Donnersbergkreis Artenreich – wie lange noch?

Auf 40 Jahre erfolgreiche Naturschutzarbeit blickt die Kreisgruppe Donnersberg im Naturschutzbund Deutschland zurück. Am 10. Januar 1975 hatten elf Männer in Imsbach den Vogelschutzverein Donnersberg im Deutschen Bund für Vogelschutz gegründet, Vorgänger der heutigen Nabu-Kreisgruppe.
Mit dem Bau von Brutkästen für Schleiereulen fing alles an. Die jungen Vogelschützer gingen mit großem Eifer an die Arbeit, die der 1. Vorsitzende Hans-Werner Bohnert aus Imsbach organisierte. Diese Nisthilfen wurden auf Kirchtürmen, in Kirchenspeichern, Scheunen und Wohnhäusern angebracht. Heute hängen 50 Eulenwohnungen im ganzen Landkreis. Eine Erfolgsgeschichte die Belegung der Brutkästen: Bei 248 Bruten flogen 935 Junge aus. Um verunglückte Vögel für die Natur zu retten, wurde 1981 eine Auffangstation für verletzte Greifvögel und Eulen eingerichtet. In Alsenbrück wurden bis 1991 165 dieser Unglücksvögel gepflegt. Der 1. Vorsitzende Hans-Ludwig Schäfer und seine Mutter Johanna kümmerten sich um die verletzten Vögel. Am 1. Juli 1991 übernahm Gottfried Altendorfer mit seiner Frau Ursula dieses „Krankenhaus“ für Vögel in Imsbach. Mit großer Tierliebe versorgten die Altendorfers ihre Patienten, so dass die Station in Imsbach bald weithin bekannt wurde. Großes Geschick bewies Altendorfer bei der Beschaffung von Futter. Von Geflügelhaltern bekam er Hühner und Tauben. Weiße Mäuse züchtete er selbst. Nach seinem plötzlichen Tod 2004 trat sein Schwiegersohn Bernhard Oester an seine Stelle. Er konnte 2013 den 1000. Vogel in der Auffangstation, einen Habicht, aufnehmen. Zwei Fischadler gelten als die seltensten Patienten, der Turmfalke als der häufigste. 2008 kam eine Auffangstation für verletzte und verlassene Singvögel in Gauersheim bei den fürsorglichen Schwestern Annelie und Brigitte Hellwig hinzu. 1983 gingen die Donnersberger Vogelschützer erstmals fremd. Sie bauten einen Krötenzaun an der Kreisstraße 1 bei Winnweiler. Abends und morgens wurden die eingegrabenen Eimer geleert. Dann betreute der Verein jahrelang vier Krötenwanderstrecken bei Winnweiler, Alsenz, Bolanden und am Kahlenbergweiher bei Gerbach. Dort wurde mit Hilfe fester Schranken der Verkehr gesperrt, so dass Kröten Vorfahrt hatten. Diese große Erleichterung hatte der 1. Vorsitzende Rüdiger Viessmann aus Bolanden bei der Kreisverwaltung erreicht. Pollichia, Tierschutzverein und Nabu stellten die Helfer. Für die Zukunft plant die Kreisverwaltung, feste Leiteinrichtungen für die Amphibienwanderung zu bauen. Die Hilfe für die Kröten fand großes Interesse und Wohlwollen bei der Bevölkerung. Viele Freiwillige kamen zum nächtlichen Krötensammeln. Langen Atem brauchten die Vogelschützer bei der „Aktion Mehlschwalbe“. Unter dem Motto „Jedes Dorf der Verbandsgemeinde Winnweiler ein Schwalbendorf durch Kunstnester“ brachten die Aktiven von 1976 bis 1991 in 16 Dörfern knapp 1100 Kunstnester an Hauswänden unter dem Dachvorsprung an. In den beiden letzten Jahren brachte der neue 1. Vorsitzende Gottfried Neumann aus Imsweiler noch einmal Schwung in die Arbeit. 2014 wurden rund 1600 Kunstnester im ganzen Kreis gezählt. Den Nutzen für die Schwalben bestätigten mehrere Zählungen. Ebenso hängten die Vogelschützer seit 1983 Fledermaushöhlen als Sommerquartiere auf. Ende 2014 gab es 15 Kolonien mit 82 Höhlen. Bei den herbstlichen Kontrollen wurden insgesamt 195 Fledertiere gefunden. Mit Sorge sehen die Fledermausschützer jedoch die zunehmende Zahl der Windräder im Wald, die eine tödliche Bedrohung für die Nachtflatterer darstellen. Zufrieden kann die Kreisgruppe auch auf den Kauf für die Natur wertvoller Biotope zurückblicken. 1977 war die erste Schilfwiese im Röhricht „Billenwoog“ bei Langmeil gekauft worden, heute werden rund 35 Hektar für die Bezirksgruppe Pfalz und den Landesverband betreut. Gesichert wurden Biotope wie Röhricht, Feuchtwiese, Teich, Streuobstwiese und Hecke. Das Geld für die Käufe kam vor allem von der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz, der Sparkasse Donnersberg, der Brauerei Bischoff Winnweiler, der Kreisverwaltung und aus Eigenmitteln. Über weitere Projekte soll nur stichpunktmäßig berichtet werden: Herstellung von Natur-Apfelsaft aus Streuobstwiesen, Bewirtschaftung des Bauernhofes Ambach und des Keltengartens. Kampf um die Unterschutzstellung des Steinbühls als Naturschutzgebiet und Betreuung der Rinder und Pferde dort, Pflanzung von Hecken und Streuobstwiesen bei Potzbach, im Keltengarten und an der Kleinmühle Albisheim, Schutzmaßnahmen für Schmetterlinge, Libellen und Hornissen, Kauf einer Orchideenwiese bei Lohnsfeld. Darüber hinaus gab der Nabu über 500 Stellungnahmen zu Planungen ab. Von Anfang an informierten die Naturschützer die Öffentlichkeit über ihre Arbeit. Mehr als 700 Berichte für die RHEINPFALZ verfasste Schriftführer Adolf Stauffer aus Winnweiler in diesen 40 Jahren. Viele Lichtbildervorträge, Filmabende, Vogelstimmenwanderungen und Führungen zum Schwalbenschlafplatz bei Langmeil und Winnweiler luden zum Kennenlernen der Natur ein. Ihre Beobachtungen zu Kranichzügen melden viele Leute mit Begeisterung. Rüdiger Viessmann, 1. Vorsitzender, blickt mit Stolz zurück, aber auch nachdenklich voraus: „40 Jahre Nabu Donnersberg waren 40 Jahre intensiver Naturschutzarbeit im Donnersbergkreis. Sie konnte nur durch die ehrenamtliche Mitarbeit vieler Mitglieder geleistet werden. Unsere Kreisgruppe ist die mitgliederstärkste des Nabu in Rheinland-Pfalz, und wir leben im artenreichsten Landkreis. Aber wie lange noch?“