Bad Dürkheim Weltmusik mit treibenden Beats
Sie legen ihr Herz auf den Beat und lassen die Zuhörer darauf tanzen. Den Rhythmen der Blaskapelle Volxtanz konnte sich am Samstag beim Badehaisel in Wachenheim kaum jemand entziehen. Als ob es kein Morgen geben würde, feierte das Publikum auf der vorletzten Veranstaltung des diesjährigen Creole Sommers.
Wer bei dem Wort Volxtanz an Musikantenstadl und Ringelpietz und bei Blaskapelle an einen betulichen Posaunenchor denkt, ist auf dem völlig falschen Gleis. Zwar bedienen sich die sechs Musiker bei Melodien aller Herren Länder und wollen das Publikum zum Tanzen bringen. Doch das X im Namen der Brassband deutet bereits an, dass sie mit dem Begriff Volk, wie er von den ewig Gestrigen definiert wird, nichts zu tun haben. In ihrer Musik mischen sich Rhythmen und Melodien aus aller Welt. Balkanbrass, Jazz und Klezmer spielen Steffen Dix (Saxofon und Elektronik), Heiko Giering (Saxofon), Florian Seeger (Posaune) und Matthew Bookert (Sousafon und Gesang) mit höchstem technischen Können, spielerischer Präzision und großer Spielfreude. Mit viel Energie erzeugen die Bläser zusammen mit Peter Hinz (Percussion) und Michl Fischer (Drumsetcom) einen mitreißenden Groove. Am Samstag spielten sie überwiegend eigene Kompositionen wie „Day One“ oder „Strike up the Bahn“, eine Auseinandersetzung mit Stuttgart 21. Interessante Klangeffekte erzeugte Matthew Bookert bei „Midsummernight Brass“, indem er sich mit dem Sousafon, mit dem er fast verwachsen scheint, um die eigene Achse dreht. Die Bläsersoli gingen bei diesem Stück in den Bereich Freejazz. Auch dies können Steffen Dix, Heiko Giering und Florian Seeger, die gut aufeinander hören. Bei dem Bolero „Uffta“ – der Name ist nicht unbedingt Programm – überzeugten Hinz und Fischer in einem hinreißenden Percussionduett. Eine Hommage an Goran Bregovic, ein bisschen „Sex“, durfte natürlich nicht fehlen. An ihren Ansagen könnten die Jungs allerdings noch ein wenig arbeiten. Deutlichere Artikulation und ein paar mehr Infos zu den Stücken hätten das Konzert noch runder gemacht. Die zweite Konzerthälfte war von Balkan-Brass-Classics geprägt. Balkanbrass ist eine Volksmusik mit treibendem Rhythmus, wie sie unter anderem in Serbien, Rumänien und Bulgarien verbreitet ist. Sie ist von Blechbläsern beherrscht und weist Roma- und Klezmerelemente auf. Als in den 90er-Jahren Balkan-Partys modern wurden, trat diese Musik ihren Siegeszug durch ganz Europa an. Doch die Musiker machen auch aus dieser Stilrichtung ihr eigenes Ding. Steffen Dix und Matthew Bookert, die die Stücke komponieren und arrangieren, packen noch spanischen Flamenco, arabische und afrikanische Elemente, Ska und Latin, aber auch klassischen Swing und Free Jazz obendrauf. Eine etwas größere Vielfalt wäre allerdings wünschenswert gewesen, denn die Stücke klangen zum Verwechseln ähnlich. Mit „Polizia Rhapsodia“ arbeiteten die Musiker ihre Erfahrungen mit der Polizei auf. „Silver Mausoleum“ und „Baxia“ heizten den Zuhörern ein, denn wer tanzt, friert nicht. Die Ballade „Nightlight“, bei der das Publikum nicht nur tanzen, sondern auch singen durfte, schloss das Konzert ab. Eine wunderschöne Stimmung entstand, als die Band, begleitet vom Gesang des Publikums, die Bühne verließ. Ihre Musikalität, insbesondere die dynamische Bandbreite, hob auch die Jury des Creole-Music-Contests hervor, den Volxtanz im vergangenen Jahr auf regionaler Ebene gewinnen konnten. In diesem Jahr gingen sie sogar bundesweit als Sieger hervor. Zum Abschied vom Sommer packten Volxtanz Herz und Hirn, Geist und Gefühl auf den Beat, und Band und Publikum tanzten, tanzten, tanzten….