Nachgeschenkt
Wochenkolumne: Von Blüten und Ruinen
Ruinöse Werbung
Die Zeiten von Kult-Hausfrau Klementine, sie sind lange vorbei. Wer heute für ein Produkt werben will, der muss auch ein bisschen schmissig sein. Dennoch überrascht, wie die Deutsche Bahn für Bad Dürkheim wirbt. Auf Instagram gibt dort die Plattform „Bahnfahren im Südwesten“ Tipps zur Ausflugsgestaltung. Da kommen sie an der Kurstadt natürlich nicht vorbei. Aber statt auf Weck, Worscht un Woi, Riesenfass oder Saline zu setzen, heißt es „Wer hierher kommt, wird in den Ruin getrieben“! Bitte was? Da versteht man ja nur Bahnhof. Zwar gibt’s eine Spielbank und die Schorle war auch schon mal günstiger, aber Insolvenz muss nach dem Dürkheim-Besuch bestimmt keiner anmelden. Aber schnell klärt sich die Irritation: Gemeint ist natürlich die Klosterruine Limburg. Versöhnlich auch der Zusatz der Bahn, dass man hier gar nicht mehr weg möchte. Na dann ist der Zug ja noch nicht abgefahren.
Nicht immer Ruine
Während die Bahn ja nicht gerade als überpünktlich bekannt ist, lassen sich derzeit beim Spaziergang durch die Weinberge durchaus einige Frühstarter ausmachen, so etwa an einem Mandelbaum mit Blüten zwischen Wachenheim und Forst. Den Obstbaumexperten Philipp Eisenbarth überrascht das nicht: Dass bei Temperaturen um die zehn Grad an Mandelbäumen die Knospen sprießen würden, sei nicht ungewöhnlich. „Aber in der Regel sind das dann nur einzelne Blüten an einem Baum“, weiß der Experte.
Allerdings gibt es Ausnahmen: Er erinnere sich noch gut an Weihnachten 2015, als die Jesuitenmandel bei Forst in voller Blüte stand. Da es nächste Woche wieder kälter werden soll, sieht der Experte die einzelnen Ausreißer gelassen: „Dann kommt wieder alles zum Stillstand“, sagt Eisenbarth, der bei normaler Witterung mit einer Mandelblüte ab der zweiten Februarhälfte rechnet. Wann es mit der Blüte losgehe, hänge auch von der jeweiligen Sorte ab.
Zwölf verschiedene davon bietet die neu gestaltete Mandelterrasse unterhalb der Michelskapelle, die im Frühjahr ihre erste Blüte erleben soll. An den jungen Bäumchen sei noch nichts rosafarbenes oder weißes zu entdecken, erzählt der Experte, der die Stadt bei dem Projekt beraten hat. Wenn es aber losgeht am Michelsberg, dann wird das sicher auch den einen oder anderen zusätzlichen Gast anlocken – gerne mit der Bahn. Muss ja nicht immer (Kloster- oder Burg-) Ruine sein ...