Donnersbergkreis
Alsenbrück-Langmeil: Erinnerungen an das Kriegsende von Fritz Franck
Wie in Francks „Erinnerungen“ von 1963 zu lesen ist, habe sich das Ende des Kriegs für Langmeil angekündigt, als am 19. März 1945 während des ganzen Nachmittags Flieger, „großen, bösen Hornissen“ gleich, am Himmel herumschwirrten. Immer wieder hätten sie etwas gefunden, was ihnen zu kurzen MG-Feuerstößen Anlass gab. Bei der Stauchbrücke auf der Kaiserstraße brannte ein Auto aus. Auch die Fahrzeuge eines Wehrmachtstrupps, der auf dem Rückzug in Langmeil eine kurze Verpflegungsrast einlegte, wurden von den Jabos entdeckt und beschossen, ein Soldat tödlich getroffen.
Später wurde erzählt, in Münchweiler seien Panzer ins Dorf eingedrungen. Einer sei vor der Poststelle von der Panzerfaust eines „Landsers“ vernichtend getroffen worden, ein weiterer im Stellwerk des Bahnkörpers steckengeblieben und ein dritter hinter der Stauchbrücke von deutscher Artillerie zerschossen worden. Die übrigen Tanks hätten sich zurückgezogen. Das in den späten Abendstunden zu hörende Gedröhne fahrender Panzer bei Winnweiler und Imsbach habe man wahrgenommen als „das bösartige Grollen einer Vernichtungswelle, die in den nächsten Tagen vielleicht auch uns zusammenwalzen konnte“. Derweil verzogen sich auf der Kaiserstraße die letzten Nachhuttrupps der deutschen Armeen in östlicher Richtung dem Rhein entgegen.
Schnell noch Schnaps vernichtet
Der nur wenige Wochen zuvor gebildete örtliche Volkssturm habe auf Befehl der Gauleitung an jedem Dorfeingang eine Holzbarrikade als „Panzersperre“ errichtet und mit Stämmen zusätzlich „verrammelt“. „An ’Ulis’ Wohnhaus auf der Lohmühle und bei Galle-Krehbiel im Dorf war die Kaiserstraße, am Wohnhaus Littig die Hintergasse und bei Gustav Pfaff die Imsbacher Straße gesperrt.“ Die „zur Rundumverteidigung vorbereiteten Stellungen“ mussten mit lediglich sechs verfügbaren Panzerfäusten besetzt werden. Auch in der letzten Nacht sei der Volkssturm auf dem Posten gewesen.
In einer als „Wachstube“ zweckentfremdeten Küche hätten die hier versammelten „alten und jungen Kämpfer“ alle erreichbaren Schnäpse vernichtet, damit sie nicht in die Hände der bewaffneten Truppen fielen, die Volkssturmpapiere und Befehle verheizt und die Soldbücher und Wehrpässe im Garten vergraben. So vorbereitet wollte man den Feind empfangen. An eine aktive Verteidigung habe im Volkssturm aber kein vernünftiger Mensch gedacht, räumt Franck ein.
„Als der neue Tag, der 20. März, volle Sicht gestattete, war ich mit Karl Fehl in unserem Kuhstall und sah durch das Giebelfenster die ersten amerikanischen Truppenfahrzeuge auf der Kaiserstraße über die Lohnsfelder Höhe herüberkommen“, schreibt Franck. Allein die Witwe Wilhelm Eymann habe sich am Ortseingang unerschrockenen dem Feind entgegengestellt und den an der Spitze rollenden Panzerspähwagen samt den nachfolgenden Fahrzeugen um die „Panzersperre“ herum durch den offenen Krehbielshof geleitet. So sei „die ganze erste Welle der amerikanischen Kriegsmaschine ohne jegliches Zerstörungswerk“ ins Dorf und darüber hinaus gegen Börrstadt und dann über die Umgehungsstraße auch in Richtung Bocksrück – Sippersfeld weitergeschleust worden.
„Für uns war der Krieg vorbei“
„Und nun erlebten wir Dorfbewohner staunend die Erklärung des amerikanischen Waffenerfolgs der letzten Wochen und Monate. Während sich unsere Soldaten bei Nacht und Nebel in Gruppen und Grüppchen nach rückwärts durchschlagen mussten [...] zog hier am helllichten Tag eine Kriegsmaschinerie vorbei, die nur als grandios zu bezeichnen war. Fahrzeug um Fahrzeug rollte an unseren Fenstern vorüber, stundenlang, tagelang, mit Ausmaßen und Ausrüstungen, die uns mit staunender Bewunderung amerikanische Technik erkennen ließen.“
„In Langmeil erlebten wir acht Tage beinahe ununterbrochen Durchmarsch. Wir mussten in unseren vier Wänden bleiben – und blieben es auch ganz gerne. […] Ja, für uns war der Krieg vorbei.“ Jedoch vor der „Majestät des Todes“ habe auch „der Amerikaner den Hut gezogen und den ihm gebührenden Vortritt überlassen“: Der kleine Trauerzug mit dem Sarg des kurz zuvor verstorbenen Karl Krehbiels hatte „stillschweigend freie Passage“.