Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Wie der Buntsandstein die Region prägt

Detail am Bismarckturm in historisierendem Stil.
Detail am Bismarckturm in historisierendem Stil.

In der Region prägt der Pfälzer Buntsandstein die historische Architektur. Burgen, Kirchen und Stadtbefestigungen bis hin zu Brunnen, Mühlsteinen und Tränken demonstrieren seine Bedeutung als Baustoff. Hinzu kommen Skulpturen und aufwendig gestaltete Ornamente.

Besonders prominente Dürkheimer Beispiele für die mittelalterliche Nutzung des Buntsandsteins sind die Klosterruine Limburg und die Hardenburg, die in der Renaissance zum „Festen Schloss“ umgebaut wurde. Stadtmauern wie in Freinsheim und Wachenheim bestehen aus Sandstein, ebenso Aussichtstürme und Denkmäler. Verwendet wurde vor allem der Mittlere Buntsandstein: Das weit verbreitete quarzreiche Gestein des Pfälzerwalds eignet sich überall dort für die Gewinnung von Naturwerkstein, wo es gleichmäßig und feinkörnig aufgebaut ist.

Entstanden ist es vor 250 Millionen Jahren. In der erdgeschichtlichen Epoche der Trias lag Europa noch nahe des Äquators. Die roten Farben, die den Buntsandstein zum großen Teil prägen, bilden sich durch fein verteiltes oxidiertes Eisen. Sie weisen auf eine Herkunft in heißem, trockenem Klima. Der Pfälzer Sandstein stammt aus einer Wüstenlandschaft, in der gewaltige Sandmassen abgelagert wurden.

Das Naturdenkmal „Schwarzer Herrgott“ mit unterschiedlich verwittertem Buntsandstein.
Das Naturdenkmal »Schwarzer Herrgott« mit unterschiedlich verwittertem Buntsandstein.

Verantwortlich hierfür waren Überflutungen und Ströme, die lockeren Schutt uralter Gebirge mit sich brachten. Allmählich bildete sich so ein 500 Meter hohes Gesteinspaket aus Schichten von feinen Sandmassen und vereinzelt gröberem Schutt, alles verfestigt durch den Druck darüber gelagerter Schichten.

Ortseigene Steinbrüche

Es vergingen unvorstellbare lange Zeitspannen, bis der Mensch auf der Bildfläche erschien und anfing, das Gestein für seine Zwecke zu nutzen. Noch im 20. Jahrhundert wurde in der Pfalz siedlungsnah Sandstein abgebrochen. Wie die Grube aus Sand und Ton zu Dörfern gehörte, war im Dürkheimer Raum ein ortseigener Steinbruch üblich.

Mit Ochsen- oder Pferdegespannen brachte man die gebrochenen Steine zu den Werkstätten. Inzwischen liegen viele solcher Steinbrüche unter Bewuchs verschwunden, so auch bei Bad Dürkheim und Grethen. Andere Brüche wie am Annaberg sind bis heute in Betrieb. Sie liegen am östlichen Rand des Pfälzerwalds, wo der begehrte helle Sandstein abgebaut wird. Seine gelbliche Färbung entstand durch heißes Quellwasser aus den Tiefen. Es fand seinen Weg durch Spalten, weil der Haardtrand sich durch den absinkenden Rheingraben anhob und stellenweise auseinander brach. Das Wasser schwemmte die Eisenoxide weg, die den Buntsandstein rötlich färben, und bleichte ihn aus.

Vielfältige Verarbeitung

Wie vielfältig sich der Sandstein verarbeiten lässt, zeigt sich an markanten Bauwerken. Vom schweren Mauerwerk der Romanik bis zu filigranen Ornamenten kann man unterschiedliche Gestaltungsformen an der Klosterruine Limburg sehen. Bildhauerisch besonders aufwendig ist die Dekoration aus gotischer Zeit mit Blendbogen, Ziergiebeln und Wasserspeiern.

Einige Jahrhunderte später wurde der Bismarckturm errichtet. Das Baudenkmal im historisierenden Stil orientiert sich an romanischen Vorbildern. Zu Ehren des ersten deutschen Reichskanzlers gebaut, wirkt es monumental bis in die Fenstersäulen. Hier wie dort sieht man die Bandbreite eines Materials, das in uralten Zeiten aus Sandbänken und Dünen entstanden ist.

x