Höringen
Aus der Krise in die Selbstständigkeit
„Wer sein Ziel kennt, findet seinen Weg.“ Dieser Philosophie folgt Sandra Molter aus Höringen in ihrem Leben, und der Satz findet sich auch auf ihren Visitenkarten wieder. Welchen Weg sie für sich selbst erst finden musste, ist nicht nur Teil ihrer persönlichen Biografie. Er hat sie auch von ihrem früheren Berufsleben als Angestellte in ihr jetziges Leben als selbstständige Mentaltrainerin geführt. Seit 2013 begleitet und berät die selbsternannte „Umdenkerin“ Menschen auf der Suche nach ihrem eigenen Weg.
„Krisen sind ja auch immer die Chance, etwas zu verändern“, blickt Sandra Molter auf ihre Entscheidung zurück. Die Krise, die sie selbst zum Umdenken brachte, begegnete ihr in ihrem langjährigen früheren Berufsleben in der Geschäftsführungsassistenz eines Betriebes in Rockenhausen. Als dieser übernommen wurde, standen große interne Veränderungen an. Schnell stand für sie fest: „Ich konnte meiner Arbeit nicht mehr mit dem gewohnten Herzblut nachkommen.“ Sie wurde krank, versuchte dennoch, sich mit den Umständen zu arrangieren. Schließlich erkannte sie: „Ich war an dem Punkt, an dem mich alles erdrückt hat. Es ging so nicht mehr weiter.“ Was ihr half: Zu dieser Zeit hatte sie bereits mit ihrer Ausbildung zur Resilienztrainerin begonnen.
Eine „Berge-Auszeit“ ist die Rettung
Als Erste in ihrem Betrieb nahm sie ein Ausstiegsangebot des Arbeitgebers an. „Ich konzentrierte mich vollends auf meine weitere Ausbildung, erwarb zusätzliche Qualifikationen und machte schließlich den Schritt in die Selbstständigkeit.“ Anfangs richtete sie sich mit ihrem Trainingsangebot an Unternehmen, später kamen mehr und mehr Anfragen von Privatkunden dazu.
2013 fiel sie nach der anstrengenden Gründungsphase in ein „erstes Loch“, wie sie die Zeit selbst beschreibt. 2015, nach einer kurzen Phase der Erholung, durchschritt sie ein zweites Tal. In dieser Zeit kam ihr die Idee einer „Berge-Auszeit“: „Ich verbrachte eine Woche mit völlig Fremden und einer tollen Trainerin, um dort meine Situation und den Umgang damit zu reflektieren. Diese Woche in den Bergen war für mich mein Weichensteller für die Zukunft“, blickt sie auf diese Erfahrung zurück. Eine erneute Auszeit im vorarlbergischen Montafon folgte. Auch hat sie dort eine ihrer besten Freundinnen kennengelernt. Seither leitet sie begeistert selbst die fünftägigen Seminar-Urlaube in Österreich; hat diese als festen Bestandteil in ihr eigenes Coaching-Angebot aufgenommen.
Zielgruppe: Frauen in der Lebensmitte
2017 hat sie sich auf einen Beratungs- und Seminarschwerpunkt spezialisiert. Er richtet sich an Frauen in der „Lebensmitte-Schleife“, die nach mentaler Begleitung und Neuorientierung suchen. „Mehr und mehr Frauen haben sich bei mir gemeldet. Also habe ich diese in Gruppen zusammengebracht, was sehr wertvoll für alle ist.“ In ihrer eigenen Altersgruppe erkannte die 51-Jährige den größten Bedarf für ihre Expertise und ihr Angebot. „Und das kann ja durchaus mit mir zusammen älter werden“, blickt sie auf ihre berufliche Zukunft.
Die Coronakrise hat sie zunächst ausgebremst. „Es hat mich eiskalt erwischt. Ich habe ja ausschließlich Präsenzveranstaltungen angeboten. Alle Seminare sind mir nach und nach weggebrochen.“ Sie fiel in eine dreitägige Schockstarre. Vor der Möglichkeit, ihre Kurse auch virtuell anzubieten, habe sie aber zunächst Respekt gehabt. „Ich hatte keine Erfahrung damit, mir dann aber gesagt: Du bist doch Resilienztrainerin, was kannst du also machen?“ Ihre Scheu vor den Onlinekursen hatte sie dann auch schnell überwunden. Ihr Geschäftsmodell ist mittlerweile komplett darauf ausgerichtet.
Traum vom Dauercampingplatz
Ihre Selbstständigkeit hat sie nie bereut. „Aus heutiger Sicht weiß ich, dass für mich nie wieder etwas anderes in Frage kommt“, resümiert sie. Nach wie vor lässt sie sich in Form eines persönlichen „Mentorings“ mental begleiten. „Das hat mir auf meinem Weg bis heute sehr geholfen.“ 2022 habe sie zudem noch einmal viele persönliche Entscheidungen getroffen. Aktuell denkt die begeisterte Wohnmobilistin unter anderem über einen Dauercampingplatz im Donnersbergkreis nach. Ob und wo sie diesen finden wird, weiß sie noch nicht. Aber Sandra Molter weiß, dass sie ihn findet. Schließlich kennt sie das Ziel.