Bad Dürkheim Von wegen Schwanengesang

Keine leichte Kost für einen heißen Maiabend: Das Amalienquartett und Laurent Albrecht Breuninger in der Ludwigskapelle.
Keine leichte Kost für einen heißen Maiabend: Das Amalienquartett und Laurent Albrecht Breuninger in der Ludwigskapelle.

„Fünf Streicher im Quartett“ lautete das Motto des jüngsten Konzerts der Wachenheimer Serenade. Es gastierte das Amalienquartett aus jungen Absolventinnen der Karlsruher Musikhochschule – ergänzt um den renommierten Geiger und Violinprofessor Laurent Albrecht Breuninger. Gemeinsam spielten sie zwei große Streichquintette von Wolfgang Amadeus Mozart und Johannes Brahms. Keine leichte Kost für einen heißen Maiabend in der Wachenheimer Ludwigskapelle.

Lag es nun an dem schönen Wetter, am Wachenheimer Schlinzelgasse’fest gegenüber oder an den vielen anderen Veranstaltungen in der Region, dass das Konzert unverdient nicht so gut besucht war wie die sonstigen Wachenheimer Serenaden? Oder doch daran, dass das Ensemble in der Pfalz bislang so wenig bekannt ist? Diejenigen, die gekommen waren, kennen es jetzt und werden es in allerbester Erinnerung behalten, denn der Auftritt war großartig. 2011 haben sich die vier jungen Musikerinnen zum Quartett zusammengetan. Mittlerweile haben sie alle feste Stellen in großen Orchestern – Primaria Kira Kohlmann (die auch in Wachenheim schon aufgetreten ist) als Vorspielerin der ersten Violinen bei der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland Pfalz, die zweite Geigerin Eva Maria Vischi und die Cellistin Hanna Gieron in der Badischen Staatskapelle Karlsruhe sowie Bratscherin Charlotte Kirst im Orchester der Staatsoper Stuttgart. Man darf bewundern, wie sie sich in der beschränkten Zeit zwischen den Orchesterdiensten beim Proben zu so eine großen Homogenität zusammen finden. In Wachenheim musste die erkrankte Charlotte Kirst ersetzt werden. Einspringerin war Stella Sykora-Nawri, ebenfalls von der Staatsphilharmonie Rheinland Pfalz, die auch mit ihrem Chiarina-Quartett schon bei der Wachenheimer Serenade zu hören war. Sie reihte sich nahtlos in das Ensemble ein. Unterstützt wurde das Quartett an diesem Abend von Laurent Albrecht Breuninger, Professor für Violine an der Karlsruher Musikhochschule, Geiger von weltweiter Reputation und Preisträger vieler großer Wettbewerbe, der hier die erste Viola spielte. Zu hören gab es zwei Gipfelwerke der Gattung Streichquintett. Mozarts viertes seiner sechs Quintette (KV 516) steht in g-moll, die Tonart, die er immer benutzte, wenn es ihm um das ganz Persönliche, das Tragische oder Melancholische ging. Im g-moll-Quintett findet sich das alles zusammen. Mozart schrieb es unter dem Eindruck des Todes seines Vaters Leopold und im zeitlichen Umfeld des „Don Giovanni“. Nichts ist da zu spüren von dem auch etwa durch den Film „Amadeus“ vermittelten allgemein verbreiteten Mozartbild vom heiter-unbeschwerten Wunderknaben. Es ist eine von tiefer Traurigkeit und fast schon opernhafter Wucht durchdrungene Musik. Flammende Leidenschaft in Verbindung mit technischer Perfektion prägte die Wiedergabe. Der prominente Gastspieler Laurent Albrecht Breuninger machte in Solopassagen durch einen besonders leuchtenden Ton auf sich aufmerksam, ein Kapitel für sich bildete das eindringliche Spiel der Primaria Kira Kohlmann. Ein Streichquintett sei ein Streichquartett auf dem Weg zu Streichorchester, sagte Laurent Albrecht Breuninger in seiner Anmoderation. Eine Verheißung, die das Ensemble beim Zweiten Streichquintett in G-Dur von Johannes Brahms einlöste. Brahms wollte mit seinem Opus 111 eigentlich einen Schlussstrich unter sein Schaffen ziehen. Sein Verleger Simrock hat ihn – zum Glück für die Nachwelt – dann zum Weitermachen bewogen. Das Quintett ist indes kein asketisch-verinnerlichter Schwanengesang, sondern ein volltönendes saftiges Werk, das auf der lichten Seite von Brahms` Schaffen steht. Das Ensemble wurde der Komposition vollkommen gerecht. Zurecht Bravorufe für die intensive Darstellung und der köstlich musizierte zweite Satz aus Dvoráks Es-Dur-Quintett als Zugabe.

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