Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Unseriöser Energieberater: Weitere Geschädigte und scharfe Kritik an Behörden

Ein Austausch alter Fenster kann energetisch sinnvoll sein. Auch hier kann ein – seriöser – Energieberater unterstützen.
Ein Austausch alter Fenster kann energetisch sinnvoll sein. Auch hier kann ein – seriöser – Energieberater unterstützen.

Der Energieberater aus dem Rhein-Pfalz-Kreis, der Beratungsleistungen in Rechnung gestellt, aber nie erbracht hat, hat noch mehr Menschen in der Region geschädigt

Den Stein ins Rollen gebracht hatte das Ehepaar Staudacher aus Bad Dürkheim. 325 Euro Honorar hatten sie einem offenbar unseriösen Energieberater 2021 als Vorschuss gezahlt. Die Energieberatung hat dieser aber trotz eines Besuchs bei dem Ehepaar bis heute nicht geleistet. Die Staudachers wendeten sich an die RHEINPFALZ, die Anfang Juli über den Fall berichtete. Energieberater spielen eine Schlüsselrolle bei der energetischen Sanierung von Gebäuden, weil die Zuschüsse, die über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) ausgezahlt werden, in der Regel nur von diesen beantragt werden können.

Dass sanierungswillige Hausbesitzer letztlich von der Seriosität des Energieberaters abhängig sind, musste auch ein 57-jähriger Wachenheimer erfahren, der sich nach dem RHEINPFALZ-Bericht im Juli meldete. „Mein Haus ist 20 Jahre alt, ich wollte wissen, was ich energetisch machen kann“, erzählt der Mann. Das war im Juni 2022. Von neun Energieberatern, die der Wachenheimer anschrieb, antworteten nur drei – unter ihnen der Experte aus dem Rhein-Pfalz-Kreis.

Mehr zum Thema

449900446
Kommentar

Machenschaften des Energieberaters schaden Wärmewende

Scharfe Kritik an Behörde

Der Berater präsentierte dem Wachenheimer sofort die Rechnung – wie bei den Staudachers auch 325 Euro. Bei einem Treffen vor Ort nahm der Mann Unterlagen mit. „Ich habe ihn sogar nach Hause gefahren“, berichtet der Wachenheimer. Doch danach meldete sich der Energieberater nicht mehr, mehrere Mails und Anrufe blieben unbeantwortet oder der Hausbesitzer wurde vertröstet. Der Wachenheimer setzte ein Ultimatum, das der Energieberater verstreichen ließ. Schließlich erstattete er Anzeige wegen Betrugs und Unterschlagung. Die Staatsanwaltschaft Frankenthal stellte jedoch das Betrugsverfahren ein, weil sie vorsätzliches Handeln für nicht nachweisbar hielt.

Der Energieberater hatte angesprochen auf den Fall Staudacher gegenüber der RHEINPFALZ gesagt, dass er aus privaten Gründen nicht dazu gekommen sei, Aufträge zu erledigen und die 325 Euro zurückzahlen werde. Darauf warten die Bad Dürkheimer Eheleute bis heute, und auch hier hat die Staatsanwaltschaft das Verfahren mittlerweile eingestellt. Die Begründung: Von einer Anklageerhebung sei abgesehen worden, weil eine Strafe wegen einer anderen Tat bereits verhängt oder zu erwarten sei und der Gegenstand der Anzeige der Staudachers demgegenüber nicht ins Gewicht falle. Welches weitere Verfahren gegen den Energieberater läuft, dazu machte die Staatsanwaltschaft auf Anfrage keine Angabe.

Der Hausbesitzer aus Wachenheim kämpft indes um sein Geld – und letztlich auch um seinen Glauben an das Rechtssystem. Er hat auf eigene Faust einen Vollstreckungsbescheid beim Amtsgericht Mayen erwirkt, eine Kontopfändung blieb aber bislang genauso ohne Erfolg wie eine Vollstreckung über eine Gerichtsvollzieherin. Das alles frustriert den 57-Jährigen. „Der Fall wird bagatellisiert, man wird von Pontius zu Pilatus geschickt und alles dauert ewig.“

Bei dem Wachenheimer geht es mittlerweile um etwa 400 Euro. Auf etwa 3000 Euro beziffert ein Bad Dürkheimer den Schaden, der ihm durch die „Zusammenarbeit“ mit dem Energieberater entstanden ist. Der 40-Jährige, der mit seiner Familie in einem Bad Dürkheimer Ortsteil lebt, hatte sich nach dem Bericht über die Staudachers ebenfalls an die RHEINPFALZ gewendet. Es sei gut, dass die „Machenschaften“ des Energieberaters öffentlich gemacht worden seien.

Seine Schilderungen decken sich mit denen der anderen Geschädigten: Der Energieberater mit Firmensitz im Rhein-Pfalz-Kreis habe einen netten Eindruck gemacht. Er sei zwei Tage vor dem vereinbarten Termin gekommen. Man sei übereingekommen, dass er einen Sanierungsfahrplan für das Haus des 40-Jährigen erstellt. Auch der Bad Dürkheimer bezahlte die 325 Euro. „Danach war er nicht mehr greifbar“, erzählt der 40-Jährige. Nach mehreren erfolglosen Versuchen, mit dem Mann in Kontakt zu kommen, rief eine Assistentin an, die einen Termin vereinbaren wollte. Doch auch das klappte nicht. Im Mai 2022 wendete sich der Bad Dürkheimer an einen seriösen Energieberater. Doch dieser hatte zunächst das Problem, keinen weiteren Sanierungsfahrplan beim Bafa einreichen zu können, da das Vorhaben durch seinen Berufskollegen und dessen Vorarbeiten „blockiert“ war. Vor allem aber hatte Russland im Februar 2022 die Ukraine überfallen, und die Rohstoffpreise waren explodiert. Das machte den Fenstertausch des Bad Dürkheimers um rund 2500 Euro teurer, als wenn das Projekt noch vor dem Krieg erledigt worden wäre.

Kontakte noch im Internet

Sowohl der Bad Dürkheimer als auch der Wachenheimer üben scharfe Kritik am Bafa, mit dem sie wegen des Energieberaters und ihrer geplanten Sanierungen Kontakt aufgenommen hatten, als sich der Energieberater nicht mehr meldete. „Dem Bafa war das völlig egal“, sagt etwa der 40-Jährige aus der Kurstadt. „Es hat sie nicht interessiert, dass ein schwarzes Schaf bei ihnen gelistet ist“, ergänzt der Wachenheimer.

Auch gegenüber der RHEINPFALZ gibt sich die Behörde zugeknöpft. Mit Hinweis auf den Datenschutz bleibt unter anderem die Frage unbeantwortet, ob der Energieberater auch von der Behörde schon Zuschüsse für nicht erbrachte Leistungen erhalten hat. Für die Zulassung von Energieberaterinnen und Energieberatern, die in den Bundesförderprogrammen für die Energieberatung für Wohn- und Nichtwohngebäude tätig werden wollen, ist seit dem 1. Juli 2023 die Deutsche Energie-Agentur (dena) zuständig. Will ein Energieberater in einem Förderprogramm aktiv werden, muss er laut dem Bafa auf der Energieeffizienz-Expertenliste eingetragen sein. Die dena hat den Mann zwischenzeitlich von der Liste genommen. Warum, dazu gibt es lediglich den Verweis auf das Regelheft der Expertenliste. Grundsätzlich gehe man begründeten Hinweisen über Fehlverhalten und Schlechtleistungen immer nach, betont ein Sprecher der Energieagentur.

Gibt man allerdings den Namen des Manns in eine Suchmaschine ein, gelangt man auch über eine Website des Bafa noch zu seinen Kontakten.

Sowohl die Staudachers als auch der 57-jährige Wachenheimer haben von ihren Sanierungsplänen mittlerweile Abstand genommen, nur der weitere Bad Dürkheimer Geschädigte hat sie umgesetzt – und dafür einen kräftigen Aufpreis bezahlt.

449900446
x