Wachenheim Wie Kinder lernen, die Welt zu verändern
Die Grundschule an der Wachtenburg in Wachenheim macht ihre Schülerinnen und Schüler fit für die Welt. Am wöchentlichen „Frei Day“ überlegen sich die Kinder Projekte und setzen sie in der Gemeinde und der Umgebung um. In der Grundschule beschäftigen sich vier Klassen der zweiten und dritten Stufe in gemischten Gruppen mit der Verschönerung der Schule, sie gestalten eine Schülerzeitung, planen einen Schulkiosk, lernen die Tafel kennen und befassen sich mit Tier- und Naturschutz. Eine der Gruppen hat kürzlich das SOS-Jugendhaus in Kaiserslautern besucht.
Elf Kinder sitzen an einem großen Tisch und trinken Kakao. Langsam sortieren sich auch die Erwachsenen und das Treffen im SOS-Jugendhaus kann beginnen. Michael Breiner, der Leiter der Einrichtung, begrüßt die Kinder und stellt ihnen erst einmal eine Frage: „Wie heißt euer Projekt?“ Ein Mädchen meldet sich, zögert, sagt: „Keine Ahnung“. Sie grinst, überlegt kurz: „Frei Day!“
Lernen, die Welt zu verändern
Der „Frei Day“ ist ein Tag, an dem Kinder gesellschaftliche Herausforderungen dieser Zeit anpacken können – beispielsweise den Klimawandel, Rassismus und Flucht. „Kinder müssen raus in die Welt. Sie müssen sehen, dass es Armut gibt“, erzählt Lehrerin Sabrina Tachkov. Sie hat die Initiative online entdeckt. Die Projekte wurden bei einem Kick-off entwickelt, erklärt sie. Zur Inspiration bekamen die Kinder Bücher darüber, wie man die Welt verändern kann. Daraus konnten sie Ideen sammeln. „Es war Wahnsinn – am Ende hatten wir über 100 Post-its mit Ideen.“
„Die Kinder haben viel Erfolg“, erzählt Tachkov. Zum Beispiel konnte die Gruppe der Schülerzeitung die Zeitung bereits druckfertig machen. „Die sind total stolz.“ Auch Misserfolg gehöre zu den Erfahrungen. Die Kiosk-Gruppe habe beim ersten Verkauf zu wenig zu Verkaufen gehabt – und daraus gelernt. „Die Kinder erfahren viel Selbstwirksamkeit“, erkennt Tachkov. Sie lernten, dass sie etwas bewegen können und nicht nur passiv in der Schulbank sitzen müssen. Deshalb lebe das Projekt auch davon, dass Initiativen mit den Kindern arbeiten wollen – wie das SOS-Jugendhaus.
Spenden von Kindern für Kinder
Zu der Gruppe, die das SOS-Jugendhaus besucht, gehört Finja. Sie erzählt, warum sie sich für dieses Projekt entschieden hat: „Ich will schützen.“ Es gebe Kinder, denen es nicht so gut gehe wie ihr und ihren Klassenkameraden. Was das SOS-Kinderdorf ist, wissen die Kinder bereits. Im SOS-Jugendhaus leben anders als dort nur Jugendliche. Aktuell seien es Jugendliche im Alter von 13 bis 18 Jahren, erzählt Breiner. Außerdem gehören Angebote wie ein Spieletreff, ein Elternladen und ein Familien-Hilfezentrum dazu.
Um all diese Einrichtungen zu unterstützen, haben die Kinder großen Einsatz gezeigt. Sie haben Flyer verteilt und um Spenden gebeten. Es seien aber nur zwei Pakete abgegeben worden, erzählt Finja enttäuscht. Für die Gruppe war das aber kein großes Hindernis. Sie haben zusätzlich Spielzeug, Bücher und Kleidung von zu Hause mitgebracht. Die werden zum Beispiel an Kinder einer Grundschule in Kaiserslautern verteilt. „Manche haben nicht einmal eine Winterjacke“, erzählt eine Schulsozialarbeiterin.
Stolze Schulleiterin
Anknüpfend an die Frage, was mit den Spenden passiert, brennt den Kindern eine weitere unter den Nägeln: Wird im SOS-Jugendhaus Geburtstag gefeiert? Die Antwort: ja, sogar mit Geschenken – genauso Weihnachten.
Wenn es um Fragen geht, hat Finja immer eine parat. Ob es auch eine Einrichtung für Ältere gebe? „Welches maßgebliche Wort steckt denn in SOS-Kinderdorf?“, fragt Schulleiterin Renate Schäfer zurück. „Kinder“, erkennt Finja und schaut ihre Rektorin an: „Wieso bist du dann hier?“ Weil sie stolz darauf sei, was ihre Schüler in so jungen Jahren schon leisten würden, erklärt Schäfer.