Ellerstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Was das Wirken von Heimatforscher Ernst Merk so besonders gemacht hat

Ernst-Merk-Straße: Die Ortsgemeinde Ellerstadt würdigte sein Wirken mit der Benennung einer Straße im Neubaugebiet Kirchgewann.
Ernst-Merk-Straße: Die Ortsgemeinde Ellerstadt würdigte sein Wirken mit der Benennung einer Straße im Neubaugebiet Kirchgewann.

Ernst Merks Liebe gehörte der Geschichte seiner Heimat und erleistete Außergewöhnliches in der ortsgeschichtlichen Forschung über Ellerstadt, Fußgönheim, Kallstadt oder Weisenheim am Sand. Der Ellerstadter blickte seinerzeit auf ein bewegendes Leben zurück – darunter auch auf Schüsse im Ludwigshafener Postamt, die er überlebte.

Wer schon mal aufmerksam durch Ellerstadt geschlendert ist, dem dürfte die Ernst-Merk-Straße – die Verbindung zwischen Bahn- und Haardtstraße – bereits aufgefallen sein. Ernst Merk war ein Heimatforscher und wichtiger Zeuge der Zeitgeschichte aus Ellerstadt. Sein Namensvetter Kuno Merk hat ihn in einem Vortrag des Vereins Ortsgeschichte vorgestellt.

Ernst Merk wurde am 24. Dezember 1884 als Sohn des Landwirtes Georg Merk I. und Christina Louisa Merk in Ellerstadt geboren und starb 1964. Seine eigene Ehe mit Hedwig Merk blieb kinderlos. Sein Elternhaus, ein sogenannter Dreiseithof in der Ratstraße, steht nach wie vor.

In der Vita von Ernst Merk heißt es an einer Stelle: Als pflichtbewusster Beamter, er schaffte es in seiner beruflichen Laufbahn bis zum Oberpostinspektor, und mutiger Patriot half er, 1919 einen Versuch von Separatisten zu vereiteln, sich der Kontrolle des Ludwigshafener Postamtes zu bemächtigen. Der Hintergrund hierfür waren die politischen Verhältnisse nach dem Ersten Weltkrieg. Der Waffenstillstandsvertrag von 1918 und die folgende Besetzung der linksrheinischen Gebiete war von einschneidender Wirkung auf das bürgerliche Leben und die gesamte öffentliche und amtliche Tätigkeit in der Pfalz. Anfänglich stockte der Postverkehr vollständig. Dieses Durcheinander war der politische Hintergrund für eine Schießerei im Hauptpostamt Ludwigshafen. Im August 1919 sicherten deutsche Polizeiorgane und eine Anzahl Beamter, darunter Postsekretär Ernst Merk, das Postamt, weil man Hinweise auf einen Handstreich zur Einnahme des Gebäudes bekommen hatte. Der Überfall fand gegen Morgen tatsächlich statt. Es kam zu einem Gewaltausbruch seitens der französischen Polizisten, bei dem zwei Menschen zu Tode kamen. Die deutsche Wachmannschaft wurde abgeführt. Doch der nachfolgende Druck aus der Bevölkerung sorgte für deren Freilassung. Bei der Trauerfeier für einen der Erschossenen nahm Ernst Merk für den Postbeamtenverein teil.

Bürgermeister in der Nachkriegszeit

Nach dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches 1945 wurde Ernst Merk von den französischen Besatzungsbehörden als Bürgermeister in Ellerstadt eingesetzt – wohl weil er unbelastet war. Die Gemeindeorgane hatten in der Nachkriegszeit hauptsächlich folgende Bereiche zu organisieren: Mangelverwaltung (Lebensmittelkarten), Wohnraum für Vertriebene, Entnazifizierung und Rückführung der Kriegsgefangenen.

In seinem Nachruf von 1964 hieß es: Ernst Merks Liebe gehörte der Geschichte seiner Heimat, die ihn zu hervorragenden Leistungen ortsgeschichtlicher Forschung beflügelt habe. Von ihm stammt das sogenannte Häuserbuch von Ellerstadt, in dem die Historie der alten Gebäude festgehalten ist. Bereits 1921 erschien Merks „Ortsgeschichte von Ellerstadt“. Auf der Ellerstadter Website ist diese Ortschronik veröffentlicht. Er hat darüber hinaus eine Ortsgeschichte von Fußgönheim verfasst, die Geschichte des Weindorfes Ungstein, das Heimatbuch des Edelweinortes Kallstadt und des Wein- und Obstdorfes Weisenheim am Sand. Auch der familiengeschichtlichen Forschung hat sich Ernst Merk gewidmet. Seine Ortschronik von 1921 enthält verschiedene Tabellen, in der alle Familien, die mit Ellerstadt in Zusammenhang stehen, aufgeführt sind. Hier findet auch der 31. Präsident der USA, Herbert Hoover, Erwähnung. In einem Zeitungsbericht von 1930 heißt es: „Der Verdienst dieser Forschungen gehört einzig und allein dem in der Pfälzischen Geschichte aufs beste bekannten (...) und als Forscher bewährten Postinspektor Ernst Merk aus Ellerstadt.“ 1954 wurde Ernst Merk die Bronzemedaille der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung er Wissenschaft verliehen, die Bauern- und Winzerschaft ernannte ihn zum Ehrenmitglied. Seine Heimatgemeinde Ellerstadt würdigte sein Wirken mit der Benennung einer Straße im Neubaugebiet Kirchgewann in Ernst-Merk-Straße.

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