in der Halle bei weitem nicht ausreichte. Der Social Club musste also umziehen.
131 Pflänzchen wachsen bereits stetig
Im Eiltempo haben die Gründer mit einigen Helfern nun ihre Produktionsstätte also am neuen Standort wieder aufgebaut. Die Anzucht läuft bereits, 131 Pflänzchen wachsen stetig und können schon bald die Vegetationskammer verlassen. Entsprechend stolz und vorfreudig sind die drei Gründer. Im Sommer soll die erste Ernte eingefahren werden. Pflanzen also, die dann clubintern verteilt werden. 70 Mitglieder gibt es bereits. „Wir haben noch reichlich Plätze frei“, sagt Fabien Spreitzer. 21 Jahre alt muss man sein, um Cannabis erhalten zu dürfen. Die weiterhin offene Frage ist jedoch, wo künftig die Übergabe der Ernte und auch Raum für interne Treffen entstehen soll. Klar ist: Dort, wo die Pflanzen wachsen, darf und soll kein Treffpunkt entstehen. „Wir wollen hier alles möglichst hygienisch halten und die Pflanzen vor Schädlingen schützen“, erklärt Can Christ. Entsprechend soll noch eine Schleuse am Eingang entstehen und künftig jeder auch einen Schutzanzug tragen, der die kleine Plantage betritt. Außerdem soll sich die Anzahl der Menschen dort auf das Nötigste beschränken.
Mitglieder und Interessierte sollen dann künftig in einem Vereinsheim einen gemeinsamen Anlaufpunkt finden. „Wir suchen weiter nach einem passenden Ort, würden unser Vereinsheim am liebsten in Bad Kreuznach haben“, sagt Fabien Spreitzer. Auch hierbei sind die Regeln einzuhalten. Etwa die, dass ein Abstand beispielsweise zu Kinderspielplätzen eingehalten werden muss. „Das nehmen wir ernst“, sagt er. Auch wenn im Vereinsheim selbst kein Cannabis konsumiert werden darf. „Das wird nur ein Treffpunkt sein und eben der Ort zur Ausgabe der Pflanzen. Außerdem brauchen wir noch einen abgetrennten Raum aus Datenschutzgründen und um dort Beratungsgespräche führen zu können“, erklärt Christ.
Wer dem Social Club beitreten möchte, zahlt 15 Euro Mitgliedsbeitrag im Monat und kann je nach Bedarf verschiedene Mengen an Cannabis abrufen. Der Club zahlt davon jeweils einen Euro für einen sozialen Zweck. „Das tun wir auch bereits, bündeln dabei immer ein paar Monate, damit eine ordentliche Summe zusammenkommt“, sagt Can Christ.
Politische Entwicklung bereitet Sorgen
Das Konzept steht also weiterhin. Doch auch, wenn die erste Ernte nun absehbar ist, wissen die drei Gründer um die nötige Geduld, die jeder seit inzwischen fast einem Jahr mitbringen muss. Hinzu kommt nun die Ungewissheit mit Blick auf die neue Bundesregierung. Vor allem seitens der CSU war im Wahlkampf stets von einem Ende der Legalisierung die Rede. „Man macht sich natürlich seine Gedanken. Aber uns stimmt optimistisch, dass die SPD wohl mitregieren wird und auch, dass es aktuell sicherlich größere, wichtigere Themen gibt, die diese Regierung angehen muss“, sagt Can Christ. Die Macher hinter dem Social Club „B420“ würden sich wünschen, dass die Politik zunächst einmal abwartet, wie sich die Dinge entwickeln und den neuen Clubs die Chance gibt, ihre Ideen auszuprobieren. Schließlich hat das Trio reichlich Zeit und Geld investiert – wie bundesweit auch viele andere Clubs.