Bad Dürkheim Wahlkampf durch die Blume

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Torsten Bechtel

hat kupferrotes Haar. Die Wissenschaft besagt, dass diese Eigenschaft auf eine Variation auf Chromosom 16 zurückzuführen ist, die in Deutschland rund zwei Prozent der Bevölkerung aufweisen. Zwei Prozent ist eine sehr geringe Menge, aber bei einer Stichwahl reichen genau diese zwei Prozent um einem der Kandidaten zu einer absoluten Mehrheit zu verhelfen. 51 zu 49 eben. Um dieses Ziel zu verwirklichen, zeigte sich der in Kallstadt (wo seine Mutter für die FWG im Gemeinderat sitzt) Aufgewachsene im Wahlkampf um das Amt des Verbandsbürgermeisters in Wachenheim auf dem Wochenmarkt auch gestern wieder von seiner Schokoladenseite. Es gab Sekt und Blümchen. „Die Leute in Friedelsheim, Gönnheim und Ellerstadt begegnen mir inzwischen mit weniger Vorbehalten“, sagt der 45-Jährige wohl wissend, dass er dort noch zulegen muss, um die Wahl für sich zu entscheiden. Dafür hat er auch in den vergangenen Tagen wieder einiges getan. Ginge das Ringen um die Mehrheit der Stimmen noch zwei Wochen länger, so hätte er es wohl geschafft, jede Klingel an jedem Haus zu drücken, wie er gestern im Kopf ausrechnete. Es gebe nur wenige Straßen in Friedelsheim, in denen er noch nicht gewesen sei. Ansonsten habe er die Verbandsgemeinde fast komplett durch. Noch hat er eine runde Woche Zeit, um den Übrigen der über 8200 Wahlberechtigten genau zu erklären, was er will. Viel mehr als seine Kontrahentin Birgit Stegmann setzt Bechtel auf einen Gestaltungswillen in seinem Wirkungsbereich. Zwölf Punkte hat er auf seinem Flyer vor der Stichwahl noch mal aufgelistet, in denen er fast alle Bereiche des Lebens in der Verbandsgemeinde abbildet. Bürgerbüros sollen in allen Teilen der Verbandsgemeinde eingerichtet werden, die Zusammenarbeit der Feuerwehren soll ausgebaut werden, seniorengerechtes Wohnen will er fördern und flexible Angebote zur Betreuung von Kindern ausbauen. Er will die Eigenständigkeit der Ortsgemeinden sichern und im Falle einer Fusion mit der VG Deidesheim für einen Ausgleich der Finanzen eintreten. Natürlich soll auch der Tourismus entwickelt und zeitgemäße Internetverbindungen ermöglicht werden. Einkaufsmärkte sollen nach seinem Willen sowohl im Bischofsgarten in Wachenheim als auch zwischen Gönnheim und Friedelsheim entstehen. So richtig in die inhaltliche Diskussion einsteigen – so wie er sich das vielleicht gewünscht hätte – konnte er gestern aber nicht. Dafür fehlte das entsprechende Publikum. Es ging eher um die Präsenz auf dem kleinen Wochenmarkt. „Es sind diese kleinen liebevollen Dinge, die es hier gibt“, lobte Bechtel diesen Aspekt der Nahversorgung. Neben den eigenen CDU-Leuten kamen Besucher des Wochenmarktes aber nur tröpfchenweise. Was Bechtel mitteilen wollte, konnte er gewissermaßen nur durch die Blume sagen. Er tat dies in Form von Gerbera, die er an die einkaufenden Frauen verteilte. Ohnehin hat man bei Bechtel den Eindruck, als müsse er sich manchmal bremsen, damit sein Temperament nicht mit ihm durchgeht. Eine Eigenschaft, die man rothaarigen Menschen gern andichtet. So richtig aus dem Sattel ging er bisher aber nur, wenn ihm wiederholt vorgehalten wird, dass er zu wenig Verwaltungserfahrung habe. „Ich habe in den letzten sechs Jahren nachgewiesen, dass ich das kann“, sagt er mit Blick auf sein Ehrenamt als Stadtbürgermeister in Wachenheim. Dass dies teilweise gegen ihn verwendet werde, findet der 45-Jährige nach wie vor bedenklich. Eine ältere Frau, die auf dem Weg zum Sport war, rief Bechtel auffordernd zu, dass er mal „anständig dagegen“ gehen sollte gegen Stegmann und die FWG. „Die kummt doch von Pirmasens, die weeß jo net Bescheid“, sagte die Frau und verschwand zum Sport.

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