Donnersbergkreis Amts-Apotheke ist geschlossen – Ende einer Ära?

«OBERMOSCHEL.» Die alteingesessene Amts-Apotheke in Obermoschel ist seit Oktober vergangenen Jahres wegen einer Erkrankung des Apothekers Ahmed Farag geschlossen. Für Obermoschel hoffen sowohl die Familie Farag als auch die Stadt, dass sich bei der Ärztedichte vor Ort und in den Nachbargemeinden noch ein Nachfolger finden lässt – schließlich handelt es sich um eine Institution.
Wie der Stadtchronik entnommen werden kann, befand sich die erste nachweisliche Apotheke in der Stadt in einem Haus in der Nähe der katholischen Kirche. Sie musste später dem Neubau der katholischen Schule weichen. Als ältester bekannter Apotheker betrieb hier Franz Höfer von 1822 bis 1832 sein Geschäft. Er stammte aus Gaugrehweiler und soll der Gründer der Apotheke in Obermoschel gewesen sein, die eine der ersten, wenn nicht sogar die erste Apotheke in der Nordpfalz gewesen sein soll. Die Apotheken in Alsenz und Gaugrehweiler waren Filialbetriebe von Obermoschel. Sie wurden nach 1847 zur Zeit des Apothekers Friedrich Diehl gegründet und dann von seinen beiden Söhnen selbstständig weitergeführt. Sohn Julius übernahm die Apotheke in Gaugrehweiler, sein Bruder Wilhelm die in Alsenz. Das Grundstück der heutigen Amts-Apotheke erwarb am 7. November 1840 ein Friedrich Lotz und errichtete das Apothekengebäude. Am 5. Oktober 1847 erwarb der Apotheker Friedrich Diehl aus Winnweiler die Apotheke in Obermoschel von den Eheleuten Lotz für 18.500 Gulden. Er führte die Apotheke bis zu seinem Tod im Jahre 1888. Er war es auch, der 1859 ein „neueres“ Laboratorium im Hof der Apotheke anbaute. Heute befinden sich in diesem Anbau, der 1989 nochmals baulich modernisiert wurde, ein Vorratsraum, Labor, Kühlraum, das Nachtdienstzimmer sowie ein Bad. 1889 wurde der Apotheker Johann David Erlenbach Eigentümer der Apotheke in Obermoschel. Die Bezeichnung „Amts-Apotheke“ führte er um die Wende zum 20. Jahrhundert ein. Vermutlich war der Anlass die Verlegung des Amtsgerichtes und des Finanzamtes auf die Grundstücke gegenüber der Apotheke. Die Behörden akzeptierten die Bezeichnung nicht sofort – mit der Begründung, dass eine Apotheke eben keine behördliche Einrichtung sei. Irgendwann scheinen sie sich aber damit abgefunden zu haben, denn der Name blieb bestehen. Auch wurde zunächst keine Sonntagsruhe genehmigt, denn am 13. November 1911 suchten die Apotheken aus Obermoschel und Alsenz gemeinsam bei den Behörden um Erlaubnis nach, sonn- und feiertags ab 13.30 Uhr abwechselnd schließen zu dürfen, ohne innerhalb einer Stunde zurückkehren zu müssen. Sie begründeten dies damit, dass im Notfall fünfmal am Nachmittag die Gelegenheit bestünde, mit der Bahn zwischen Obermoschel und Alsenz zu verkehren. Das Gesuch wurde abgelehnt. Die vollständige Schließung einer Apotheke auch am Sonntag käme nur für Orte mit mehreren Apotheken in Betracht. Nach dem Tod von Johann David Erlenbach im Jahr 1915 verwaltete zunächst der aus Stettin stammende Bruno Eichel die Apotheke, ab 1. Juli 1919 der Apotheker Karl Wilhelm Resch. Er pachtete die Apotheke nach seiner Heirat mit Magda Erlenbach. Der Sohn von Johann David Erlenbach, Heinrich, übernahm am 1. Februar 1934 die Apotheke. Das Gebäude wurde 1934 baulich neu angepasst, erhielt ein Treppenhaus, eine Warmwasserheizung und moderne sanitäre Anlagen sowie einen neuen Dachstuhl. Der Eingang wurde umgesetzt und kam an die Straßenseite. 1968 beendete Heinrich Erlenbach seine Apothekertätigkeit. Die Apotheke wurde dann von der Familie Erlenbach verpachtet, und zwar von 1968 bis 1983 an Christel Wolf aus Mainz, danach bis 1989 an Bernhard Ries aus Wasserliesch. Von 1989 bis 1991 war Stephan Wunderlich aus Mainz Pächter, dann bis 1995 Ralf Morunga aus Weiterstadt. Ahmed Farag wurde 1996 zunächst neuer Pächter und erwarb 1997 die Apotheke dann ganz von der Familie Erlenbach. Nun wird gehofft, dass die lange Geschichte einer Apotheke in Obermoschel noch einmal ihre Fortsetzung finden wird.