Interview
Warum Laubsauger Mensch und Tier schaden
Herr Hundsdorfer, an Laubbläsern und Laubsaugern scheiden sich die Geister. Kommunen und auch Privatleute nutzen sie, Naturschützer wie Sie bezeichnen sie als todbringend – warum?
Die Maschinen vernichten massenhaft Lebewesen und hinterlassen eine Spur der Verwüstung, was ihre Anwender oft nicht mal bemerken. Bei Laubbläsern werden mit Luftgeschwindigkeiten von über 200 Stundenkilometern zahllose Kleintiere wie Käfer, Asseln, Würmer, Spinnen, aber auch kleine Säugetiere und Amphibien massakriert. Und die Laubsauger saugen mit einer Geschwindigkeit von 160 Stundenkilometern Lebewesen vom Boden, sogar kleine Igel. Die Häckselturbine erledigt dann ihre grausame Arbeit. So etwas überlebt kein Tier.
Warum wird den Maschinen nachgesagt, dass sie auch ihren Nutzern schaden?
Weil sie zum einen Feinstaub aufwirbeln und damit Schimmelpilze, Sporen und Krankheitserreger wie etwa im Hundekot zerstäuben und verteilen. All das lagert ja im Laub und stellt eine erhöhte Infektionsgefahr für den Nutzer und seine Umgebung dar. Dazu kommt der Lärm, der bis zu 110 Dezibel beträgt. Ab 85 Dezibel wird das menschliche Gehör geschädigt. Das bedeutet, dass selbst elektrisch betriebene Geräte einen Gehörschutz erfordern. Der Arbeiter kann sich damit schützen, während Menschen in der Umgebung diesen Lärm ertragen müssen.
Einerseits ruft das Bundesumweltministerium zum Verzicht auf solche Geräte auf, andererseits soll Verkehrssicherheit geleistet werden. Was empfehlen Sie den Kommunen und Privatleuten?
Es reicht nicht, über den Artenrückgang zu lamentieren, wir müssen unser Verhalten ändern. Da ich weder auf Landes- noch auf Bundesebene mit einem baldigen Verbot dieser Maschinen rechne, sollten die Kommunen eine Vorbildfunktion übernehmen und ihre Laubbläser und Laubsauger umgehend außer Dienst stellen und verschrotten. Fremdfirmen, die im Auftrag der Kommunen arbeiten, sollte die Nutzung untersagt werden. Das würde zudem noch Arbeitsplätze schaffen.
Welche umweltfreundlichen und gesünderen Alternativen bietet der Fachhandel?
Ganz einfach: Besen und Rechen sind besser und werden seit langem erfolgreich benutzt. Heute gibt es im Fachhandel spezielle Laubbesen, die sind 65 bis 80 Zentimeter breit und nehmen deutlich mehr Laub auf. Private Gartenbesitzer, die zum Rechen greifen, erleben die viel beschworene Entschleunigung im Alltag. Dazu ist Bewegung an der frischen Luft gesund und kann noch dazu kommunikativ sein.
Besitzer großer Gärten verweisen aber auf die Arbeitsersparnis durch Laubsauger. Wie viel Laub fällt bei Ihnen an und wie gehen Sie selbst damit um?
Zusammen mit dem Garten meiner Eltern kümmere ich mich mit meiner Familie um etwa 75 Quadratmeter Bürgersteig und um mehr als 1000 Quadratmeter Gartenfläche. Das Falllaub rechen wir von Rasen und Weg unter die Bäume und Büsche. Dort bleibt es bis zum nächsten Frühjahr liegen. Insekten, Säuger und Amphibien können darin überleben, finden Nahrung, Versteck und Winterquartier. Kleintiere sind wiederum Nahrung für Vögel, die bekanntlich auch in Siedlungen seit Jahren weniger werden. Was das Arbeitsargument angeht: Für das große elterliche Grundstück haben wir uns eine Handkehrmaschine angeschafft. Ein Teil des anfallenden Laubs wird kompostiert. Bodenlebewesen wandeln rund 90 Prozent der Blätter innerhalb eines Jahres in Humus um. Das verbessert den Boden. Kurzum, man sollte einen Teil des Laubs einfach liegenlassen und einen anderen aufhäufen. Zum Beispiel finden Igel in Blätterhaufen in geschützten Gartenecken lebenswichtigen Unterschlupf.