Bad Dürkheim Unsterbliche Schönheit

„Lieder von der Sehnsucht“ präsentierte das Duo KaraSol am Sonntagabend in der Ehemaligen Synagoge in Weisenheim am Berg und begeisterte mit einem Mosaik aus Weltmusik und Jazz voller Leichtigkeit und Temperament.
Das Stammpublikum kann sich darauf verlassen, dass die Konzerte des Förderkreises der Ehemaligen Synagoge immer wieder Überraschungen bieten. Das Duo KaraSol, Karolina Trybala (Gesang, Percussion) und Silvio Schneider (Gitarre), war zum ersten Mal zu Gast in Weisenheim am Berg und nahm das Publikum vom ersten Moment an für sich ein. Die in Polen geborene Sängerin Karolina Trybala setzte ihren Auftritt gekonnt in Szene: Beim Einzug begleitete sie ihr erstes Lied auf einer indischen Shruti-Box. Die fremdartigen tiefen Borduntöne erstaunten das Publikum genauso wie das effektvolle Percussion-Arrangement. Karolina Trybala ist ein Multitalent: Nach ihrer Ausbildung als Dolmetscherin studierte sie Musik und erhielt Unterricht in Gesang, Jazz und Percussion. In Silvio Schneider hat sie einen überragenden Duo-Partner gefunden, der seit 20 Jahren als Latin-Gitarrist international erfolgreich ist. Auch an diesem Abend zog er mit seinem filigranen Spiel die Zuhörer in den Bann. Das Duo hat sich mit dem Projekt „KaraSol“ ganz der Interpretation von Weltmusik und Jazz verschrieben. Der Wechsel zwischen musikalischen Stilen und Sprachen gelang ihnen mühelos. Bekannte Titel internationaler Komponisten arrangierten sie neu und gaben ihnen eine frische Klangfarbe. Bei einigen setzte die Sängerin ihre Stimme wie eine Trompete ein und improvisierte mühelos beim Scat, diesen rhythmisch und melodisch aneinandergereihten Silbenfolgen ohne Wortbedeutung. Auch ihre Version von „Bei mir biste scheen“, das 1932 für ein jiddisches Musical entstand, kam beim Publikum sehr gut an, nicht zuletzt, weil Karolina Trybala überraschenderweise die Pfalz in den Text einbaute. In der Romantik spielt die Sehnsucht auf Unerreichbares eine tragende Rolle, auch in den Liedtexten und der Musik des Konzerts waren diese Gefühle enthalten, wirkten aber nie übertrieben oder kitschig, sondern verbreiteten einfach einen unwiderstehlichen Zauber, der das Publikum träumen ließ. Entspannt und malerisch waren die Bossa-Nova-Klänge, leidenschaftlich und dramatisch das spanische „Aranjuez“ oder subtil jazzig „La belle dame sans regret“, im Original aus dem Sting-Album „Mercury falling“. Ganz klassisch wurde das Duo bei dem Sonett Nr. 4 von William Shakespeare, in dem ein junger Mann aufgefordert wird, einen Nachkommen zu zeugen, um so seine Schönheit weiterzugeben und damit unsterblich zu werden. Karolina Trybala verstand es meisterhaft, zwischen der Musik den Text wortgetreu in mittelalterlichem Englisch wiederzugeben. Ausdrucksstark in Gestik und Stimme trug sie auch die Liebeslyrik „Si dolce è’l tormento“ von Claudio Monteverdi vor, bei dem Silvio Schneider jeden Ton auf der Gitarre meisterhaft zelebrierte. Zum Schluss sangen beide gemeinsam „Amaramalaya“, ein Lied aus Südafrika, das die Sängerin auf einer großen Trommel begleitete. Auch für die beiden Zugaben, ein jiddisches und ein persisches Lied, erhielt das Duo KaraSol stürmischen Beifall.