Wachenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Virtueller Rundgang durchs alte Wachenheim

Posieren um 1938 vor der Bäckerei Sterk in der Bahnhofstraße (von links): die Töchter Ester und Hanni, ein unbekannter Mann sowi
Posieren um 1938 vor der Bäckerei Sterk in der Bahnhofstraße (von links): die Töchter Ester und Hanni, ein unbekannter Mann sowie Luise und Emil Sterk.

Wer hatte in Wachenheim früher einen Kolonialwarenladen oder ein anderes Geschäft? Antworten auf diese und andere Fragen hat Helge Kranz gesucht. Die Ergebnisse ihrer Recherchen präsentiert sie mit einem speziellen virtuellen Rundgang auf einer eigens hierfür eingerichteten Internetseite.

Der virtuelle Rundgang führt durch Wachenheim mit all seinen nicht mehr existierenden Geschäften, Handwerksbetrieben, Gaststätten und Hotels. Etwa zehn Jahre habe sie das Projekt im Kopf gehabt, erzählt Helge Kranz, ihre eigene Familiengeschichte habe die Inspiration geliefert.

Auf der Internetseite sind in einem Stadtplan von Wachenheim Gebäude im jetzigen Zustand hinterlegt, kombiniert mit Bildern aus deren Vergangenheit als Geschäftshaus inklusive Kurzporträts der damaligen Inhaber. „Wahnsinnig viele Geschäfte“ habe es seinerzeit in Wachenheim gegeben, hat Kranz herausgefunden. Wenn sie heute durch die Straßen und Gassen ihrer Heimatstadt spaziere, gehe sie in Gedanken in den Läden der 1950er- bis 1970er-Jahre einkaufen.

Kolonialwaren Gossenberger in der Waldstraße 61 um 1930.
Kolonialwaren Gossenberger in der Waldstraße 61 um 1930.
Das Team: Erster Beigeordneter Manfred Bühler und Helge Kranz, dahinter von links Christiane Wolf, Uschi Bernard und Benedikt Kr
Das Team: Erster Beigeordneter Manfred Bühler und Helge Kranz, dahinter von links Christiane Wolf, Uschi Bernard und Benedikt Kranz.
1938: Vor der Bäckerei Sterk stehen Ester und Luise Sterk.
1938: Vor der Bäckerei Sterk stehen Ester und Luise Sterk.
Circa 1930: Vor dem Kolonialwaren-Laden Gossenberger steht die Besitzerfamilie.
Circa 1930: Vor dem Kolonialwaren-Laden Gossenberger steht die Besitzerfamilie.
1928: Spezereihandlung in der Burgstraße.
1928: Spezereihandlung in der Burgstraße.
1913: Bäckerei Felix in der Weinstraße.
1913: Bäckerei Felix in der Weinstraße.

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Mit „fassadengeflüster“ wolle sie die damalige Geschäftswelt festhalten, anhand von Fotos und Postkarten aufzeigen, wo es Läden, Handwerksbetriebe und Gaststätten gab und wo heute vielleicht noch kleine architektonische Details an ihre frühere Nutzung erinnern, erzählt die Wachenheimerin, als sie die Seite vorstellt.

Eingeteilt hat Kranz die ehemaligen Geschäftshäuser in die Kategorien „Geschäfte und Handel“, „Handwerker und Dienstleister“, „Gaststätten, Hotels und Freizeit“ sowie „Wein und Sekt“. Klickt man einen farblich unterlegten Punkt auf der Karte an, erscheinen Bilder der einstigen Betriebe, die aktuellen Fotos hat Kranz' Sohn Benedikt gemacht.

In das Textilhaus Glaser, Weinstraße 37, zog 1976 zum Beispiel die Burgapotheke ein, später war eine Boutique darin, heute werden dort die Produkte der Bäckerei „Zuggerschnud“ angeboten. In der Burgstraße, war, wo heute ein Elektrogeschäft ist, früher das Lebensmittelgeschäft von Cäcilie Schwinn. Kosmetikartikel hatte sie auch im Sortiment, denn dort kaufte Kranz ihren ersten Nagellack. In der Schlossgasse 1 hatte Agnes Seppi ihr Handarbeitsgeschäft und sehr zur Freude der Kinder einen Kaugummiautomaten an ihrem Haus. Die Brötchen der Bäckerei Oster im Bornweg 10 waren berühmt. Wie die „Osterbrötchen“ in steinerner Form dann sogar den Weg auf das Grab ihres Bäckers fanden, erfährt man auch.

150 Punkte

„Ich bin fasziniert“, gesteht der Erste Beigeordnete der Stadt, Manfred Bühler (FDP). Er teilt mit der Autorin die Erinnerungen an das „geschäftige Wachenheim“ von damals, denn die beiden sind eine Altersklasse. Immer wieder flammen die Erinnerungen daran auf, zu wem man als Kind geschickt wurde, um Milch, Brot oder Fleisch holen, wohin man die Schuhe zum Flicken brachte oder wo man ins Kino gehen konnte. Besonders beliebt war bei Kindern „de Vogte Hannes“ in seinem Kiosk an der Kirche. Man bekam bei ihm eine gewünschte Süßigkeit auch, wenn das Geld nicht ganz reichte, man brachte es ihm einfach am nächsten Tag vorbei. Einkaufen gingen die Wachenheimer früher weitgehend auf „ihrer“ Seite der Weinstraße, je nachdem, ob sie auf der östlichen oder westlichen Seite wohnten. Oder man kaufte innerhalb konfessioneller Grenzen ein, wird kolportiert.

150 verschiedene Punkte sind in Kranz’ virtuellem Rundgang aufgelistet und ihrer Aussage nach ist er noch lange nicht vollendet. Ihr nächstes Vorhaben ist, ein Buch über „Wachenheims Geschäftswelt – gestern und heute“ herauszugeben. Später möchte sie entsprechende Stadtrundgänge mit einem bestimmten Motto anbieten.

Noch Fragen?

  • Am Samstag, 3. Juni, 14 bis 18 Uhr, und am Sonntag, 4. Juni, 11 bis 17 Uhr, wird die neue Internetseite vom Heimatverein Wachenheim im Eichhaus der Öffentlichkeit vorgestellt.
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