Marienthal
Blockhütte, Wohnprojekt, Ortstreff: Bürgerstiftung stellt Pläne für nächsten Jahre vor
Die Wiedereröffnung des Blockhütten-Lokals, eine Wohnsiedlung für alle Generationen im Baugebiet „Am Köpfchen“, die Schaffung eines Ortstreffs mit Café, Laden und anderen Angeboten mehr: Das sind derzeit die drei markantesten, aber nicht die einzigen Projekte auf der Agenda der Bürgerstiftung Marienthal. Diese präsentiert ihre Vorhaben am Samstag, 11 bis 17 Uhr, bei der Veranstaltung „Einmal Zukunft und zurück“ an sechs Stationen in der Gemeinde.
Die Stiftung wurde 2011 auf Initiative mehrerer Marienthaler Bürger gegründet – in der Überzeugung, dass die gemeinnützige Organisation zum Sammeln von Kapital und der Umsetzung von Ideen zugunsten der Allgemeinheit gut geeignet ist. Denn gerade im ländlichen Raum ist der strukturelle und demografische Wandel eine von Kommunen allein nur schwer zu stemmende Aufgabe.
In sechs Wochen Stiftungskapital beisammen
Ziel ist es, die Lebensqualität in dem 320-Einwohner-Dorf zu verbessern, dieses fit für die Zukunft zu machen. Ein Konzept, das Anklang fand: Binnen sechs Wochen hatten 28 Bürger die zur Gründung benötigten 25.000 Euro bereitgestellt. Ein Projekt wurde mit Hilfe mehrerer Erbschaften – mehr noch als Spenden wichtigste Einnahmequelle von Stiftungen – bereits realisiert: der Kauf und Abriss eines heruntergekommenen Anwesens in der Rockenhausener Straße sowie die Herrichtung des Geländes als Parkplatz.
32 Mitstreiter hat aktuell die Initiative, die von Richard Schmidt als Vorsitzendem sowie Thomas Bauer und Ortwin Börker als Stellvertretern geführt wird, zudem die Bürgerstiftung Pfalz zur Seite hat. Denn die „große Schwester“ um Vorsitzende Christine Steinmetz verfügt über das nötige Fachwissen, berät und unterstützt die Marienthaler bei der Umsetzung beziehungsweise Finanzierung der Pläne – „für uns eine große Hilfe“, sagt Schmidt.
Genossenschaft „Zukunftsdorf“ gegründet
Und die Zusammenarbeit wird intensiviert: Um Kommunen auf dem Weg der „Transformation ländlicher Räume“ noch gezielter begleiten und fördern zu können, hat die Bürgerstiftung Pfalz die Genossenschaft „Zukunftsdorf“ gegründet – und zugleich Marienthal mit Kirrweiler (Kreis Südliche Weinstraße) zu Modellgemeinden ernannt. Beide erfüllten die Vorgabe, auf mindestens fünf von zehn sogenannten Innovationsfeldern bereits konzeptionell tätig gewesen zu sein.
„Die nächsten Dörfer stehen schon in den Startlöchern, das Interesse ist groß“, betont Schmidt. Denn gerade größere Bauvorhaben seien über eine Genossenschaft leichter zu verwirklichen: In Niedrigzins-Zeiten sei dies etwa für andere Stiftungen eine gute Beteiligungsmöglichkeit, aber auch Bürger hätten die Möglichkeit, sich finanziell einzubringen – und später von etwaigen Gewinnen oder Vorteilen wie beispielsweise einer geringeren Miete in genossenschaftlich errichteten Wohnungen zu profitieren.
„Interaktive Zeitreise“ mit sechs Stationen
Um das Konzept der Zukunftsdörfer in die Öffentlichkeit zu transportieren, hat die Bürgerstiftung Pfalz die Reihe „Einmal Zukunft und zurück“ initiiert. Auftakt war im Juli in Kirrweiler, am Samstag ist nun Marienthal dran. Die Veranstalter versprechen eine interaktive Zeitreise – „wir werden an den sechs Stationen zeigen, was dort im Rahmen der Genossenschaft in den nächsten Jahren entstehen soll. Das wird jeweils auf einer Tafel visualisiert, die dann auch stehen bleibt“, so Schmidt.
Vorgestellt werden zudem die Ergebnisse einer Fragebogenaktion zur Lebenssituation der Marienthaler, es gibt Workshops und Vorträge zu den Themen. Schmidt: „Natürlich hoffen wir, dass uns viele – auch auswärtige – Besucher Rückmeldungen zu den Projekten geben.“
Blockhütte: Anzahl der Sitzplätze wird verdoppelt
Die Organisatoren möchten vorab nicht alle Details verraten, deshalb umreißt Schmidt die Maßnahmen im RHEINPFALZ-Gespräch nur grob. So werden die Bürgerstiftungen Marienthal und Pfalz künftig gemeinsam die seit dem Vorjahr geschlossene Blockhütte bewirtschaften. Das Gelände hat man gekauft, im Herbst sollen die Arbeiten zur Erweiterung des Gebäudes beginnen. „Durch einen Anbau werden die Sitzplätze im Inneren auf rund 80 verdoppelt, zudem wird ein zusätzlicher überdachter Außenbereich geschaffen“, erläutert Schmidt. Derzeit laufe der Bauantrag, kalkuliert wird mit Investitionen im mittleren sechsstelligen Bereich. Bis Mitte 2023 soll die Hütte wieder öffnen.
Nicht minder ambitioniert sind die Pläne für eine generationenübergreifende Wohnsiedlung „Am Köpfchen“: Dort soll mit der Genossenschaft als Bauherr ein Ensemble entstehen – von einem Wohngebäude für mehrere Parteien über Gemeinschaftsräume und Einzelhäuser bis hin zu Ferienwohnungen. Das alles unter Berücksichtigung energetischer Fragen und ergänzt von Angeboten, die gerade im Alter hilfreich sind. Die ärztliche Versorgung spielt ebenso eine Rolle wie die Themen Pflege und Car-Sharing. Beachtlich findet Schmidt, „dass sich eine Gruppe von Interessenten aus ganz Deutschland, moderiert von der Bürgerstiftung Pfalz, bereits regelmäßig trifft, um die Idee voranzubringen.“ Einige von ihnen werden am Samstag Auskunft über den Planungsstand geben. Schmidt ist zuversichtlich, dass die notwendige Änderung des Bebauungsplans zügig vonstatten geht und bald mit dem Bau begonnen wird.
Café, Dorfladen und „Mobilitätszentrale“
Eher mittelfristig angelegt sind die Pläne, im Ortszentrum einen Treffpunkt für Bürger mit Café und Dorfladen sowie weiteren sozialen und eventuell medizinischen Angeboten zu schaffen. War als Standort für diese Begegnungsstätte bislang die genannte Parkfläche an der Ortsdurchfahrt ins Auge gefasst, so biete sich nun vielleicht die Chance, ein Gebäude nahe des Bürgerhauses ab einem noch ungewissen Zeitpunkt zu diesem Zweck nutzen zu können. Auf dem anderen Areal wiederum soll eine „Mobilitätszentrale“ eingerichtet werden, bei E-Fahrzeuge und -Räder gemietet werden können.
Diese und weitere Vorhaben wie ein „Zukunftsdorfgarten“ oder Werkstätten als Zentrale für das künftig benötigte Personal zur Pflege der Anlagen werden am Samstag vorgestellt. Ortsvorsteher Thomas Bauer bezeichnet „die Gründung der Bürgerstiftung Mariental in Kooperation mit der Bürgerstiftung Pfalz als Glücksfall für unsere Gemeinde“ und die Beteiligung an der Genossenschaft als „absolut richtige Entscheidung“ des Ortsbeirates. Wo die Mittel der öffentlichen Hand in Sachen Dorferneuerung begrenzt seien, „haben wir dadurch auch künftig die Möglichkeit, Entwicklungen in unserem Dorf voranzutreiben, die wir uns aufgrund der Haushaltssituation ansonsten nicht leisten könnten“. Deshalb sei dieser Weg „auch für andere Kommunen empfehlenswert – letztendlich machen wir mit der Veranstaltung am Samstag zugleich Werbung dafür“.
Info
- Eröffnung der interaktiven Zeitreise ist am Samstag, 3. September, um 11 Uhr im Bürgerhaus, die Gesangvereinskapelle Rockenhausen begleitet musikalisch.
- Um 11.30 Uhr beginnt ein Rundgang zu den Stationen. Dort gibt es zu verschiedenen Zeiten Workshops und Vorträge.
- Den ganzen Tag über angeboten werden unter anderem eine Kinderbetreuung, ein Dorfcafé, ein Flohmarkt mit Repair-Café, ein Permakultur-Quiz samt Tombola sowie eine Samentauschbörse.
- Den Flyer zur Veranstaltung gibt es zum Herunterladen unter buergerstiftung-pfalz.de, „1x Zukunft & zurück“.