Bad Dürkheim
Urlaubsgäste sorgen im Sommer für „sensationelle Belegung“
„Der August – und der September schließt sich dem an – war der bestbelegteste Monat, den wir im Hotel jemals hatten“, berichtet Martina Berwing, Geschäftsführerin des Wellness- und Gartenhotels Heusser in Bad Dürkheim. „Wir profitieren sehr von dem Trend Urlaub in Deutschland und haben derzeit eine sensationelle Belegung.“ Berwing erklärt, dass in diesem Jahr viele Gäste ihren ersten Urlaub in der Pfalz verbracht haben, der sonst auf den griechischen Inseln oder an anderen südlichen Orten genommen wird. Dass dies auch in Zukunft, nach der Pandemie, so bleiben wird, davon geht die Geschäftsführerin jedoch nicht aus. „Der Haupturlaub wird bestimmt wieder im Ausland stattfinden. Bei uns wird es nicht mehr der erste Uraub, sondern der zweite werden“, mutmaßt sie. Sie glaubt, dass viele der neuen Gäste, die die Weinstraße und Bad Dürkheim nun für sich entdeckt haben, wiederkommen werden.
Zwei Dinge seien ihr weiterhin aufgefallen: zum einen, dass die Urlaubsgäste in diesem Jahr extrem kurzfristig ihren Aufenthalt buchen – häufig erst zwei oder drei Tage vor der Anreise – und zum anderen, dass die Gäste länger bleiben. Buchten die meisten vorher eher für zwei bis drei Nächte, blieben einige nun durchaus eine ganze Woche.
Leute machen öfter Kurzurlaub
Auch den Strukturwandel, weg von den Geschäftsreisen und hin zum Urlaubsaufenthalt, sehe das Dürkheimer Hotel ganz deutlich. „Ich denke die Firmen haben gelernt, wie es online funktionieren kann. Teilweise schicken die Firmen ihre Leute auch noch nicht auf einen Business-Termin.“ Die stärkere Belegung käme eben auch dadurch zustande, dass durch die Urlaubsgäste die Doppelzimmer tatsächlich doppelt, statt einfach belegt sind.
Ähnliches berichtet Rosemarie Simon vom Landhotel Altes Wasserwerk in Freinsheim. Die Buchungen für Geschäftsreisen seien auch in ihrem Haus noch nicht auf dem Normalstand. „Wir müssen abwarten, wie sich das entwickelt“, sagt sie. Die Urlaubsbuchungen liefen dafür momentan sehr gut, wie sie erzählt, und das sei auch den Sommer über so gewesen. Zwar sei das Hotel in der Hochsaison im September/Oktober immer voll, im Sommer, in dem es in der Region für gewöhnlich etwas ruhiger ist, sei in diesem Jahr aber etwas mehr los gewesen als sonst. Zudem habe sie den Eindruck, dass die Leute öfters Kurzurlaub machen. „Mal fahren sie für mehrere Tage in die Pfalz, danach dann beispielsweise mal nach Baden-Württemburg “, berichtet sie.
Michaela Peter vom Weingut Peter in Wachenheim, das auch Gästezimmer anbietet, freut sich, dass die Gäste nun länger bleiben. Während vor Corona zwei bis drei Tage die Regel gewesen sei, wollten Urlauber nun oftmals zehn Tage bleiben. „Das habe ich manchmal gar nicht im Angebot, weil das Zimmer dann schon für ein Wochenende belegt ist“, berichtet sie. Daher überlege sie nun, ein bis zwei Zimmer erst ab vier Nächten zu vermieten, um die Nachfrage für längere Aufenthalte abzudecken.
Peter hofft, dass das Reiseverhalten so bleibt und die Menschen weiterhin in Deutschland ihren Urlaub verbringen. „Die meisten haben aber auch gesagt, dass sie nochmal herkommen wollen, weil sie noch nicht alles erkundet haben“, erzählt sie.
Andere Zielgruppe in der Stadt
Genau das ist auch das Ziel, das laut Marcus Brill, Leiter des Fachbereichs Tourismus und Kultur bei der Stadt Bad Dürkheim, verfolgt werden soll. „Unser Ansatz ist es, zu zeigen, dass der Gast eigentlich noch ein bis zwei Tage länger gebraucht hätte, um alles zu sehen“, erklärt er. Dabei gehe es darum, eine höhere Übernachtungsanzahl zu erreichen. Lange Zeit habe diese unter zwei gelegen. Zwar habe sich das jetzt bereits deutlich gebessert, aus verkehrstechnischer, wirtschaftlicher und nachhaltiger Sicht sei es jedoch notwendig, dies weiter zu forcieren.
Der Tourismusbeauftragte erklärt, dass durch die Pandemie eine Verlagerung der Segmente im Reiseverkehr stattgefunden hat. Dadurch, dass zurzeit die Geschäftsreisenden fehlen, aber die Stadt deutlich mehr Urlaubsgäste zählt, sei die Gesamtzahl der Besucher zwar ähnlich, jedoch handele es sich dabei um eine andere Zielgruppe. „Wenn man auf einer Tagung ist, dann ist man für gewöhnlich nicht in der Stadt unterwegs“, gibt Brill ein Beispiel. Anders sei dies bei Urlaubsgästen, die die Gegend erkunden wollen. So entstehte der Eindruck, dass mehr in der Stadt los ist als sonst.
Jörg Dörr, Leiter der i-Punkte in Kallstadt und Freinsheim, berichtet, dass die Damen in den beiden Touristinformationen bei den Anfragen für Unterkunftsbuchungen riesige Schwierigkeiten hätten, Betten zu bekommen – auch unter der Woche. Der Buchungsstand sei sehr gut, er bestätigt außerdem, dass es seit letztem Jahr eine spürbar höhere Auslastung im Hochsommer gibt, der für gewöhnlich eher eine Zwischensaison darstelle, weil die Gäste dann oftmals andere Ziele ansteuerten und das Klima in der Weinregion manchmal als drückend empfinden. Ob das so bleibt und ob im nächsten Sommer erneut mit mehr Gästen in der Region zu rechnen ist, werde man sehen. „Ich denke aber, wir haben viele überzeugt, die zum ersten Mal in der Pfalz waren“, so der Tourismus-Leiter.
Stefan Thomas, Leiter der Tourist-Information Wachenheim, wagt noch keine Prognose, ob der Trend Urlaub in Deutschland nach der Pandemie anhält. Dass eine größere Nachfrage für längere Aufenthalte besteht, bestätigt aber auch er. „Vorher sind die Gäste eher freitags angereist und über das Wochenende geblieben, jetzt reisen sie teilweise schon mittwochs an“, erzählt er. Was drücke, sei die Tatsache, dass die Weinfeste nicht stattfinden. „Grade heute Morgen hatte ich zwei Anrufe von Leuten, die sich erkundigt haben, ob irgendwo Weinfeste stattfinden“, sagt er. Das Schöne sei jedoch, dass die Gäste trotz der abgesagten Feste kommen. Und auch Dörr bestätigt: „Obwohl die Weinfeste abgesagt wurden, hat das keine großen Auswirkungen auf die Übernachtungen gehabt. Es gab kaum Stornierungen.“
Fahrräder sind stark gefragt
Und was machen die vielen Urlaubsgäste, die übrigens laut Brill seit Jahren tendenziell jünger werden, während ihres Aufenthalts an der Weinstraße? Alle drei Tourismusbeauftragte berichten, dass die Themen Radfahren und Wandern großen Zuspruch erfahren. Insbesondere der Trend Radfahren habe in der Pandemie einen großen Sprung gemacht und die Corona-Zeit wie ein Beschleuniger gewirkt, wie Brill erzählt. Dörr: „Die Pedelecs, die wir an der Tourist-Information vermieten, sind fast durchgehend weg. Sogar die Tourenräder, die in den letzten Jahren weniger gefragt waren, sind nun groß nachgefragt.“