BREUNIGWEILER
Brennerei Geißler macht aus fast ausgeschüttetem Bischoff-Bier Schnaps
Viele Menschen kennen vermutlich den Beginn der Verse, die Rumpelstilzchen – um ein Feuer tanzend – singt: „Heute back ich, morgen brau ich“ und damit ankündigt, der Königin Kind holen zu wollen. Die hatte sich vorher von dem Männlein mehrere Kammern voll Stroh zu Gold spinnen lassen, um auf Drängen ihres Vaters den König heiraten zu können. Im Donnersberger Märchen gibt es keine junge Frau, die unbedingt die Ehe mit einem Blaublüter eingehen möchte, auch keinen zielstrebigen Erziehungsberechtigten, aber Ehrgeiz, Verwandlungskunst und ein wenig Wunderwerk á la Rumpelstilzchen spielen schon eine Rolle ...
Es war einmal eine Brauerei in Winnweiler mit Namen Bischoff. Die war im vergangenen Jahr – wie viele andere Firmen auch – wirtschaftlich in größere Schwierigkeiten geraten, weil zu wenige Menschen ihr Bier trinken wollten. Die Pandemie verhinderte, dass Menschen sich in Gasthöfen zum geselligen Zusammensein einfinden konnten. Also war viel Bier übrig und sollte weggeschüttet werden. Davon erfuhr Steffen Geißler, dem eine Brennerei in Breunigweiler gehört, und der dort – unterstützt von seinem Vater Edgar – seit 2004 Schnaps herstellt. Sie nahmen Kontakt mit Brauereichef Sven Bischoff auf, und die drei wurden sich schnell einig: 900 Liter Bier wurden abgeholt, bezahlt werde mit dem Produkt, das nun entstehen sollte: mit Schnaps.
Keine Brenn-Erfahrung mit dem neuen Grundstoff
„Wir hatten keinerlei Erfahrung mit dem Brennen von Bier“, erzählt Edgar Geißler. „Normalerweise verarbeiten wir nur Geerntetes von unseren Streuobstwiesen: Mirabellen, Kirschen, Äpfel und Birnen beispielsweise. Das merkt man unseren Schnäpsen an.“ Steffen Geißler ergänzt: „Das Brennen fängt eigentlich mit dem Ernten, mit dem Grundprodukt an. Wir handeln stets regional, ökologisch nachhaltig und sichern durch die Vielfalt unserer Obstwiesen die Biodiversität unserer heimischen Natur. Alles, was sich in den Flaschen befindet, ist zu 100 Prozent von uns. “
Aus einem Abfallprodukt Gold gemacht
Das belege die Tatsache, dass in jedem Jahr fünf bis sechs Brände der Geißlers prämiert werden. 2020 konnten sie sich sogar über eine ganz besondere Ehrung freuen: Der Mirabellenbrand bekam nicht nur die Goldene Kammerpreismünze, sondern ging in der Kategorie „Steinobst“ als „Siegerbrand“ hervor. Und deshalb lag es irgendwie auf der Hand, dass aus dem Bischoff-Bier etwas Besonderes werden würde. Trotzdem war es dann doch eine Überraschung, als es für das neue Produkt eine Goldene Kammerpreismünze gab, die von der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz verliehen wird. Ein milder, leicht „bieriger“ Brand ist entstanden, den die Brauerei Bischoff ebenfalls in ihr Verkaufsrepertoire aufgenommen hat.
Und obwohl kein Rumpelstilzchen mitwirkte und mit Stroh zauberte: Das Können der beiden Geißlers hat aus etwas, das eigentlich beinahe ein Corona-Abfallprodukt geworden wäre, tatsächlich Gold gemacht. In Form einer Münze.