Bad Dürkheim WHG boomt, COR schwächelt
An den weiterführenden Schulen in Bad Dürkheim und Umgebung sind die Anmeldungen für das fünfte Schuljahr 2015/16 inzwischen abgeschlossen. Vor dem Hintergrund insgesamt sinkender Schülerzahlen zeigten sich die Schulleitungen bei einer RHEINPFALZ-Umfrage mit den Resonanzen zufrieden bis sehr zufrieden.
Zufrieden zeigt sich das Werner-Heisenberg-Gymnasium (WHG). Gleich am ersten Tag seien mit 77 Anmeldungen deutlich mehr als im vergangenen Jahr zu verzeichnen gewesen, berichtet der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständige Studiendirektor Hanns Franken. Dem Gymnasium liegen 135 Anmeldungen vor. Und die Zielmarke der 116 von 2014 sei bereits am zweiten der insgesamt drei Anmeldetage überschritten worden. Klassenzahl und Profile wie „Englisch Bilingual“ und „Französisch ab Klasse 5“ würden also bestehenbleiben wie bisher. „Ganz positive Rückmeldung“ sei dabei von Eltern gekommen, die bereits Geschwisterkinder an der Schule haben. Viele freuten sich ausdrücklich, „dass es so eine gute Schule direkt am Ort gibt“. Franken sieht darin eine Ermutigung, auch die Größe der Schule als Chance zu sehen: Das breite Angebot an Leistungskursen, einschließlich Kunst und Sport, habe ebenso beeindruckt wie die Auswahl an Arbeitsgemeinschaften und das Spektrum an Wettbewerben, an denen sich Schüler beteiligen. Um das, worin sich das WHG von konkurrierenden Schulformen unterscheide, noch klarer herauszustellen, denke die Schule über eine Vorverlegung des Termins für den aus ihrer Sicht für die Schulwahlentscheidung sehr wichtigen Schnuppertag nach. Sowohl die Integrierten Gesamtschulen (IGS) wie die achtjährigen Gymnasien (G8) veranstalten solche Tage wegen der für sie geltenden früheren Anmeldefristen bereits im November. Am WHG hatte es beim Schnuppertag insofern wohl wiederholt geheißen: „Können wir uns noch ummelden?“ Gerade in diesem Jahr hat Georg Dumont von der IGS Deidesheim/Wachenheim allerdings weniger solche Wechsel erlebt als sonst, so dass er davon ausgeht, dass die Anmeldungen mit Gymnasialempfehlung eine bewusste Entscheidung für seine Schulform bedeuten. Wie in der Vergangenheit lagen die Anmeldezahlen insgesamt „um einiges höher“ als Plätze in den vier Klassen zur Verfügung stehen, die pro Jahrgang aufgenommen werden dürfen. Daher sei erneut das nach Leistung differenzierte Losverfahren zum Zuge gekommen, das die Schulordnung vorsieht, um die Klassen heterogen zu füllen. Davon solle sich aber im nächsten Jahr niemand abschrecken lassen, so Dumont. Doppelt so viele Anmeldungen wie Plätze gebe es auch bei ihm nicht mehr. „Die Wahrscheinlichkeit eines Gewinns ist größer als auf dem Wurstmarkt“, verspricht er. Petra Guth hat als Direktorin an der Realschule plus in Weisenheim am Berg mit 24 Schülern die geringsten Anmeldezahlen zu verzeichnen, erwartet aber, dass mit Nachzüglern und Wiederholern die bisherige Zweizügigkeit erhalten werden kann. Der Rückgang im Vergleich zu den 39 Anmeldungen des Vorjahres sei zwar deutlich, habe sich aufgrund der Zahl der Viertklässler in den Grundschulen jedoch bereits abgezeichnet. „Im nächsten Jahr sieht es wieder anders aus“, prophezeit die Schulleiterin. Gleichzeitig hält sie die geringe Größe der Schule gerade für ihr stärkstes Plus. Die Eltern schätzten die Überschaubarkeit des Systems, den persönlichen Bezug zu den Kindern. Auch die durchgehende Berufsorientierung werde von den Familien als Unterstützung gewürdigt. Achim Walk, Leiter der Carl-Orff-Realschule plus (COR) in Bad Dürkheim, bedauert dagegen den schon länger zu beobachtenden Trend sinkender Schülerzahlen an seiner Schulform. Mit 68 Anmeldungen und ein paar zu erwartenden Nachzüglern werde die Schule zwar knapp vierzügig bleiben, aber: „Wir hätten gern 10, 15 mehr gehabt!“ Bange um den Jahrgang ist Walk indes schon deshalb nicht, weil die Nachfrage erfahrungsgemäß in den Klassenstufen 7 und 8 noch einmal stark steige. Dann kämen Eltern mit ihren Kindern, die es auf dem Gymnasium trotz anderslautender Empfehlung „versucht“ hätten. Wer sich von Anfang an für die COR entscheide, wolle seinem Kind solche Überforderungserfahrung ersparen und ihm stattdessen „die Chance geben, langsam alles zu erreichen“. Dabei glaubt Walk nicht, dass es einzelne Angebote – wie zum Beispiel die Laptop-Klassen – sind, die den Ausschlag bei der Schulwahl geben. Gerade Eltern, die schon ältere Kinder in der Schule hätten, wüssten einfach, dass sie sich auf die Schule verlassen können. Am G8 in Maxdorf erwähnt Direktorin Gudrun Neumann-Kirschstein zwei nachträgliche Abmeldungen, freut sich aber vor allem „total“ über 126 Anmeldungen, die ihre Schule „wieder etwas mehr als fünfzügig“ fahren lassen werden. „Das zeigt, dass wir akzeptiert sind und sich unser guter Ruf verbreitet.“ Sie führt das vor allem auf das verbindliche Ganztagsangebot zurück, das von einem jungen Kollegium mit großem pädagogischem Engagement umgesetzt werde. Die Verkürzung der Schulzeit spielt aus ihrer Sicht dagegen keine Rolle: „Für Schülerjahrgänge mit einer Lebenserwartung von 90 Jahren kommt es auf das eine Jahr nun wirklich nicht an!“, denkt Gudrun Neumann-Kirschstein (gel)