Fußball RHEINPFALZ Plus Artikel TuS Wachenheim nach starkem Endspurt Aufstiegsaspirant

Erfolgreichster Torschütze der Wachenheimer: Alexander Haferstroh (links), hier noch im Trikot des FV Freinsheim.
Erfolgreichster Torschütze der Wachenheimer: Alexander Haferstroh (links), hier noch im Trikot des FV Freinsheim.

Der Neustart unter dem neuen Trainer Andreas Schröck führte den TuS Wachenheim in die Spitzengruppe der B-Klasse Rhein-Mittelhaardt West. Dass es so gut läuft, hängt mit dem Netzwerk des Coaches zusammen. Im Mai könnte sich für den TuS ein Traum erfüllen.

Andreas Schröck, der 44-jährige Trainer des TuS Wachenheim, ist ein großer Fan des VfL Bochum. Wann immer es geht, sitzt er bei Bundesligaspielen im stimmungsvollen Ruhrstadion auf der Tribüne. Viel Freude hatte Schröck in dieser Saison noch nicht, denn erst am letzten Spieltag vor der Winterpause gelang dem VfL der erste Saisonsieg. Da geht es ihm ähnlich wie seinem Vorgänger als TuS-Coach, dem 56 Jahre alten Michael Acker, der inzwischen Spielleiter und Organisator des TuS und zudem glühender Anhänger des Hamburger SV ist. Der HSV versucht es nach sechs vergeblichen Anläufen erneut in die Bundesliga zurückzukehren. Ausgang offen und schwere Zeiten für das Duo.

Da passt es gut, dass sich die eng befreundeten Schröck und Acker wenigstens über die gute Performance der neu zusammengestellten Wachenheimer Mannschaft freuen können. „Trotz einer guten Vorbereitung, in der wir in den Testspielen unbesiegt geblieben sind, war zu erwarten, dass es in der Liga nicht auf Knopfdruck sofort funktionieren würde“, sagt Schröck. Und so kam es auch. Nach sechs Begegnungen hatte der TuS nur sieben von 18 möglichen Zählern eingefahren und war Tabellenelfter. Vielleicht haben auch die Siege im Kreispokal gegen SV Altdorf-Böbingen und FC Lustadt - beide sind eine Liga höher angesiedelt -¬¬ bewirkt, dass die Akteure ihr anfängliches Leistungsvermögen falsch eingeschätzt haben.

„Wir hatten gefühlt zu Beginn nur englische Wochen, waren aber noch nicht auf einem guten Fitnesslevel. Außerdem war der Kader ziemlich dünn“, nennt der Übungsleiter Gründe für den holprigen Start. Jedenfalls gab es bis Mitte September Niederlagen gegen Rot-Weiss Seebach II (1:3), gegen TuS St. Martin (0:2) und beim SV Gommersheim (0:2). Den Anstoß für die Trendwende gab Acker, als er dem Kumpel nach der Niederlage in Gommersheim einen Hinweis gab: „Vielleicht überforderst du die Jungs.“ Perfektionist Schröck, der ungern etwas dem Zufall überlässt, nahm sich den Rat zu Herzen.

Ein paar Tage später gastierte Wachenheim bei der TSG Deidesheim II. „Ich bin die Kabine gegangen und habe dem Team nur die Aufstellung mitgeteilt“, erinnert sich Schröck, der auf die sonst üblichen Anweisungen verzichtete. Der TuS gewann 2:1, aber nicht das Ergebnis war entscheidend, sondern die Darbietung. „Das war ein überragendes Spiel. Wir sind so aufgetreten, wie wir trainiert haben. Das war genauso wie wir es wollten“, freut sich der Coach. Die Leistungen wurden zunehmend und kontinuierlich besser, mit den Erfolgen kehrten Leichtigkeit und Dominanz zurück.

„Die Entwicklung des Teams wurde sichtbar. Wir hatten mehr Zugriff und es begann allen viel Spaß zu machen“, verdeutlicht Schröck. Die Mannschaft hatte sich gefunden, nicht nur auf dem Platz, sondern auch außerhalb, was ein Kabinenfest belegt, das nach Auskunft des Trainers „bis in die frühen Morgenstunden“ gedauert habe. Von den letzten zehn Partien vor der Winterpause gewann der TuS neun, nur gegen den ASV Esthal gab es eine 1:4-Heimpleite. Ein Ausrutscher. Höhepunkt dieser Phase war die Partie beim TuS Diedesfeld, wo Wachenheim einen 0:2-Rückstand mit großer Moral in einen 3:2-Sieg verwandelte.

Ein Schlüsselspieler ist Mittelfeldlenker Alexander Haferstroh, der mit 15 Toren der erfolgreichste Torschütze des TuS und Zweiter in der Torjägerliste der Liga ist. „Alex ist in der Zentrale unser Dreh- und Angelpunkt. Er ist immer anspielbar und ein großartiger Ballverteiler. Außerdem kommt er als Achter, der sich auch mal tief die Bälle holt, häufig in gute Schussposition“, beschreibt Schröck den Standardspezialisten. Er machte Haferstroh, der in wenigen Wochen 44 Jahre alt wird, zum Kapitän. Auch seinen allerdings oft verletzten Co-Trainer Thomas Nebel, die Brüder Mustafa und Oguzhan Odak und der robuste, abschlussstarke Luca Mock, der im 4-3-3-System in der Spitze agiert, kennt Schröck schon viele Jahre.

Dem Coach ist es aber auch gelungen talentierte Eigengewächse wie zum Beispiel den konstanten Innenverteidiger Maurice Joel oder den willensstarken und wissbegierigen Rechtsverteidiger Marvin Bappert zu integrieren. Auch Yannick Dalforno und Joshua Trewhitt kommen aus dem Wachenheimer Talentschuppen. „Die Mischung stimmt“, betont Schröck. Und so zählt der TuS, der punktgleich mit Spitzenreiter 1. FC 08 Haßloch II Tabellenzweiter ist, zu den Aufstiegsaspiranten. Da aber SV Gommersheim, TuS Diedesfeld, SG Mußbach und ASV Esthal in Schlagdistanz sind, steht dem TuS eine heiße und spannende Rückrunde bevor. Auch hier: Ausgang offen.

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