Nachgeschenkt
Wochenkolumne: Von dicken Brettern und dünnen Antworten
Dünne Antworten
Als Johannes Steiniger 2013 erstmals in den Bundestag gewählt wurde, war seine CDU an der Regierung – und blieb es bis 2021. Seitdem muss sich der Dürkheimer Abgeordnete an die harte Oppositionsbank gewöhnen. Er habe jetzt andere Instrumente zur Verfügung, hatte er im RHEINPFALZ-Gespräch im Januar noch durchaus selbstbewusst gesagt. Zu den neuen Instrumenten zählen Fragen an die Ministerien, die diese binnen einer Woche beantworten müssen. Beispiel B271 neu, eines der Lieblingsthemen des 34-Jährigen auch schon zu Zeiten, in denen die CSU noch den Verkehrsminister stellte. Mittlerweile ist das Ministerium FDP-geführt – und sollte eine Frage zum Sachstand des Projekts beantworten. Zweimal bat das Haus von Verkehrsminister Volker Wissing um Verlängerung und nährte damit die Hoffnung auf eine substanzielle Antwort. Doch das, was kam, sorgt nicht nur bei Kennern der Materie für Verwunderung: Die Ortsumgehung Kirchheim sei „unter Verkehr“, heißt es in dem Schreiben des Staatssekretärs Oliver Luksic. So weit richtig, aber das ist sie bereits seit 2018. Weiter schreibt Luksic, die Unterlagen für den südlichen Abschnitt würden abschließend geprüft, ehe der Eintritt ins Planfeststellungsverfahren erfolgen kann. Auch das wissen nicht nur RHEINPFALZ-Leser bereits seit Monaten. Die einzige neue Information: Für den mittleren und besonders kontroversen Bauabschnitt, die Herxheimer Ortsumgehung, erstellt der Landesbetrieb Mobilität derzeit die Entwurfsplanung, die im zweiten Quartal fertig sein soll. Dafür eine zweimalige Fristverlängerung? Das war Steiniger dann doch zu dünn, und er schrieb an Wissing persönlich. Der Südpfälzer hätte die Anfrage sicher kompetenter beantworten können als sein Staatssekretär, ist er doch mit dem Seebacher Ortsvorsteher Günter Eymael befreundet – und hat die Kirchheimer Ortsumgehung 2018 selbst freigegeben.
Dicke Bretter
Vielleicht treffen sich Wissing und Steiniger ja auch mal auf dem Wurstmarkt. Denn der soll 2022 wieder stattfinden, wenn es die gesetzlichen Regelungen zulassen. Entsprechend eifrig wird bereits geplant. Doch es sind dicke Bretter zu bohren. Denn schon in der Hochphase der Pandemie ließ sich erahnen, dass der Wurstmarkt ein anderer sein würde, auch wenn Corona im Griff ist. Nicht nur wegen des veränderten Blicks der Menschen auf Infektionen. Schausteller und Gastronomen waren zeitweise mit einem Berufsverbot belegt. Das hat zumindest den Personalmangel verschärft, wenn nicht sogar Existenzen gekostet.
Die erste Grobplanung, die die Stadt präsentierte, geht ans Eingemachte. Das Weindorf soll wachsen und bekommt den Platz des Allgäuer Bier- und Weinzelts. Aber nicht ganz, denn auch eine Reisegastronomie soll ins Weindorf. Reisegastronomie? Passt nicht so ganz, wenn es darum geht, edlen Dürkheimer Tropfen eine Bühne zu bieten. Mehr Platz – darum wiederum dürfte die Weindorf-Winzer der eine oder andere Zäpfler in den Schubkärchlern, dem Herz des Wurstmarkts, beneiden. Gut ist die Idee, den Wurstmarkt in Richtung Michelsberg zu öffnen und den Blick vom Platz auf die Kapelle nicht mit einem großen Laufgeschäft zu verstellen. Schließlich liegt auf dem Michelsberg der Ursprung des größten und schönsten Weinfests der Welt. Dass die Toilettenknappheit behoben werden soll, ist höchste Zeit.
Spannend bleibt, wie der Platz am Ende aussieht. Und schön ist, dass wir uns endlich wieder darüber Gedanken machen dürfen!
Dürftige Absprache
Apropos im Vorfeld Gedanken über etwas machen: Was möchte ein verkaufsoffener Sonntag? Menschen aus der Umgebung in die Stadt locken. Aus der Umgebung wohlgemerkt. Denn die Dürkheimer haben genug Gelegenheit, in ihrer Stadt zu shoppen. Da gibt es mit dem verkaufsoffenen Sonntag am 3. April nur ein kleines Problem: den gleichen Gedanken hatten noch ein paar andere. In Neustadt, in Landau, in Bad Bergzabern oder in Kaiserslautern öffnen am Sonntag ebenfalls die Läden. Und auch die sonst gern anreisenden Heidelberger können zum Frühlingsfest mit Sommertagszug „zu Hause“ einkaufen.
Da fragt man sich als neutraler Beobachter, ob nicht zumindest zwischen den Nachbarstädten Bad Dürkheim, Neustadt und Landau eine Terminabsprache möglich wäre. Wobei in diesem Jahr noch etwas Unberechenbares hinzukommt: Der Kälteeinbruch mit angekündigtem und gestern schon vom Himmel rieselndem Schnee dürfte den einen oder die andere dann doch vom Aufbruch am Sonntagmorgen abhalten. Schade eigentlich, aber Frau Holle scheint kein Fan von verkaufsoffenen Sonntagen zu sein – ob mit Absprachen oder ohne.