WINNWEILER Aktion „Solidarisches Brot“: Ein Brot, zwei Preise

Bäckereiverkäuferin Iris Molitor mit dem Solibrot.
Bäckereiverkäuferin Iris Molitor mit dem Solibrot.

Wenn ein Pfarrer und ein Geschäftsmann in Krisenzeiten zusammenarbeiten, dann entsteht – zum Beispiel – ein Solibrot. Pfarrer Carsten Leinhäuser und Klaus Brand haben diese Idee gemeinsam verwirklicht.

Der Mensch lebt nicht von Brot allein. Aber auch. In Deutschland ist man zu Recht stolz auf eine ungeheure Vielfalt an Brotsorten. Eine Variante ist in der vergangenen Woche dazugekommen, die es bisher sicherlich nirgendwo zu kaufen gab: Sie heißt „Solibrot“ und ist etwas ganz Besonderes.

Die Brot-Idee und die Solidarität

Zu den gottlob zahlreichen Menschen, die sich Gedanken über die aktuell schwierige Situation vieler Mitbürger machen, gehört auch Carsten Leinhäuser, katholischer Pfarrer in Winnweiler.

Bei seinen Hilfeüberlegungen kam er auf eine Brot-Idee und fand dafür in Klaus Brand aus Kirchheimbolanden, der als „Donnersbäcker“ mehrere Geschäfte im Kreis betreibt, einen aufgeschlossenen Gesprächs- und Bündnispartner.

Die beiden entwickelten ein Konzept, um Menschen, die im Moment knapp bei Kasse sind, zu unterstützen. Deshalb kann man jetzt ein 500-Gramm-Weizenmischbrot erstehen, das sich Solibrot, kurz für „Solidaritätsbrot“, nennt. Entweder für einen oder für vier Euro, je nach finanzieller Disposition. Bis jetzt gibt es das Angebot allerdings nur in Winnweiler.

Kann das funktionieren?

Wird das nicht vielleicht ausgenutzt? Und genieren sich nicht einige, wenn sie die günstige Variante wählen? Jetzt, nach einer Eingewöhnungszeit, sagt Klaus Brand: „Die Idee wird von allen Kunden positiv kommentiert; auf einem Aushang im Schaufenster stellen wir sie vor. Es läuft zwar etwas langsam an, aber so eine Aktion muss sich auch erst einmal rumsprechen. Durchschnittlich zwölf Solibrote verkaufen wir im Moment täglich. Ein Euro – vier Euro, das hält sich die Waage.“

Sollte er Überschuss erwirtschaften, werde dieser den Seenotrettungsdiensten, die sich um Flüchtlinge kümmern, gespendet, fährt er fort.

Positive Rückmeldungen

Und Pfarrer Carsten Leinhäuser, der den Solibrotverkauf in den sozialen Medien kommuniziert hat, erfährt auch dort ausschließlich Lob und Zuspruch. „Tolle Idee! Gerade jetzt, wo die Tafeln Schwierigkeiten haben oder ganz schließen müssen, ist das eine super Aktion für Menschen in Not“, heißt es da beispielsweise.

Iris Molitor, Verkäuferin im Bäckergeschäft in Winnweiler, berichtet: „Die, die das Brot für einen Euro wollen, kommentieren das meistens. Sie sagen so etwas wie: ,Ich habe gerade meinen Job verloren’ oder ,Ich muss Kurzarbeit machen’, und das klingt immer glaubwürdig. Meistens entwickelt sich daraus auch ein kleines Gespräch über die schwierige Situation.“

Sie selbst ist froh, dass sie weiter arbeiten kann; die Bäckerei in der Fußgängerzone ist zurzeit von 6 Uhr bis 13 Uhr geöffnet.

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