Nachgeschenkt RHEINPFALZ Plus Artikel Wochenendkolumne: Von Bibelzitaten und Saurierfunden

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Im Kreistag wird gewettet und in Wachenheim wird eine Sitzung verlassen – was von der Woche übrigblieb.

KREISTAG

Nicht ganz sicher

Geht es um die Entlastung des Landrats und seiner Beigeordneten zum Jahresabschluss, übernimmt das älteste Mitglied des Kreistags die Führung der Sitzung. Diesmal war das der 1933 geborene Gerd Mücke (AfD), der in seinen längeren Ausführungen vor und nach der Entlastung unter anderem Landrat Hans-Ullrich Ihlenfeld (CDU) als „landesväterlich“ bezeichnete. Der – nach der Entlastung wieder auf dem Chefsessel im Ratsaal – kommentierte: „Landesväterlich – das hat mir gefallen.“ Muss man sich im Kreis nun Sorgen machen, ob Ihlenfeld in zwei Jahren gen Mainz abwandert? (unn)

KREISTAG

Nicht bibelfest

Nicht abwandern, dafür aber inhaltlich ein wenig vom einen oder anderen Tagesordnungspunkt abschweifen – das passiert Rednern in jedem politischen Gremium immer mal wieder. Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld erinnerte deshalb an ein Bibelzitat, dass ihm im Neustadter Rathaus untergekommen ist: „Ich sage euch aber, dass die Menschen müssen Rechenschaft geben am Jüngsten Gericht von einem jeglichen unnützen Wort, das sie geredet haben.“ Während Ihlenfeld sagte, das sei Matthäus, 12.36, war sich Pirmin Magez (Grüne) sicher, es handele sich um den 37. Vers. „Da wette ich zwei Flaschen Riesling“, erklärte er. Grund genug für den Verwaltungsdirektor des Grünstadter Kreiskrankenhauses, Udo Langenbacher, – der Wirtschaftsplan 2020 seines Hauses war Thema in der Sitzung – zum Tablet zu greifen und zu googeln, wer recht hat. Das tat später Ihlenfeld selbst mit dem Ergebnis: Das unnütze Wort entstammt Vers 36. Woraus man schließen könnte, dass Magez dem Kreischef nun zwei Flaschen Riesling spendieren müsste. Der wiederum verlas auch Vers 37: „Aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden, und aus deinen Worten wirst du verdammt werden.“ Auch das passt durchaus in eine Haushaltssitzung, denn im kommenden Jahr wird sich der Etatentwurf daran messen lassen, ob er eingehalten oder gar verbessert abgeschlossen werden kann – damit er nicht aus unnützen Worten besteht. (unn)

Pfalzmuseum

Historisch unkundig

Die Laune war glänzend am Sonntag bei der feierlichen Eröffnung der neuen Dauerausstellung im Pfalzmuseum für Naturkunde. Allen voran bei Museumsdirektor Frank Wieland und Zweckverbandsvorsteher Wolfgang Lutz. Der frühere Dürkheimer Bürgermeister scherzte in Richtung des Vertreters des Landkreises Kusels, Stefan Spitzer, dass ja möglicherweise die ersten Menschen im Nordpfälzer Bergland gelebt hätten. Schließlich werden in der Außenstelle des Pfalzmuseums, dem Geoskop auf der Burg Lichtenberg bei Kusel, eine Reihe bedeutender Funde aus einer Zeit vor den Dinosauriern ausgestellt, als Deutschland noch am Äquator lag und riesige Haifische in den tropischen Gewässern auf die Jagd gingen. Vom Menschen war da allerdings noch weit und breit nichts zu sehen. Spitzer berichtigte seinen Vorredner nüchtern, dass auf Burg Lichtenberg zwar die ältesten Saurierskelette Deutschlands präsentiert würden – nicht aber die Überreste von Frühmenschen. Doch zeigen die Saurierfunde nicht, dass es sich schon immer gut leben ließ in der Pfalz? Und ist unsere Region für nicht wenige Menschen noch heute ein Paradies? Nur ohne Adam und Eva, wenn man der Wissenschaft glauben mag. Die haben nämlich in der Savanne Afrikas gelebt. Sollte aber zwischen Westrich, Wasgau und Rheinebene irgendwann einmal eine neue Frühmenschen-Linie entdeckt werden: Mit dem neu gestalteten ersten Stock des Pfalzmuseums ist ein passender Ort für die Präsentation des potenziellen Ur-Pfälzers hinzugekommen. (spk)

STADTRAT

Nicht ganz friedlichWeihnachtsfrieden?

Im Wachenheimer Stadtrat gelang er nur so halb. Hin und wieder schimmerte im Rat sogar eine ironische Distanz zur eigenen Diskussionsfreudigkeit durch. Denn harmlos erscheinende Punkte einfach so durchzuwinken, ist die Sache der Wachenheimer nicht. Auch, wenn der ein oder andere Vorwurf den Besitzer wechselte, es passierte nichts, was bei einer Wachenheimer Ratssitzung ungewöhnlich wäre. Wäre da nicht das Finale gewesen, als es in einem Reigen einiger FWG-Anträge zum altbekannten Schlagabtausch zwischen Arnold Nagel (FWG) und Bürgermeister Torsten Bechtel (CDU) kam. Bechtel sah im FWG-Antrag für ein fünfjähriges Investitionskonzept der Stadtwerke eine bereits vorhandene Selbstverständlichkeit. Aber: „Weil Weihnachten ist, stimmen wir ab.“ Nagel wiederum fand es nicht richtig, dass Bechtel den Stadtwerkeleiter durch den Antrag angegriffen sah. Den hatten FWG und Nagel auch tatsächlich nicht erwähnt. So weit, so gängig. Dann aber verließ Nagel die Sitzung. Relativ gelassen und mit der Bekundung, sich Weihnachten nicht verderben zu lassen. Es gilt, was Heinz Becker schon sagte: „Weihnachten ist reine Nervensache.“ (jpl)

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