Bad Dürkheim
Vibrierende Zeiten: Katrin Tempels neue Trilogie um eine Berliner Zeitungsverleger-Dynastie
Seit ihrem Studium ließ Katrin Tempel der Gedanke nicht los, die Themen Politik und Medien zu einer fesselnden Geschichte zusammenzuführen. In ihren Studienfächern Geschichte, Politik und Kommunikationswissenschaften befasste sich die gebürtige Düsseldorferin, die ihre Schriftstellerkarriere 2004 mit Kinderbüchern startete und seitdem auch erfolgreich Romane für Erwachsene wie „Mandeljahre“ oder „Apfelblütenjahre“ veröffentlichte, auf unterschiedliche Weise mit dem Dritten Reich und den Medien und der Frage, wie diese zu Propagandazwecken eingesetzt wurden. Über „Medien im Dritten Reich“ verfasste sie vor mehr als 30 Jahren auch ihre Abschlussarbeit. „Ich hatte immer im Hinterkopf den Gedanken, dass ich darüber mal einen Roman schreiben könnte“, erzählt Tempel, die für die Umsetzung ihrer Idee wieder akribisch recherchiert hat und ins Berlin der 20er Jahre eingetaucht ist. In ein Berlin, in dem die schnellsten Druckmaschinen der Welt stehen, Zeitungsjungen vier Mal am Tag die Druckerzeugnisse unters Volk bringen und die Nationalsozialisten allmählich immer mehr Anhänger um sich scharen.
Drei Zeitungserben, die unterschiedliche Wege gehen
Der erste Teil der im Piper-Verlag erscheinenden Saga mit dem Titel „Die Zeitungsdynastie – Goldene Jahre“ startet im Jahr 1924, inmitten der Wirren der Weimarer Republik. In einer schicksalhaften Dezembernacht passiert ein tragischer Unfall, bei dem eine stadtbekannte Tänzerin ihr Leben verliert. Das Leben der drei Verlegergeschwister Victoria, Fritjof und Alexander Manthey wiederum könnte dadurch ebenfalls maßgeblich aus der Bahn geraten, weshalb sie alles versuchen, um nicht selbst zur Schlagzeile ihrer eigenen Zeitung zu werden, der „Berliner Bühne“. Das gestaltet sich allerdings schwieriger als gedacht, denn es gibt einen Zeugen. Was sind die drei privilegierten Berliner bereit zu tun, um sich selbst zu schützen? Diese zentrale Frage führt zu Entscheidungen, die die Zukunft der Zeitungserben einschneidend prägen, denn sie alle werden unterschiedliche Wege einschlagen – und das vor dem Hintergrund des Aufstiegs neuer politischer Machthaber.
Fürs Schreiben ihrer ersten Trilogie musste Katrin Tempel ebenfalls neue Wege beschreiten. Während ihre bisherigen Romane stets aus der Perspektive einer Hauptfigur geschildert werden, bedient sich die Autorin zum ersten Mal dem Stilmittel des allwissenden Erzählers. Immerhin gilt es die Lebenswege der drei Mantheys zu verfolgen und das geht nur, „wenn der Erzähler auch nah bei ihnen ist, so wissen die Leser mehr als die Hauptfiguren und das erzeugt zusätzlich Spannung“, sagt Tempel, die drei Jahre an ihrer Trilogie gearbeitet hat. Unzählige Bücher hat sie für ihre Recherchen gewälzt, denn auch wenn das Verlagshaus Manthey Fiktion ist, die Zeiten, die die drei Bücher abdecken, sind es nicht. „Für viele Situationen und meine Protagonisten gibt es zum Beispiel sehr reale Vorbilder. Für Victoria Manthey nahm ich teilweise die großartige Gerichtsreporterin Gabriele Tergit als Vorbild“, erklärt Tempel, die auch eigene Erfahrungen einfließen ließ. So basieren die Schilderungen des vibrierenden Verlagshauses, in dessen Keller die Druckmaschinen ihr Werk verrichten, auf ihren Erinnerungen an ihre Zeit als Journalistin in München.
Ihre Bücher schreibt Tempel beim Zugfahren
Ihre Faszination für Medien und besonders für Zeitungen wurzelt in ihrer Kindheit. Aufgewachsen in München mit einem Vater, der als renommierter Sportjournalist über alle wichtigen Großereignisse berichtete, lagen täglich fünf Tageszeitungen im Haus, in denen sie munter blätterte. „Ich habe heute noch die Geräusche der klappernden Schreibmaschine im Ohr, die aus dem Zimmer meines Vaters drangen, wenn er arbeitete“, erzählt Tempel, die ihre Bücher übrigens beim Zugfahren schreibt. Dafür hat sie zukünftig wieder mehr Zeit, denn im Mai wechselte sie vom Burda-Verlag, der in Offenburg ansässig ist, ins „Geranova Bruckmann Verlagshaus, wo sie als Editorial Director für die Zeitschrift „Ein Herz für Tiere“ zuständig ist. Das bedeutet eine längere Bahnfahrt nach München, in der sich die 57-Jährige neuen Romanen widmen kann.
Doch erst einmal ist die Wahlpfälzerin froh, ihren „Marathon“, wie sie das Schreiben ihrer Trilogie nennt, beendet zu haben. Alle Teile sind geschrieben und die Veröffentlichung ist innerhalb eines halben Jahres geplant, „damit die Leser nicht so lange darauf warten müssen, wie es mit den Geschwistern weitergeht“. Der zweite Band erscheint bereits am 24. Oktober, der Abschlussroman folgt am 3. Januar 2025 – dann werden die Leser mit den Mantheys im Jahr 1949 angekommen sein.
Lesezeichen/Termin
Katrin Tempel: Die Zeitungsdynastie – Goldene Jahre. Piper, Taschenbuch, 400 Seiten, 12 Euro. Den Auftakt der Trilogie feiert Tempel erneut mit einer kulinarischen Lesung im Dürkheimer Gasthaus „Alte Schmelz“. Am Dienstag und Mittwoch, 2. und 3. Juli, jeweils um 18.30 Uhr, können die Besucher dort nicht nur das Buch kennenlernen, sondern ein abgestimmtes 4-Gänge-Menü genießen. Reservierungen dafür unter www.die-alte-schmelz.de/die-zeitungs-dynastie/.