Bad Dürkheim Wenige schätzen das Hochkarätige

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Das Konzert der Pfälzischen Musikgesellschaft am Sonntag mit der Cellistin Alexandra Netzold und der Pianistin Brigitte Becker mit dem Titel „Lebenslinien“ hatte nur wenige Zuhörer. Das gab der Veranstaltung aber den Charme eines Privatkonzerts.

Die Musikerinnen spielten Stücke von Johannes Brahms und Bohuslav Martinu. Die beiden Komponisten stammen aus Hamburg und Böhmen wie die Eltern der Cellistin, daher der Titel des Konzerts. An die frühe Zeit der eigenen Lebenslinien wurde das Publikum erinnert durch das zweite der Lieder von Johannes Brahms, die zum Auftakt erklangen, das berühmte Wiegenlied „Guten Abend, gute Nacht ...“ Dieses wie auch das erste, „Meine Liebe ist grün“, hat Netzold für Cello und Klavier arrangiert. Sofort aufhorchen ließ der Klang des Cellos. Es hat einen ganz eigenen Charakter, einen schönen Gesang, schlank aber doch voll, lyrisch, aber niemals süßlich, eine ganz charakteristische Stimme und Persönlichkeit. Das Instrument stammt aus dem Jahre 1910, wurde in Turin von Annibale Fagnolo gebaut, einem der besten italienischen Geigenbauer des 20. Jahrhunderts. Es ist eine Kostbarkeit, nach der Alexandra Netzold lange gesucht hat und mit der sie sehr glücklich ist. Das kann man hören. Die Vielseitigkeit der Töne, Klangfarben und Rhythmen, die die beiden Musikerinnen boten, war beeindruckend. Die Brahms-Lieder in eher heller Stimmung von zartestem Strich bis zu kräftigen Tönen, Die Arabeske von Martinu eher dunkel getönt, fast behäbig, dann aber schnell und kräftig, geradezu marschierend, um dann zart zu verklingen. Martinus „Variations sur un thème slovaque“ ist ein sehr anspruchsvolles Stück, voller Schwermut und Dramatik. Martinu schrieb es kurz vor seinem Tod. Zu dieser Zeit lebte er in der Schweiz, seine Heimat hat er, nachdem er als junger Mann nach Paris und später in die Emigration in die USA ging, nie wiedergesehen. Zum Schluss die Sonate in E-Moll Op. 38 von Brahms. Sie stammt aus seinen jungen Tagen. Er schrieb sie für einen Freund, einen begeisterten Cellisten, Josef Gänsbacher. Ihn beschenkte er mit der Sonate, ärgerte ihn aber auch indem er das ursprünglich komponierte Adagio vernichtete. Das Cello kann seine ganzen Tonumfang ausbreiten, der erste Allegro-Satz ist „non troppo“, und hat durchaus dunkle Seiten und verhaltenes Drama, das Allegretto quasi Menuetto natürlich leichter, tänzerisch mit wechselnden Rhythmen und Ausflügen in Dur. Der letzte Satz ein eindrucksvoll heftiger, schneller Lauf mit interessanten rhythmischen Varianten. Die wenigen Zuhörer wussten das Gebotene sehr zu schätzen und applaudierten lang. Info Das nächste Konzert in der Reihe der Pfälzischen Musikgesellschaft ist Sonntag, 4. November, 17 Uhr, Burgkirche Bad Dürkheim, Kammerorchester Bad Dürkheim und Anna-Katharina Thoma Werke von Mozart: Sinfonie g-Moll KV 183 und Violinkonzert G-Dur KV 21⁶ und Schubert : fünfte Sinfonie B-Dur.

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