Bad Dürkheim „Vivaldi geht immer“
Die Münchner Gitarrenszene ist nicht so groß. Mischa Andropov hatte vorher andere Ensembles, die aus dem Studium entstanden sind, aber die haben menschlich nicht so gut funktioniert. Über einen gemeinsamen Freund nahm er Kontakt zu mir auf. 2008 kam Thomas Etschmann dazu und wir drei passen menschlich und musikalisch sehr gut zusammen, so dass wir seither als Trio bestehen. Und wie haben Sie Ihr Repertoire aufgebaut? Das Genre Gitarrentrio gibt es eigentlich nicht, da gibt es nur ganz wenig Originalliteratur. Im 20. und 21. Jahrhundert gab es den ein oder anderen Komponist. 80 Prozent der Werke, die wir spielen, sind deshalb Bearbeitungen anderer Werke. Die anfängliche Intention war ein Programm, das vom Barock bis ins 21. Jahrhundert durch die Musikgeschichte führt. Wir haben mit Vivaldi angefangen, denn Vivaldi geht immer! (lacht). Sein Lautenkonzert spielen wir auch in Wachenheim. Im Original ist das für Laute und Streichorchester recht bekannt. Die Carmen-Suite von George Bizet lag für uns auch nahe. Er ist zwar kein Spanier, hat aber das geschrieben, was man am meisten mit Spanien verbindet. Von dem Haydn-Trio, das wir spielen, gab es schon Bearbeitungen für Laute und für Gitarre. Und wir haben noch etwas von Boccherini. Der hat sich zwar abfällig über den Flamenco geäußert, aber in dem Stück das wir spielen, sehr viel von dessen Tonsprache übernommen. Allgemein gesagt haben wir Stücke ausgewählt, die eine Bezug zur Gitarre haben, teils über spanische Musik, oder weil es schon etwas für Laute oder Gitarre gegeben hat. Wie entstehen die Arrangements? Zu 90 Prozent schreibe ich die. Dann probieren wir das im Trio aus und nehmen noch ein paar Anpassungen vor. Unser Thomas Etschmann schreibt eigene Stücke für unser Trio. Die haben wir aber nicht im Programm. Der Veranstalter wollte ein klassisch gehaltenes Programm, keine Neue Musik. Das modernste ist „Spain“ von Chick Corea und Thomas hat das bearbeitet und mit dem „One Note Samba“ von Antonio Carlos Jobim verbunden. In Rezensionen Ihrer Konzerte wird ganz oft Ihre Virtuosität gelobt. Stellen Sie die heraus, weil man damit leicht das Publikum für sich gewinnt? Wenn ein Stück virtuos ist, dann muss das auch so klingen. Die Virtuosität steht im Dienst der Musik und ist nicht Selbstzweck. Wir hauen nicht raus, was wir können, um Eindruck zu schinden. Wir setzen Virtuosität so ein, wie es die Musik verlangt. Ein „Allegro“ bei Haydn ist nun mal schnell – aber so schnell wie die Geiger können wir das eh nicht spielen. Da gibt es technische Grenzen auf der Gitarre. Zur Person Alexander Leidolph begann mit elf Jahren begann er Gitarre zu spielen. 1996 wurde er in die Yehudi Menuhin Stiftung aufgenommen. 2004 erhielt er, als Mitglied der Gruppe „Folk & Classic“, den Kulturförderpreis der Stadt Rosenheim. Termin Das Münchner Gitarrentrio spielt in der Reihe Wachenheimer Serenade am Samstag, 23. Februar, 19 Uhr, in der Ludwigskapelle, Wachenheim. Karten: Touristinfo (06322 9580 801) oder Freundeskreis Wachenheimer Serenade (06322 956971). | Interview: Gereon HoffmannDOPPELTERZEILENUMBRUCH