Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Weniger Unfälle, aber vier Todesopfer im Jahr 2020

30 Wildunfälle registrierte die Polizei 2020 zwischen Leistadt und Weisenheim am Berg.
30 Wildunfälle registrierte die Polizei 2020 zwischen Leistadt und Weisenheim am Berg.

Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen des öffentlichen Lebens haben sich 2020 auch auf den Straßenverkehr in der Region ausgewirkt: Die Polizeiinspektion Bad Dürkheim verzeichnete einen Rückgang der Unfälle um 15 Prozent gegenüber 2019. Zwei davon endeten besonders tragisch.

„Leider konnten wir auch im vergangenen Jahr unsere Vision Zero – alle kommen an, keiner kommt um – verwirklichen“, bedauert der Leiter der Dürkheimer Polizeiinspektion, Thomas Jung. Am 19. September kamen auf der K 1 zwischen Weisenheim am Berg und Kirchheim eine 31-jährige Autofahrerin, ihr einjähriges Kind und die 27-jährige Beifahrerin ums Leben, als ein entgegenkommender 28-Jähriger mit seinem Wagen auf die Gegenfahrbahn geriet und die Fahrzeuge frontal kollidierten. Die Ermittlungen zum genauen Unfallhergang sind knapp ein halbes Jahr später noch nicht abgeschlossen. Am 1. Oktober starb ein 58-jähriger Motorradfahrer, der bei dichtem Nebel zwischen Friedelsheim und Wachenheim überholte und mit einem entgegenkommenden Taxi zusammenstieß.

„Solche schweren Unfälle werden in der Verkehrsunfallkommission thematisiert“, berichtet Jung. Eine Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeit, wie sie seit dem Unfall auf der K 1 diskutiert wird, müsse an objektiven Kriterien festgemacht werden. „Die Straße ist neu ausgebaut, der Belag ist frisch. Im Zuge des Ausbaus wurden Bäume an kritischen Stellen entfernt. Und in den vergangenen drei Monaten gab es auf der Straße keinen Unfall“, gibt der Inspektionsleiter zu bedenken. „Unfälle, die durch ein Fehlverhalten einzelner verursacht werden, sind schwer zu verhindern.“

Insgesamt registrierte die Dürkheimer Polizei, die das Straßennetz der Stadt Bad Dürkheim und der Verbandsgemeinden Freinsheim und Wachenheim betreut, im vergangenen Jahr 1285 Unfälle. 2019 waren es noch 1511. Das entspricht einem Rückgang von 15 Prozent. 26 Menschen wurden dabei schwer (2019: 37) und 135 leicht verletzt (2019: 148). „Durch die Corona-Auswirkungen wie Homeoffice, Homeschooling oder die Absage von Festen waren die Menschen 2020 weniger mobil“, erklärt Jung.

Mehr Fahrradunfälle

Gegen den Trend verzeichnete die Dürkheimer Polizei einen Anstieg bei den Fahrradunfällen von 56 im Jahr 2019 auf 60 im vergangenen Jahr. 60 Prozent davon ereigneten sich im Dürkheimer Stadtgebiet. „Es lässt sich statistisch zwar nicht absichern, aber 2020 waren auch mehr Menschen mit dem Fahrrad unterwegs“, schildert Jung seine Beobachtung. „Das ist grundsätzlich auch eine gute und wünschenswerte Entwicklung“, ergänzt der stellvertretende Inspektionsleiter Daniel Mischon. „Die Radfahrer gehören zu den besonders zu schützenden Gruppen im Straßenverkehr. Deswegen wurde ja auch der Mindestabstand beim Überholen erhöht“, erklärt Jung.

Der Inspektionsleiter, der selbst oft mit dem Rad zur Arbeit kommt, betont: „Die Verkehrsregeln gelten auch für Radfahrer.“ Er beobachte teilweise rücksichtsloses Verhalten von Radfahrern, etwa wenn rote Ampeln oder Einbahnregelungen ignoriert würden. Bei rund 58 Prozent der Unfälle mit Beteiligung von Radfahrern tragen diese die Hauptschuld. Kommt es zu einem Unfall, dann führt dieser häufig zu Verletzungen beim Radfahrer: 2020 wurden 49 Radfahrer verletzt, 40 davon schwer. „Wir empfehlen unbedingt, einen Helm zu tragen, wenn man aufs Fahrrad steigt“, betont Jung. Neben Appellen will die Polizei Radfahrer auch in diesem Jahr verstärkt bei Kontrollen ins Blickfeld nehmen.

Bei den Unfallursachen spielte überhöhte Geschwindigkeit im Jahr 2020 nur eine untergeordnete Rolle. Die mit 38 Prozent häufigste Ursache war der mangelnde Abstand zu anderen Fahrzeugen – also beispielsweise zum Vordermann. Knapp 29.000 Verkehrsteilnehmer kontrollierte die Dürkheimer Polizei 2020 bei Geschwindigkeitsmessungen. Über das Beschwerdemanagement gehe man den Hinweisen der Bürger auf Verstöße nach, sagt Jung.

Gefahr durch Wildwechsel

Zu den Unfallhäufungsstellen gehört nach wie vor die Feuerbergkreuzung zwischen Ellerstadt, Erpolzheim und Birkenheide. Hier kam es 2020 zu drei Unfällen und damit weniger als in den Vorjahren. Die Stelle soll mit einem Kreisel entschärft werden. Unter Beobachtung steht ebenfalls die Bruchkreuzung (B 37/B 271/Bruchstraße).

Viele Wildunfälle registrierte die Polizei 2020 zwischen Leistadt und Weisenheim am Berg. 30 von insgesamt 120 gemeldeten Wildunfällen ereigneten sich dort. Besonders im Frühjahr und im Herbst müssten Autofahrer dort in der Dämmerung auf Wildwechsel gefasst sein, warnt Jung.

Zwischen Weisenheim und Kirchheim kamen drei Menschen ums Leben.
Zwischen Weisenheim und Kirchheim kamen drei Menschen ums Leben.
Fahrradfahrer waren 2020 häufiger an Unfällen beteiligt als im Jahr zuvor.
Fahrradfahrer waren 2020 häufiger an Unfällen beteiligt als im Jahr zuvor.
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