Wachenheim Wenn der Dirigent fehlt: Solidaritätsabend statt Chorgesang
Seit den 1990er Jahren treten die Solisten des ukrainischen Nationalchors zur Adventszeit in der Region auf: Mit Konzerten in Bad Dürkheim und Wachenheim sammeln die Künstler Geld für die Einrichtung Dzherelo im ukrainischen Lwiw (Lemberg). Dort werden etwa 260 schwerbehinderte Kinder aus dem gesamten Land betreut. Der Bad Dürkheimer Augenarzt Michael Zaczkiewicz hat geholfen, das Zentrum aufzubauen. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern unterstützt der Mediziner mit ukrainischen Wurzeln das Dzherelo über den Freundeskreis „Nadija“ mit Spenden.
Eine wichtige Quelle dafür ist der Auftritt der Künstlerinnen und Künstler aus der Ukraine. Doch wie schon im vergangenen Jahr darf einer der Protagonisten, Dirigent Zenyk Korinets, wegen des Kriegs nicht ausreisen. Korinets ist Reserve-Offizier, mittlerweile seien alle drei Söhne im Krieg, berichtet Zaczkiewicz.
Über die Geschichte der Ukraine
Ohne den Dirigenten habe es aber keinen Sinn gehabt, ein Ensemble zusammenzustellen. „Irgendeinen Chor ohne persönlichen Bezug zum Freundeskreis und Dzherelo wollte ich nicht auf die Bühne stellen“, sagt Zaczkiewicz. Zwischenzeitlich habe er sich sogar damit abgefunden, dass es keine Benefizveranstaltung geben wird, berichtet der Mediziner. Doch die Verantwortlichen bei der Wachenheimer Sektkellerei, die den Freundskreis schon lange unterstützen, hätten ihn motiviert, einen Solidaritätsabend für die Ukraine zu organisieren. Dieser findet am Mittwoch, 4. Dezember, statt.
Zaczkiewicz hält einen Kurzvortrag über die Geschichte des osteuropäischen Landes. Einen Akzent will er dabei darauf legen, dass das Land seiner Eltern eine eigene Kultur und eine eigene Sprache habe und erst vor wenigen Jahrhunderten in die russische Einflusssphäre geraten sei. Zaczkiewicz wird dabei vom Kirchenmusiker Michael Orth und der Seebacher Konzertsängerin Mila Küssner unterstützt, die die musikalische Begleitung übernehmen. Geplant ist auch eine Live-Schaltung nach Dzherelo.
Täglich in den Luftschutzkeller
Doch wie ist die Lage in dem Zentrum? „Besser als im Rest der Ukraine“, berichtet Michael Zaczkiewicz. Zwar müssten Betreuer und Kinder beinahe täglich den Luftschutzkeller aufsuchen, um sich vor Angriffen aus Russland und Weißrussland in Sicherheit zu bringen. „Aber die Mitarbeiter können den Betrieb aufrecht erhalten“, sagt der Mediziner. In Lwiw sei die Sicherheitslage insgesamt wesentlich besser als in Kiew oder in der Ostukraine. Von dort erwartet Zaczkiewicz in den kommenden Wochen Menschen, die vor Gefahr und Kälte nach Lwiw oder ins Ausland fliehen: „Die Lage in manchen Gebieten ist ganz fürchterlich, die Menschen leben teilweise nur noch in Bunkern.“ Der Solidaritätsabend soll auch dafür sorgen, dass sie nicht vergessen werden.
Termin
Solidaritätsabend mit der Ukraine am Mittwoch, 4. Dezember, im Marmorsaal der Sektkellerei Schloss Wachenheim. Einlass ab 19 Uhr, Beginn 20 Uhr. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.