Bad Dürkheim Umzug ist noch nicht „glasklar“
„Wann der Betrieb umzieht, ist noch nicht glasklar“, witzelt Stefan Fey in einem Wortspiel über die Umzugspläne: „Mit einem Fuß bleibe ich ohnehin in Wachenheim.“ Der Wechsel nach Offenbach sei eine reine Platzfrage, sagt Fey. „In Offenbach habe ich insgesamt rund 15.000 Quadratmeter Fläche samt Halle mit etwa 3000 Quadratmetern: In Wachenheim sind es insgesamt nur rund 2000.“ Eigentlich war der Umzug schon für Juli geplant, nun habe er umdisponiert, eine Maschine läuft in Wachenheim donnerstags und freitags weiter, es gebe keine Betriebsferien. Und ob im Dezember wirklich der Spülbetrieb eingestellt wird, darauf will sich der Geschäftsmann nicht festlegen. Das Büro jedoch ist schon seit zwei Jahren in Offenbach. Der Hauptbetrieb liegt in die Südpfalz. Seit der Firmenübernahme am 1. Januar 2017 lief die Produktion an beiden Standorten parallel. „Wir sind der größte privat geführte Spülbetrieb“ In Wachenheim werden noch etwa 30.000 Flaschen täglich gespült, in Offenbach sind es schon gut 70.000, also über 100.000 am Tag, sagt Fey. „Wir sind der größte privat geführte Spülbetrieb in Deutschland.“ Ganz verabschieden von Wachenheim werde er sich ohnehin nicht: Einen Teil seines dann frei werdenden Areals werde er künftig wohl vermieten. Da gebe es Interessenten, wie etwa Winzerbetriebe aus der Region, die dort ihr Leergut lagern könnten. „Ich habe auf jeden Fall keinen Druck, ich bin ja Eigentümer der Halle“, so der Wachenheimer. Und in Offenbach habe er durch die große Fläche noch Wachstumspotenzial. Vor 26 Jahren hat Firmenchef Fey die Glasklar Kurpfalz GmbH gegründet, die Anfang 2017 die Genossenschaft Südpfalz Leergut aus Offenbach übernommen hat – über Jahrzehnte eine Hausnummer als Spülbetrieb für Weinflaschen in der Region. Die Offenbacher waren damals auf ihn zugekommen. „Ich dachte, das ist eine große Nummer“, erinnert sich Fey, dessen Wachenheimer Unternehmen sich auf Winzerbetriebe und kleine Genossenschaften spezialisiert hatte. „Es war unser Plus, dass wir uns nicht von den Großen abhängig gemacht haben.“ Die vergangenen zweieinhalb Jahre seien steinig gewesen, gibt der Firmenchef zu. Aber nun sei das Unternehmen auf einem guten Weg. „Wir haben aus einem maroden Betrieb ein hochmodernes Flaschenspülunternehmen gemacht.“ Rund 1,07 Millionen Euro stecken in einem neuen Blockheizkraftwerk, dessen Abwärme die Waschanlage erhitzt. Damit spare er jährlich rund 120.000 Tonnen CO2 ein, rechnet er vor. Fey hat auch in eine Wasseraufbereitungsanlage investiert, dank der 70 Prozent des Abwassers wiederverwendet werden können, außerdem in zwei neue Manschettenschneidemaschinen, Reparatur- und Umbauarbeiten sowie den Umzug nach Offenbach. Knapp 30 Leute stemmen die Arbeit. Fey sieht im Mehrwegsystem eine Wachstumsbranche. Im vergangenen Jahr habe es Flaschen-Engpässe gegeben: „Bis zu vier Wochen mussten Winzer auf Nachschub warten. Und das Problem wird es dieses Jahr wohl wieder geben“, mutmaßt Fey. Glasverpackungen seien gefragt. Früher habe eine neue Flasche 15 bis 16 Cent gekostet, heute 20 Cent. Eine gesäuberte komme inklusive Transport auf 13 bis 14 Cent. Auch bei Großbetrieben gebe es ein Umdenken zurück zum Flaschensammeln. Der allgemeine Nachhaltigkeitstrend spiele dabei auch eine Rolle. „Mehrweg ist Klimaschutz“, sagt Fey und rechnet vor, dass eine neue Flasche etwa 500 Gramm CO2 verbrauche, eine gespülte weniger als zehn Prozent davon. Bis zu zehn Durchläufe schaffe eine Weinflasche. Firmenwachstum bedeutet auch mehr Personal Glasklar hat zwei eigene Lkw und arbeitet außerdem mit Speditionen zusammen. Die holen die gebrauchten Flaschen bei Winzerbetrieben und den Zentrallagern von Kaufland und Rewe ab und bringen sie nach Offenbach, wo die Flaschen eine Sortier- und Säuberungsanlage durchlaufen. Nach etwa einer Stunde sind die Flaschen wieder blitzblank und geordnet auf Paletten oder in Kästen aufgereiht. Verschiedene Größen, Verschlüsse und Farben – 25 Sorten laufen übers Band. 600 Kunden bedient Fey mit den gespülten Flaschen, Glasklar liefert bis nach Stuttgart und Freiburg. Mit dem Umzug nach Offenbach erwartet Fey ein Umsatzwachstum von 1,65 Millionen Euro im vergangenen Jahr auf 1,86 Millionen Euro im kommenden Jahr (2021: 2,12 Millionen Euro, 2022: 2,37 Millionen Euro). Das bedeutet auch mehr Personal Glasklar suche zum Beispiel Staplerfahrer, Maschinenführer und Flaschenaufsteller. Wenn es gut läuft, strebt Fey Erweiterungen auf dem Firmengelände an. „Für 2020 plant die EU ein einheitliches Pfandsystem. Das wäre ein Sechser im Lotto“, blickt er zuversichtlich in die Zukunft.