WAchenheim / Katar RHEINPFALZ Plus Artikel Weit gereiste Fans: Christoph und Thomas Reuter und die WM in Katar

Die Wachenheimer Christoph (links) und Thomas Reuter vor dem Spiel Deutschland gegen Spanien im Al-Bayt-Stadion.
Die Wachenheimer Christoph (links) und Thomas Reuter vor dem Spiel Deutschland gegen Spanien im Al-Bayt-Stadion.

Die Wachenheimer Christoph und Thomas Reuter sind mal wieder unterwegs in Sachen Fußball. In Katar haben die weit gereisten Fans schon 15 WM-Spiele live vor Ort erlebt. An diesem Donnerstag sehen sie das deutsche Gruppenfinale gegen Costa Rica. Und haben ihre ganz eigenen Gedanken dazu.

So einen Start in die Adventszeit hat Christoph Reuter noch nicht erlebt. Morgens in einem Pool des Hotelschiffs in Doha baden, danach Fußball-WM live im Stadion. „Erster Advent, 32 Grad, ziemlich verrückt. Das ist schon ein Kontrastprogramm“, sagt der 24 Jahre alte Wachenheimer mit Blick auf trübe Spätherbsttage mit Kerzenlicht vom Adventskranz in der Pfalz.

Reuter ist mal wieder mit seinem Vater Thomas (50) unterwegs bei einem großen internationalen Fußballturnier. Diesmal in Katar, diesmal im November und Dezember und nicht wie sonst im Sommer. Boykott und auf Fußball verzichten – das stand für die beiden nicht ernsthaft zur allüberall aus allerlei Perspektiven geführten Debatte. Sie sehen die Schattenseiten, sind aber eben „Fußball- und Sportfans durch und durch“, wie Thomas Reuter sagt. „Wir waren ja auch bei der WM 2018 in Russland.“

Glühende FCK-Fans

Thomas Reuter ist seit der EM 1996 in England regelmäßig auf großen Turnieren unterwegs, seinen Lieblingsklub 1. FC Kaiserslautern begleitet er seit rund 35 Jahren zu sehr vielen Spielen. Auf der internationalen Turnierbühne ist Sohn Christoph – ebenfalls ein glühender FCK-Verehrer – seit der WM 2006 in Deutschland dabei.

Diesmal übernachten sie auf dem Wasser, auf einem der als Hotelboote im Hafen von Doha dienenden Kreuzfahrtschiffe. „Es gab auch sonst genug Hotelangebote, aber das war einfach für uns das beste Paket“, sagt Sehrfrühbucher Thomas Reuter. Die beiden bereuen die Wahl der Unterkunft mit Blick auf eines der spektakulären WM-Stadien, das aus 974 Schiffscontainern zusammengesetzte Stadion 974, nicht. Im Gegenteil. „Hier auf dem Schiff gibt’s alles“, sagt Thomas Reuter. Auch Bier mit Alkohol und Cocktails. Wenn es rund um die Stadien eben kein Bier gebe, habe man das als Gast zu akzeptieren, sagen die Reuters. Zumal sie das ja von Hochrisikospielen des FCK kennen mit Alkoholverbot rund um den „Betze“.

Auch gegen Costa Rica live dabei

Ohne Bier in der Hand werden die beiden Wachenheimer auch an diesem Donnerstagabend (20 Uhr MEZ, 22 Uhr Ortszeit) das Vorrundenfinale der deutschen Mannschaft gegen Costa Rica live im Stadion verfolgen, so wie die bisherigen beiden Partien des deutschen Teams, angefangen mit der 1:2-Niederlage gegen Japan.

Nach dem „Klasse-Fußballspiel“ (Thomas Reuter) der Deutschen am ersten Advent gegen Spanien (1:1) ist in der Gruppe E wieder alles möglich. Christoph Reuter würde die deutsche Startelf umbauen, gerade wegen der starken Auftritte des gegen Spanien nach der Pause eingewechselten Leroy Sané und des Torschützen Niclas Füllkrug. „Füllkrug ist ein echter Stürmer, macht die Bälle vorne fest und schießt im Gegensatz zu vielen anderen eben einfach mal aufs Tor“, sagt Christoph Reuter. Er hat gegen Spanien in Joshua Kimmich einen Schwachpunkt gesehen, nicht nur bei den meist verzogenen Standards. „Er bringt nach vorne kein Tempo, spielt den Ball immer nur zurück“, meint der Wachenheimer Fußballfan.

Bisher 15 Spiele live gesehen

Das deutsche Team kann zumindest den Viertelfinaleinzug schaffen, meint Thomas Reuter. Der Wachenheimer, versiert im Kaufen und Zurückgeben von Tickets über die offiziellen elektronischen Kanäle, hat seit vorigem Freitag Kontakt zu einem gut 20 Jahre alten Katarer. Der saß bei der Partie Katar gegen Senegal neben ihm und fragte, ob ihm die Reuters ein Ticket für das deutsche Spiel gegen Spanien besorgen könnten. Es hat geklappt, und der Whatsapp-Kontakt hat bisher Bestand. Vor diesem Donnerstag haben die beiden Pfälzer in Katar 15 Spiele live gesehen. Am Sonntag fliegen sie zurück. Außer dass die Fußwege extrem lang seien, haben sie nichts zu meckern. Sie seien überall im Land stets sehr gut behandelt worden.

Äußerst angetan waren die Reuters neben den Auftritten von Brasilien und Frankreich von der Außenseiter-Partie Südkorea gegen Ghana, die die Afrikaner ziemlich spektakulär 3:2 gewonnen haben. Was die Begeisterungsfähigkeit der Fans angeht, haben vor allem die Argentinier, die Mexikaner, die Marokkaner und die Saudis Eindruck bei den weit gereisten Wachenheimern hinterlassen. „Welche Leidenschaft die Saudis rund um den Fußball entwickeln, das hätte ich so nicht erwartet“, sagt Christoph Reuter über die für ihn sehr interessante Reise, die beiden rund 2500 Euro für zwei Wochen pro Person inklusive Flug, Übernachtungen und Tickets wert war.

Danach in Skiurlaub

Thomas Reuters Frau Carmen (51) und der jüngere Sohn Maximilian (18) sind wie meistens zu Hause geblieben. Weil sie es so wollten, sagt Thomas Reuter. Damit seien alle zufrieden, aber gemeinsamen Urlaub gibt es auch bald wieder. In ein paar Wochen geht’s zum Skifahren ins Allgäu. „Mit der ganzen Familie samt Hund“, sagt Christoph Reuter. Darauf freut er sich so sehr wie aufs deutsche Gruppenfinale.

Winter im Allgäu – vielleicht im Schnee –, das ist wahrlich ein Kontrastprogramm zu 30 Grad, Glitzer-Wolkenkratzern in Doha und der Wüsten-WM mit dann 18 Live-Spielen in zwei Fußball-Urlaubswochen.

Und mit Fußball-Kamel in der Altstadt von Doha.
Und mit Fußball-Kamel in der Altstadt von Doha.
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