Bad Dürkheim „Wie Nacht mitten am Tag“

91-62540300.jpg

Die Friedelsheimer Kirche war viel zu klein, um am Samstagnachmittag all die Menschen aufnehmen zu können, die Udo Kittelberger die letzte Ehre erweisen wollten. In einer zutiefst bewegenden Trauerstunde verabschiedeten sich an der Seite seiner Familie mehrere hundert Freunde, private und politische Weggefährten, Mitarbeiter und Mitbürger von Wachenheims Verbandsbürgermeister, der am vergangenen Dienstag mit 57 Jahren mitten aus dem Leben gerissen worden war.


Erst 13 Tage zuvor hatte er mit der überzeugenden Wiederwahl „seinen größten beruflichen Erfolg“ gefeiert, so sein Stellvertreter Helmut Rentz. „Wie Nacht mitten am Tag“ fühle es sich an, meinte Pfarrerin Andrea Jung, auch nach Tagen sei es noch immer unbegreiflich. Seine Mitarbeiter merkten, wie er an allen Ecken und Enden fehle, seine Familie hätte ihn noch so sehr und über lange Zeit gebraucht: Ehefrau Beate, mit der er die Hälfte seines Lebens befreundet war und die er 2005 geheiratet hatte, und die vier Kinder, von denen jeder zwei mit in diese zweite Ehe gebracht hatte. „Ein kostbares Lebenslicht ist erloschen – unfassbar, sagen alle.“ Andrea Jung benannte die Gefühle, die die Familie und alle in der Kirche erfüllten: Bestürztheit, Hilf- und Sprachlosigkeit, Schmerz, Trauer – „und ganz viel Zorn“, der zu einer solchen Stunde ebenfalls gehöre. „Wenn er doch mehr auf sich achtgegeben hätte!“ Auch Gott müsse diesen Zorn aushalten: „Gott, wir verstehen Dich nicht“, sprach die Pfarrerin im Gebet – auch ihr zitterte stellenweise die Stimme. Bei der Lebenswürdigung habe die Sprachlosigkeit indes ein Ende, so Jung. Sie ließ „Blitzlichter der Erinnerungen“ aufleuchten vom persönlichen Wesen des gebürtigen Pirmasensers, der in Gönnheim aufgewachsen ist, zuletzt in Wachenheim wohnte. Der Freundschaften für ein Leben pflegte, den Treue, Verlässlichkeit, Offenheit und Aufgeschlossenheit auszeichneten. „Blitzlichter“ vom Wanderer und Kartenspieler, Chorsänger und Kirchenmusiker, Denker und Genießer Udo Kittelberger. Dessen Beständigkeit, Verlässlichkeit und Verständnis seine Kinder besonders schätzten, der nach außen stets gelassen wirkte, in sich zu ruhen schien, insbesondere dank der Liebe zu seiner Frau. Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld und ein hörbar bewegter Helmut Rentz als VG-Beigeordneter würdigten den Verwaltungsfachmann Kittelberger, der Zeit seines Berufslebens von 1974 an bei der Verbandsgemeinde Wachenheim tätig war. Seither kannte Rentz ihn und schätzte seine Arbeit, ob als Leiter des Ordnungsamtes („kein dankbares Amt“), als Schiedsmann („Schlichten, das entsprach seinem Naturell“) und eben zuletzt seit 2007 als Bürgermeister. Dem das Fusionsgutachten eine wirtschaftlich stabile Verbandsgemeinde und eine leistungsstarke Verwaltung als Arbeitszeugnis attestiere. Beide zeichneten das Bild eines Verwaltungschefs mit hoher Fachkompetenz und großem Fleiß, der um seine Arbeit selten Aufhebens machte, sondern sie tat. Der sich selbst stets treu blieb, im Alltag, der einen manchmal „an und über Grenzen führt“ (Ihlenfeld), wie auch in der heftigsten politischen Auseinandersetzung „bis an den Rand der Verunglimpfung“ (Rentz). Kittelberger verstand sich als Mittler und Vermittler, der Strömungen und Stränge zusammenführte, stets auf Konsens und Ausgleich bedacht war. Rentz nannte seinen Duzfreund einen „liebenswerten, gerechten und humorvollen Kollegen, Mitarbeiter und Vorgesetzten“. Zu den Pflöcken, die Kittelberger eingeschlagen habe, gehörten unter vielem anderen die IGS mit sicheren Standorten, das Bürgerbüro, die Umstellung auf Doppik ohne externe Hilfe, die Pflege der Schul- und Kindergarten-Landschaft und das Feuerwehrwesen – „eine Auflistung, die am Ende unvollendet bleibt“, sagte Ihlenfeld. Zum Abschluss der Trauerfeier, die viele im Stehen nicht nur bis hinauf auf die Empore, sondern auch im Freien im Schneegestöber verfolgten – war nach 75 Minuten Gelegenheit zu einer letzten persönlichen Geste des Gedenkens: Einzeln angezündete Kerzen wurden auf dem Altar zu einem Lichterkranz formiert, „so dass das Dunkel ein bisschen heller werde“, wie Andrea Jung sagte. Sie hatte zuvor Psalm 23 (Der Herr ist mein Hirte), Vers 24 aus dem Lukas-Evangelium (Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden) und den ersten Paulusbrief an die Korinther (Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe) in die Andacht eingebunden. Musikalisch begleitet wurde die Andacht vom Männerchor Neidenfels, den Kittelberger geleitet hatte, vom Posaunenchor Friedelsheim-Gönnheim und dessen Leiter Renko Anicker (Solotrompete) sowie Bezirkskantor Jürgen E. Müller an der Orgel. Die Verbandsgemeinde lud danach ins Gemeindehaus ein. (psp)

x