Winnweiler
Bischoff-Bier: Absatz an Fassbier nahezu auf Null gefallen
Herr Bischoff, in einem Facebook-Video bitten Sie die Bevölkerung darum, die Restaurants weiterhin zu unterstützen, indem Sie deren Bestellservice annehmen, sowie zuhause Biere der regionalen Brauereien zu trinken. Wie geht es der Brauerei Bischoff in dieser Zeit ohne geöffnete Bars, ohne Veranstaltungen und Restaurants, die nur Essen ausgeben dürfen?
Uns hat als regionale Brauerei natürlich die Schließung der Gastronomie sowie die Absage aller Feste sehr hart getroffen. Der Absatz an Fassbier ist nahezu auf Null gefallen.
Gibt es in der Brauerei derzeit Kurzarbeit?
Wir haben natürlich hier reagieren müssen. Bis auf die Mannschaft, welche noch Aufträge im Fünf-Liter Partydosenbereich abarbeitet, sind alle Mitarbeiter in Kurzarbeit oder zum Abbau von Altstunden und Resturlaub nach Hause geschickt beziehungsweise auf halbe Arbeitszeit gesetzt worden.
Spüren Sie in einer solch schwierigen Zeit einen Rückhalt aus der Region? Kunden, die nun auch verstärkt daheim mal ein Bier trinken?
Das ist natürlich unsere Hoffnung, dass nun beim Biertrinken zuhause der Pfälzer zum lokalen Bischoff-Bier greift, um hier auch die regionale Verbundenheit zu zeigen. Es hängen ja an seiner Konsumentscheidung nicht nur die Arbeitsplätze hier in der Brauerei dran, sondern auch Zulieferer und andere Partner. Wenn man regional konsumiert, sei es Bier, Wein oder Fleisch vom örtlichen Metzger oder Gemüse und Salat aus der Region, dann trägt man dazu bei, dass das Geld bei uns in der Region bleibt und hier auch wieder ausgegeben werden kann.
Welche Bischoff-Produkte werden derzeit überhaupt noch nachgefragt?
Im Moment aufgrund der Gastronomieschließung nur Flaschenbier. Leider.
Die Biergarten- und Festsaison würde nun bald beginnen. Haben Sie Hoffnung, dass es eine solche Saison in diesem Jahr noch geben wird – zumindest in Teilen?
Sagen wir mal so, die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich bin aber auch der Meinung, dass man der Bevölkerung solche Einschränkungen wie im Moment nicht über mehrere Monate zumuten kann. Es muss hier zu einer Lockerung kommen. Es gibt ja auch Beispiele wie Schweden, die zeigen, dass man auch der Bevölkerung mehr Freiheiten geben kann und die Ausbreitung des Virus verläuft trotzdem langsam. Hier werden wir die Entwicklung der nächsten Wochen abwarten müssen. Aber ja, ich habe große Hoffnung, dass wir im Sommer wieder Bischoff im Biergarten trinken können.
Der Brauerei ging es in der Vergangenheit auch deswegen wieder besser, weil Bischoff-Biere auch in anderen Ländern stark gefragt waren. Allen voran in Italien, Frankreich und in China. Gerade diese Länder sind nun aber auch stark vom Coronavirus betroffen. Läuft derzeit ein Export in andere Länder überhaupt noch?
Der Absatz nach Italien und Frankreich ist auf Null gefallen. China war im Januar und Februar sehr schwierig, die Chinesen fangen jetzt aber wieder an zu bestellen.
Im vergangenen Jahr haben Sie sich erfreut darüber gezeigt, dass sich die Marke Bischoff nach einer schwierigen Zeit wieder stabilisiert hat. Was bedeutet nun diese Situation für die Brauerei? Wie lange können Sie eine solche Phase noch überstehen?
Wir hoffen sehr, dass die Phase nicht noch ewig dauert und wir hier gut rauskommen. Es hängt sicherlich auch zu einem Teil daran, ob die von der Politik vollmundig versprochenen Kreditmöglichkeiten der KFW oder Bürgschaftsbank für uns in Frage kommen und genutzt werden können.
Inwiefern läuft derzeit noch die Kooperation mit Karlsberg? Wie viel produzieren Sie aktuell für das Unternehmen und was produzieren hier?
Die Kooperation mit der Karlsberg läuft noch. Wir produzieren für Karlsberg noch Fünf-Liter Dosen und verschiedene Sorten Tankbier wie Weizenbock, Kriek und ähnliches für die Tochterbrauerei Licorne in Frankreich. Mittlerweile ist aber der Anteil von Lohnbrau und Abfüllungen für eigene Kunden größer als der Anteil für Karlsberg.
Als eine Erfolgsgeschichte hatte sich „Joy Bräu“ entwickelt, das weltweit erste alkoholfreie Proteinbier. Das Fitnessgetränk, das von zwei Hamburger Studenten erfunden worden ist, wird in Winnweiler produziert. Wie läuft dies in Zeiten der Corona-Krise?
Joy Bräu ist weiterhin eine Erfolgsgeschichte mit Absatz in mittlerweile 14 Ländern. Sicherlich sind sie im Moment auch von der Corona-Krise betroffen z.B, durch die Schließung von Fitnessstudios. Nichtsdestotrotz führen wir mit den Gründern von Joy Bräu im Moment sehr zielgerichtete Gespräche, weil sie sich bei uns noch mehr einbringen möchten, um beispielsweise auch die Abfüllung in Dosen bei uns durchführen zu können. Wir sind jedenfalls sehr froh über diese Partnerschaft.
Exoten haben in der Vergangenheit ja immer mal wieder bei Bischoff angeklopft. Gibt es denn in einer solchen Zeit Ideen oder Bestrebungen, neue Produkte herzustellen?
Im Moment führen wir mit einem Großkunden von uns Gespräche über die Produktion von Fassbrause in verschiedenen Geschmacksrichtungen, ein Hanfbier und es wird voraussichtlich auch zu einem Comeback des Malzbiers kommen.
Ein anderes Thema: 2020 wäre die Fußballlegende Fritz Walter 100 Jahre alt geworden. Bischoff hat ein Fritz-Walter-Bier im Sortiment. Ist da zum Geburtstag etwas Besonderes geplant?
Wie ist es mit Geburtstagsfeiern im Moment? Nicht mehr als zwei Leute? Spaß beiseite, hier haben wir auch aufgrund der aktuellen Lage nichts geplant.