Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Weihnachtliches Getümmel am Römerplatz

Hunderte treibt das „Pfälzer Lebensgefühl“ an Heiligabend in die Dürkheimer Innenstadt.
Hunderte treibt das »Pfälzer Lebensgefühl« an Heiligabend in die Dürkheimer Innenstadt.

Stehparty unterm Weihnachtsbaum oder Vorglühen fürs Fest: Mehr als 500 Besucher bei der Aktion „Frühliche Weihnachten“ füllten am Morgen des Heiligabends die Dürkheimer Innenstadt.

An Heiligabend rückt gegen 12 Uhr der Ladenschluss näher. Doch Panikkäufer im Geschenkestress sucht man in Bad Dürkheim vergebens. Die Innenstadt scheint ruhig. Überall? Nein! Beim Gang Richtung Römerplatz liegt ein Raunen in der Luft. Aus der diffusen Geräuschkulisse schälen sich Gruß-Rufe, Gläserklirren, Lacher. Rund um die Tanne ein einziges Getümmel.

Was geht denn hier ab? „Mut antrinken, bevor die Familie kommt“, meint ein Einheimischer und hebt sein Schorleglas. „Das war so ein Scheißjahr, da muss man wenigstens mal feiern“, meint sein Nebenmann. Beide sind wie etwa 500 weitere Menschen Teil der „Frühlichen Weihnachten“ bei „Michlers Haus der Guten Weine“. Seit etwa 20 Jahren kommen hier an Heiligabend Dürkheimer und Gäste zusammen, um sich auf die Feiertage einzustimmen.

Sandra Volz aus Wachenheim ist hier, um Freunde und Familie zu treffen. Ihre Schwester kommt mit einer Bratwurst dazu. „Das hier hat Tradition“, erklärt Saskia Gajek den feuchtfröhlichen Festtags-Auftakt: „Es ist wie ein kleiner Wurstmarkt.“

Fürs „Pfälzer Lebensgefühl“

Dicht an dicht drängeln sich die Leute unter der Tanne mit den roten Kugeln. Die wenigen Fass-Tische sind umlagert. Ein Geschubse und Geschiebe wie sonst nur bei den Schubkärchlern auf dem Wurstmarkt und auch hier scheint’s keinen zu stören. Beim Durchschlängeln kreuzt ein junger Mann mit Schubkarre, grünem Röckchen und Ohrenmütze: Der Weihnachtself heißt Marcel Becker und gehörte jahrelang zum Michler-Team. Jetzt ist er Politikberater in Brüssel. „Fürs Pfälzer Lebensgefühl“ ist er als Aushilfe wieder hier. Er belädt seine Schubkarre mit Flaschen für die mobile Flüssigversorgung und verschwindet im Getümmel.

Etwas abseits steht ein Mann mit Weihnachtsmütze, Norwegerpulli, Rauschebart, gemütlichem Grinsen. Im Köcher eines Kamera-Objektivs hat er eine Sektflasche versenkt. Hanns Franken war Lehrer am örtlichen Gymnasium und kennt hier fast jeden: „Es ist der schönste Platz hier, wie im Urlaub.“

Für Jasmin Ullrich und Michael Bender aus Bad Dürkheim ist die „Frühliche Weihnacht“ jedes Jahr die Heiligabend-Alternative. Unterwegs sein, Leute treffen: Nach dem Römerplatz geht’s vielleicht noch weiter.

Kurz vor 13 Uhr: Steffen Michler erscheint am Fenster. Der Hausherr als Verkündigungsengel im poppigen Weihnachtsjackett. Michler erinnert an die bescheidenen Anfänge der Veranstaltung („20, 30 Flaschen haben gelangt“), freut sich übers Wetter, über die Anwesenden, begrüßt die örtlichen Weinhoheiten, die „Neurentner“, einfach alle und wünscht „ein friedvolles Weihnachtsfest, Gesundheit, Glück, Frieden“.

Kollektives Gläserheben fürs Erinnerungsfoto. Gesichter strahlen, die Kugeln am Baum glänzen in der Wintersonne. Weihnachtswahnsinn, deine Heimat ist der Römerplatz!

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