Bad Dürkheim Zurück bleibt viel Nachdenklichkeit

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Denkanstöße zu einem aktuellen Thema gab es am Freitagabend in der Wachenheimer Ludwigskapelle. Der Kulturverein Wachenheim hatte in Kooperation mit dem Kunstverein Bad Dürkheim zum Thema „Migration“ die Theaterautorin und Regisseurin Luise Rist eingeladen. Sie stellte Auszüge aus dem Buch „Rosenwinkel“, ihrem ersten Roman, vor und berichtete über ihre Arbeit mit Asylbewerbern.

Das Schreiben und Projekte mit Flüchtlingen sind bei Rist eng miteinander verbunden. Sie stammt aus Wachenheim und arbeitete nach dem Studium der Germanistik und Romanistik als Dramaturgin und Autorin am Deutschen Theater in Göttingen. 2009 gründete sie in Göttingen mit Nina de la Chevallerie das „boat people project“, das sich mit Flucht und Migration befasst. Derzeit betreut sie auch in Ludwigshafen ein Theaterprojekt mit unbegleiteten jugendlichen Flüchtlingen, jungen Deutschen und jungen Menschen, die hier geboren sind, aber keinen deutschen Pass besitzen. Luise Rists Geschichte „Rosenwinkel“ beginnt damit, dass Frida nach dem Abitur nicht so recht weiß, was sie beginnen soll. Während viele ihrer Klassenkameraden studieren oder für eine Weile ins Ausland gehen, geht Frida schwimmen. Dabei lernt sie die etwas jüngere Anita kennen. Es beginnt eine unbeschwerte Freundschaft und Fridas Aufbruch in eine andere Welt, die nicht Kontinente entfernt liegt, sondern direkt vor ihrer Nase. Denn Anita ist Roma und lebt im „Rosenwinkel“, einer schäbigen Gegend, die aber voller Leben und Musik ist und, die von Migranten geprägt ist. Doch eines Tages ist Anita verschwunden. Nach 18 Jahren in Deutschland ist ihre Familie abgeschoben worden. Frida macht sich auf dem Balkan auf die Suche nach Anita. Die Spannung im Publikum war groß, es war mucksmäuschenstill, denn die Autorin versteht es, die Zuhörer in ihren Bann und in den Sog der Geschichte zu ziehen. Lebendigkeit und Nähe erzielte sie bereits durch das Erzählen in der ersten Person. Die „Ich“-Form macht die gefühlsmäßige Identifikation mit Frida leicht. Die Sprache des Romans ist immer präzise, teils so poetisch und so lebendig, dass die Zuhörer das Gefühl haben, einen Film zu verfolgen, dann wieder wird in der nüchternen Form von Nachrichten über Flucht, Verzweiflung und Tod berichtet. Lautmalereien, Begriffe aus fremden Sprachen und Landschaftsbeschreibungen machen die Reise in die andere Welt auch sprachlich deutlich. Die Moderation der anschließenden Fragerunde hatte Magret Gerdes-Pfeiffer. Es gab viele Fragen. Etwa „warum und wie ist dieses Buch entstanden?“Ausschlaggebend, so die Autorin, sei unter anderem ihre Arbeit mit den jugendlichen Migranten gewesen. Die Handlung sei jedoch erfunden. Zwei Jahre habe sie über dem Plot gebrütet. „Das Schreiben dann ging relativ schnell“, so Rist. Roma kenne sie viele, auch eines der Mädchen beim Schauspielprojekt in Ludwigshafen sei Roma. Ebenso wie Anita sei sie in Deutschland geboren und aufgewachsen und sollte – wie der Zufall es will – ebenso wie Anita wenige Tage vor der Lesung abgeschoben werden. Auf die Frage, wie man der Familie helfen könne, weiß Rist keine Antwort. „Vielleicht kann es helfen, Öffentlichkeit zu schaffen“, meint sie. Zurück blieb bei den Zuhörern viel Nachdenklichkeit. (hjm)

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