Bad Dürkheim Weihnachtliches Märchen

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Einen gepflegten, gemütlichen Abend genossen die Besucher am Samstagabend beim Freundeskreis zur Erhaltung des ehemaligen. Zehnthofs in Wachenheim. Dieser hatte zur Lesung einer besinnlichen Novembergeschichte und einer musikalischen Einstimmung und Nachbesinnung eingeladen.

Annelie Kröninger-Trümpler hatte sich zum Vorlesen die Geschichte „Der Sternenreiter“ von Jakob Streit ausgesucht. Der Schweizer Schriftsteller (1910-2009) schildert darin die schicksalhafte Begegnung einer irischen Bauernfamilie mit einem adeligen Reiter. Der findet in einer stürmischen Nacht erschöpft bei den Bauersleuten Obdach, wo die junge Frau gerade in den Wehen liegt. Der Reiter ist auch Sternenkundiger und notiert die Zukunft des neugeborenen Buben auf einem Zettel, den er in einer Walnuss verschließt. Der Junge soll sie, sobald er sieben Jahre ist, stets bei sich tragen, sich jedoch hüten, sie vor dem 21. Geburtstag zu zerbrechen oder nass werden zu lassen. Das Kind wächst zu einem gewissenhaften jungen Mann heran. Da geschieht es, dass er kurz vor seinem 19. Geburtstag mit der Nuss ins Wasser taucht, diese öffnet sich, und er liest, was ihm vorherbestimmt ist: An seinem 21. Geburtstag wird er, unschuldig verurteilt, gehenkt werden. Um seiner Familie diese Schande zu ersparen, zieht er in die Welt hinaus, wird von einem Lord eingestellt und von diesem gefördert. Das wiederum erweckt den Neid weiterer Bediensteter, so dass sie ihm eine Straftat unterstellen. Als er vor dem Mann steht, der über ihn richten soll, offenbart er diesem, dass er das Urteil schon kenne. Und siehe da: Der Richter ist der Reiter, den seinerzeit die Eltern beherbergt haben. Der junge Mann kommt frei. Annelie Kröninger-Trümpler hat die „Legende gekürzt und ein wenig verändert“, wie sie im Gespräch erläutert. „Mir gefällt sie, weil sie die Weihnachtsgeschichte insofern widerspiegelt, als auch Jesus später verleugnet und verurteilt wird.“ Die Geschichte hat auch viele märchenhafte Züge, sie erinnert an alte Sagen und bezaubert vor allem durch ihre Sprache und Landschaftsbeschreibungen, die – betont durch das Vorlesen – immer auch etwas Geheimnisumwittertes haben. Die Pianistin Delia Stegarescu hat dazu passende Musik ausgewählt, kurze Stücke, die möglichst viele verschiedene Stimmungen abbilden, wie sie erklärt. Für die Einstimmung hat sie sich unter anderem für einen „Tanz aus Maramuresch“ der zeitgenössischen rumänischen Komponistin Cleopatra Perepelita entschieden, in dem sich volkstanzartige Klavierpassagen mit rhythmischem Händeklatschen und Füßestampfen abwechseln. Für bedrohliche Stimmung sorgt sie mit Friedrich Burgmüllers „Gewitter“, in dessen dumpfes musikalisches Grollen unvermittelt einsetzende helle Akkorde wie plötzliche Blitze wirken. Nach dem guten Ausgang der Geschichte, lässt Delia Stegarescu die Stimmung unter anderem mit Tänzen aus der Französischen Suite von Johann Sebastian Bach und einer Chaconne des britischen Komponisten Henri Purcell ausklingen. Edvard Griegs „Wächterlied op. 12“ hat sie ausgesucht, weil darin die „Geister der Nacht“ ihr geheimnisvolles Unwesen treiben, und Joaquin Turina schildert in seiner faszinierenden „Fiesta“ in der Art einer Toccata mit vielen Dissonanzen übersprudelnde Lebensfreude.

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