Bad Dürkheim Viel Verkehr, wenige Sänger

Heinz Letsch ist schon lange dabei. Er gehört zur alten Garde in Weisenheim am Sand, aber die Entwicklung gefällt ihm zuweilen nicht so sehr. „Es gibt zu wenig Nachwuchs im Männergesangverein Eintracht“, weiß er. Der jüngste Sangesbruder ist der Tenor. Und sogar der ist schon 50, sagt Letsch. Wenn man früher von Weisenheim am Sand gesprochen habe, dann hieß es oft: das singende Dorf. Heute singen nicht mehr viele. Das bereitet auch Erich Naumer und Horst Rohrer, der bei der Liedertafel singt, Sorgen. Vor vielen Jahren haben sich die Sänger ein „zweites Standbein“ geschaffen: Skat. Aber auch diese Runden werden kleiner, sagen die Herren, die alle zwischen 70 und 80 Jahre alt sind. Woran es liegt, wissen sie auch nicht so hundertprozentig. Oft würde bei Chören heute auf englisch gesungen, sagt Naumer. Viele der Älteren verstünden dann nicht, was sie eigentlich singen. Die RHEINPFALZ sollte wieder ausführlicher über die Konzerte berichten, wünschen sie sich jedenfalls. Allgemein stellen sie fest, dass über Weisenheim am Sand nicht so viel geschrieben wird wie zum Beispiel über Wachenheim. Es gebe in Weisenheim ein unwahrscheinliches Vereinsleben, betonen sie. Um im selben Atemzug aber auch festzustellen, dass es eine „zurückgehende Beteiligung der Aktiven“ gibt. Beim Karneval zum Beispiel, wie Rohrer als Gründungsmitglied der Bürgerinitiative „Närrische Sandhasen“ zugibt. Früher war auch der Umzug besser besucht, stellt später jemand fest. Wer Heinrich Strebelow fragt, was den Menschen in Weisenheim am Sand so unter den Nägeln brennt, bekommt eine klare Einschätzung: „Die Verkehrssituation“, sagt er. Besonders in der Bahnhofstraße sei die Problematik sichtbar. Die älteren Herren pflichten ihm bei, sprechen auch von sanierungsbedürftigen Bürgersteigen. Das Thema Umgehungsstraße sei vor 30 Jahren verpasst worden, so der Tenor. Viel Verkehr ist gleichbedeutend mit einem großen Bedarf nach Parkraum. Aber auch dieser sei nicht ausreichend vorhanden – nicht in der Bahnhofstraße und auch nicht in angrenzenden Straßen. Ein neues Ärgernis beschreibt Strebelow mit der gesperrten Bahnstrecke zwischen Weisenheim am Sand und Frankenthal. Ankömmlinge müssten vom Bahnhof zirka 800 Meter bis zum Schienenersatzverkehr in der Ortsmitte laufen. Hinzu komme eine schlechte Beschilderung. Gar nicht ausgeschildert ist in Weisenheim eine Tankstelle. Weil es keine gibt. Es hätten früher mal drei existiert, so Letsch. Wenigstens eine müsse es heute noch geben, finden die Herren, die sich wie der VDK-Vorsitzende Michael Rauch über den Wegzug der Postbank nach Schließung der Postfiliale bei Fernseh Strohmeier empören. Für einige Senioren bedeute dies weite Wege nach Dürkheim oder Frankenthal. Rauch hat sich deshalb sogar mit dem Sozialministerium in Mainz in Verbindung gesetzt. Ihm liegt es am Herzen, ein Bewusstsein zu schaffen für Menschen mit Behinderungen. Es gebe in der Bahnhofstraße keinen einzigen Behindertenparkplatz. Eine öffentliche Toilette vermisst er ebenfalls. Überhaupt findet er, dass im Ort eine Vision fehlt, wie Bürgerbeteiligung und Gemeinde im Jahr 2030 aussehen sollen – eine Art Leitbild. Vom neuen Bürgermeister sei in dieser Hinsicht noch nichts zu hören gewesen, findet auch SPD-Frau Susanne Fliescher. Trotz all jener Kritikpunkte finden die Weisenheimer schließlich doch, dass sie in einem schönen Ort leben, der es wert sei, von „schlampigen“ Redakteuren nicht immer mit Weisenheim am Berg verwechselt zu werden.