Gegenüber RHEINPFALZ Plus Artikel Wachenheimer auf dem langen Weg zum Priester

Nach der Priesterweihe in Rom feierte Christian Ivandic (Mitte) am Samstag in seiner Heimat Wachenheim Nachprimiz. Früher diente
Nach der Priesterweihe in Rom feierte Christian Ivandic (Mitte) am Samstag in seiner Heimat Wachenheim Nachprimiz. Früher diente er hier als Messdiener. »Es war schön, wieder zurückzukommen«, sagt er.

Abitur, und dann? Der Wachenheimer Christian Ivandic wählte 2008 einen eher ungewöhnlichen Weg: Er wurde Novize im katholischen Orden „Legionäre Christi“.

Seither bestimmt der Glauben sein Leben. Am Samstag feierte der frisch geweihte Priester in Wachenheim Nachprimiz. Dabei hatte er doch ursprünglich ganz andere Pläne für seine Zukunft. Sein Leben, sagt Christian Ivandic heute, stand schon früh auf zwei Säulen. Eine davon ist die Musik. „Ich komme aus einer Musikerfamilie“, erzählt der 34-Jährige. Drei bis vier Stunden täglich, am Wochenende auch mehr, habe er in der Schulzeit am Klavier gesessen und geübt. Das Ziel schien klar: „Ich wollte eigentlich Pianist werden.“

Eigentlich – wäre da nicht die zweite Säule in seinem Leben: der Glaube an Gott. „Religion war immer wichtig“, sagt Ivandic. Der Sonntagsgottesdienst gehörte dazu, ebenso wie das Tischgebet. Jahrelang habe er als Messdiener geholfen – und in Pfarrer Kazimierz Cwierz eine ihn prägende Persönlichkeit gefunden. Dass es zwischen Himmel und Erde mehr geben muss, sei ihm schon als Kind klar geworden, erzählt Ivandic. Da habe er „die ersten Gotteserfahrungen gemacht – gerade durch die Musik oder die Kunst“.

Pianisten-Pläne aufgegeben

Es habe nicht das eine Erlebnis gegeben, das ihn über eine Zukunft in der Kirche nachdenken ließ. Vielmehr seien es viele gewesen. So dieses: Auf Verwandtenbesuch in Argentinien habe er im Bus gesessen, als dieser plötzlich an einem Bahnübergang halten musste. Eine Frau hatte sich das Leben genommen. Ivandic versuchte, sich in ihre Gefühlslage zu versetzen. „Ich konnte nicht in ihrer Haut stecken“, sagt er. „Ich habe durch die Liebe Gottes so viel Schönes erfahren. Aber ich dachte: Gerne würde ich helfen, Menschen ein Stück von diesem Glauben und Trost zu vermitteln.“

Ivandic gab seine Pianisten-Pläne auf. „Für meine Familie war das erst nicht so leicht“, weiß er. Der damals 19-Jährige schloss sich 2008 nach dem Abitur am Werner-Heisenberg-Gymnasium dem Noviziat der „Legionäre Christi“ in Bad Münstereifel an. Die katholische Ordensgemeinschaft hatte er in ihrem Ursprungsland Mexiko kennengelernt, wo seine Familie wegen der Arbeit des Vaters ein Jahr verbracht hatte. Bei Freizeiten habe er die Ordensbrüder etwa beim Fußballspielen erlebt. Und er beschloss: Sollte er diesen Weg gehen, „dann in einem Orden“, der Gemeinschaft wegen.

Schwieriger Umgang mit Missbrauchsskandal

2009 wurden bei den Legionären zahlreiche Missbrauchsfälle bekannt, auch durch den Ordensgründer. Papst Benedikt XVI. kritisierte den Orden und ordnete eine päpstliche Visitation an. Es begann eine mit Zweifeln verbundene Zeit, erinnert sich Ivandic. „Meine Eltern haben angerufen: Komm nach Hause.“ Doch er blieb. „Durch meine Erfahrungen dachte ich: Der Herr möchte, dass ich diesen Weg gehe.“ Vieles habe aufgearbeitet werden müssen. „Wir waren ein ziemlich extremer Fall.“ Doch die Aufarbeitung habe viel Gutes gebracht, man sei demütiger geworden. „Wir waren alle involviert. Vielleicht war es eine Chance zu überlegen: Wie stelle ich mir den Orden vor?“ Ivandic sagt, er könne nachvollziehen, wenn Menschen durch die Missbrauchsskandale von der Kirche enttäuscht seien. „Die Lösung habe ich nicht“, gesteht er. Wichtig sei aber, im Persönlichen anzufangen. „Wir sind gerufen, im Alltag ein Beispiel zu sein. So kann Vertrauen entstehen.“

Ende April wurde Ivandic in der römischen Kirche Santa Maria Maggiore zum Priester geweiht. „Sehr ergreifend“ sei das gewesen. Auch, weil er just dort erstmals mit einem Pfarrer über seine Überlegungen, Priester zu werden, gesprochen habe. Der Weg zur Weihe sei „nicht immer leicht gewesen, aber da ist eine innere Freude“. Auch darüber, dass er in Wachenheim, wo er einst als Messdiener half, nun Nachprimiz feiern durfte. „Die Verbundenheit ist noch immer da“, versichert er.

Der Reiz philosophischer Fragen

Dabei war er in den letzten Jahren viel unterwegs. Nach dem Studium in Cheshire (USA) und Rom sowie einer pastoralen Auszeit als Jugendarbeiter, Religions- und Ethiklehrer in Mexiko-Stadt begann er 2022 ein fünfjähriges Promotionsstudium in systematischer Theologie an der katholischen University of Notre Dame du Lac im US-Bundesstaat Indiana. Ihn reizten die vielen philosophischen Fragen, sagt Ivandic. Wie auch die Arbeit abseits des Studiums: Er setze sich in der Studentenseelsorge ein, wolle mit der Gefängnisseelsorge beginnen. Und: Ein bisschen Zeit fürs Klavierspielen bleibe auch.

Missionarisches und Akademisches zu verbinden, mache ihm Spaß, sagt Ivandic. Da passt, was die Ordens-Oberen wohl für ihn vorgesehen haben: „Höchstwahrscheinlich werde ich in Rom lehren und in der Priesterausbildung helfen.“

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