Rockenhausen
Blühender Diptam: Der Klimawandel und der „Brennende Busch“
Der Diptam ist eine giftige Pflanzenart, die im Volksmund auch als Asch- beziehungsweise Spechtwurz sowie unter der Bezeichnung „Brennender Busch“ bekannt ist und zur Familie der Rautengewächse zählt. Sowohl optisch als auch aromatisch ist er eine Besonderheit. Bei einer Wuchshöhe von bis zu einem Meter und teils sogar darüber hinaus bilden je zehn bis 25 Einzelblüten eiförmige Trauben, die sich zu einem rosa-violetten Teppich vereinigen.
Außergewöhnlich ist zudem der starke Duft nach Zitrone und Zimt, der nicht nur Wanderer, sondern auch Bienen und Hummeln zur Bestäubung anlockt. „Wie Parfüm“ riechen laut Burkhart die ätherischen Öle, die vor allem an heißen Tagen von der mit kugeligen Drüsen durchsetzten Pflanze verströmt werden. Was aber einen nicht zu unterschätzenden Nebeneffekt hat: Bei extremer Hitze, so heißt es, könnten sich diese Dämpfe sogar selbst entzünden. Definitiv in Flammen gehe der Diptam auf, wenn jemand ein Feuerzeug über die Blüten halte, so der Förster. Daher stammt auch die ebenfalls verwendete Bezeichnung „Brennender Busch“.
Hautausschläge und Verbrennungen möglich
Mit Vorsicht zu genießen ist das Gewächs aus einem weiteren Grund: Bei Berührung kann es zu Hautausschlägen oder Verbrennungen kommen. Das bedeutet also: anschauen ja, anfassen besser nein. Denn die Pflanze liefert eben auch wunderschöne Anblicke – und seltene zudem: Bereits seit 1936 steht sie unter Naturschutz und wird in der Roten Liste als stark gefährdet eingestuft. Da der Diptam – der Begriff stammt aus dem Altgriechischen – Wärme liebt und trockene Standorte bevorzugt, ist er in Mitteleuropa nur sporadisch anzutreffen; in der Pfalz kommt er bei Kusel sowie an der Haardt zwischen Neustadt und Grünstadt vor. Und an mehreren Standorten rund um den Donnersberg – allerdings „nirgends in dieser Mächtigkeit wie am Spelzenkopf“, erläutert Burkhart im Gespräch mit der RHEINPFALZ.
Hier kommt nun neben seiner persönlichen Initiative auch der zunehmend dramatische Zustand des Waldes ins Spiel. Denn angesiedelt hat sich die Art auf dem Gelände nahe des ehemaligen Skilifts beim südöstlich von Rockenhausen gelegenen Hintersteinerhof schon vor vielen Jahren – vermutlich handelt es sich um ein „Überbleibsel“ der letzten Warmzeit. Die Anzahl der blühenden Exemplare sei jedoch kontinuierlich gestiegen. Ein Grund dafür sei, dass er bereits vor längerer Zeit auf dem Areal einige wenige Brennholz-Bäume eingeschlagen und damit den Pflanzen dort mehr Licht verschafft habe. „Das hat dazu geführt, dass sie sich langsam, aber stetig ausgebreitet haben.“
Diptam profitiert von Folgen des Klimawandels
Dieser Effekt, davon ist der Förster überzeugt, wird sich in Zukunft auf natürlichem Weg noch verstärken. „Bei allen negativen Begleiterscheinungen des Klimawandels – Büsche, Hecken und Krautflora sind die Gewinner von auflichtenden Beständen.“ Auch der Diptam profitiert davon, weshalb Burkhart mit einer weiteren Ausdehnung in diesem Gebiet rechnet. Die frühere Verwendung als Heilpflanze ist zwar lange Geschichte, weil sich die Wirkstoffe zu schnell verflüchtigen. Aber Spaziergängern bietet die sich vermehrende Blütenpracht ein wunderbares Panorama. Und das ist mit Blick auf den bedenklichen Gesamtzustandes des Waldes ja auch schon eine ganze Menge ...