Bad Dürkheim Von der Glaubens- zur Kulturstätte

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Von der Frauenempore sieht man hinunter in den kleinen Saal: eine hohe Decke und Wände aus massivem Stein. Es ist kühl in der ehemaligen Synagoge in Weisenheim am Berg. Gerhard Hock erklärt, wie und wo vor über hundert Jahren Juden hier ihren Gottesdienst abgehalten haben. Der Erste Vorsitzende des „Förderkreis Ehemalige Synagoge Weisenheim am Berg“ erzählt lebhaft und anschaulich. Man kann sich die Menschen der damaligen Zeit vorstellen, den Altar und die Thora-Rollen aus denen der Rabbi liest. Dennoch wird die jüdische Glaubensstätte längst anders genutzt. Der Raum gehört seit rund 25 Jahren allein nur noch der Kunst. Utensilien für den jüdischen Gottesdienst finden sich nur noch fest verschlossen in einer Vitrine. Schon seit dem Jahr 1909 wurde die Synagoge nicht mehr als Glaubensstätte genutzt. Eine Schreinerei verwendete sie als Lager und sorgte so dafür, dass sie das Dritte Reich unbeschadet überstehen konnte. Dem Verfall konnte das Gebäude aber nicht trotzen. Der Förderkreis restaurierte das denkmalgeschützte Gebäude, verschaffte ihm neuen Glanz und dem Dorf damit einen kulturellen Treffpunkt. Mittlerweile sind die Konzerte und Ausstellungen feste Bestandteile des kulturellen Lebens über die Grenzen der Weinreben hinaus. Zum jährlich stattfindenden Gitarrenfestival kommen Gäste aus ganz Deutschland in das kleine Gebäude mit dem Sandsteinboden und genießen den Gitarrenklang in besonderer Atmosphäre. „Beim Gitarrenfestival ist das Haus immer ausverkauft“, sagt Gerhard Hock mit unüberhörbarem Stolz in der Stimme. Als Erster Vorsitzender des Vereins sorgt er dafür, dass jede Veranstaltung möglichst gut besucht ist. Eine funktionierende Organisation und Zusammenarbeit innerhalb des Vereins sind dafür unabdingbar. „Es läuft hier alles wie in einer Firma. Wir haben einen Schriftführer, der immer genaue Protokolle schreibt und jeder weiß, was er zu tun hat“, unterstreicht Hock. Zu den Aufgaben jedes Einzelnen gehört beispielsweise die Patenschaft für eine Veranstaltung. Von der Idee bis zur Umsetzung ist immer ein Mitglied des Vereins verantwortlich. Es ist Ansprechpartner und Organisator. Ein Prinzip, das funktioniert. Über das ganze Jahr verteilt organisiert der Verein Veranstaltungen vom Vortrag bis hin zur Schauspielaufführung. Der Bezug zur jüdischen Kultur soll bewusst erhalten bleiben, auch wenn der Verein Gottesdienst-Anfragen jüdischer Gemeinden konsequent ablehnt. Die Synagoge werde nun einmal anders genutzt und solle der Malerei und der Musik vorbehalten bleiben. Doch die jüdische Kultur lässt sich auch ganz leicht in der Kunst verpacken. Konzerte mit den Stücken jüdischer Komponisten oder auch Vorträge zur jüdischen Geschichte gehören fest in die Veranstaltungsplanung. Gerhard Hock freut sich auch, wenn er Schulklassen durch die Ausstellungen führen kann und so ein Stück Geschichte greifbar macht, das auch in Weisenheim am Berg stattgefunden hat. Die Arbeit für den Verein hat den Ingenieur im Ruhestand verändert. „Ich habe meinen Horizont erweitert und konnte selbst auch viel über die jüdische Kultur lernen und das eine oder andere Klischee hinterfragen.“ Mit seinen 77 Jahren lernt er außerdem eine völlig neue Art des Denkens kennen. „Die Ingenieure, die denken alle so viereckig. Die Künstler, mit denen wir hier aber zu tun haben, die denken emotional, das ist wirklich spannend“, erzählt er mit einem Schmunzeln. Die Zukunftspläne des Vereins sind realistisch und klar: Das Niveau der Veranstaltungen zu festigen und die Mitgliederzahl zu erhalten. Die laufenden Kosten für das Gebäude schöpft der Verein aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden.

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