Bad Dürkheim TuS: Erfolgstaktik oder Eigentor?
Für Irritationen sorgten Wurfzettel in Wachenheimer Briefkästen. Eine Werbefirma werde in Kooperation mit dem TuS 1883 eine Aktion zugunsten der Sportjugend durchführen, hieß es da. Dabei sollen Zeitschriftenabos verkauft werden, für deren Abschluss der Verein Sachprämien erhalte. Währen die Haustüraktion inzwischen angelaufen ist, machen sich bei Vereinsvertretern und Bürgern gemischte Gefühle breit. Das Unternehmen selbst betont, dass alles korrekt ablaufe.
Die Aufmachung des Flyers wirkt tatsächlich nicht gerade professionell. Eine „Werbefirma“ führe in den nächsten Wochen an den Haustüren eine Aktion durch, bei der Zeitschriften und Magazine, „die Sie sowieso kaufen“, zum Abonnement angeboten würden. Als Gegenwert bekämen die Vereine nach einem Punktesystem Sachprämien in Form von Bällen oder Trikots. Name, Logo oder weitere Informationen zu besagter Werbefirma sucht man allerdings vergebens. Stattdessen die Versicherung, der Verein habe sich „von der Redlichkeit der Aktion überzeugt“. Immerhin: Unterschrift und Stempel stammen offenbar vom TuS Wachenheim. Sollte hier etwa der Vereinsname von einer „Drückerkolonne“ missbraucht werden, hatte sich ein RHEINPFALZ- Leser bei einem Anruf in der Redaktion besorgt erkundigt. Die Nachfrage beim TuS-Vorsitzenden Helmut Ott bringt Licht ins Dunkel: Die Aktion sei tatsächlich mit dem TuS abgeklärt, bestätigt er. Wirklich glücklich ist aber auch er damit nicht: „Ich persönlich bin hin- und hergerissen.“ Vereinsintern seien die Meinungen ebenfalls gespalten. Was offenbar auch auf einen Teil der Bürgerschaft zutrifft: Mehrere Wachenheimer haben laut Ott dem TuS gegenüber bereits Kritik an der Aktion geäußert. Mit dem Prinzip, Zeitschriftenabos zugunsten von Amateurvereinen zu verkaufen, hätte Ott grundsätzlich kein Problem. „Irgendetwas muss man ja machen“, meint er freimütig. Konkret stören ihn jedoch mehrere Aspekte. So habe man nach Zustimmung zu der Kooperation keine Zeit bekommen, die Aktion im Amtsblatt anzukündigen, um eventuellen Irritationen vorzubeugen. Zudem sei im Telefonat mit der Firma nur von Sportzeitschriften die Rede gewesen, was für ihn durchaus Sinn gemacht habe. Die Werber an der Tür vertreiben vom Magazin bis zum Klatschblatt allerdings fast alle gängigen Titel. Und was Ott am meisten wurmt: Einzelne Mitarbeiter des Unternehmens hätten sich an der Haustür aufdringlich gezeigt und sich dabei auch noch als Vertreter des TuS ausgegeben. Das hätten ihm zumindest einzelne Bürger mitgeteilt. Trotz des Einverständnisses will Ott den Verein aber nicht als Auftraggeber, sondern schlicht als Begünstigten verstanden wissen. Mit seinen Zweifeln ist Ott nicht allein. Laut einem Bericht des „Trierischen Volksfreund“ brach beispielsweise der SV Udelfangen (Landkreis Trier-Saarburg) eine solche Aktion mit derselben Firma nach Beschwerden aus der Bevölkerung ab. Auch in Nordrhein-Westfalen führten vereinsinterne Unstimmigkeiten und Missverständnisse über den Inhalt und die Form der Kooperation zum Rückzug einzelner Vereine. Ein Abbruch der Aktion kommt für Helmut Ott zwar nicht in Frage, er räumt jedoch ein: „Die Art und Weise, wie das gelaufen ist, war sicher nicht im Sinne des TuS. Wir hätten uns das insgesamt etwas professioneller gewünscht.“ Hinter der Aktion steht die „Sportwerbung Michael Marx Unternehmergesellschaft (UG)“ mit Sitz in Wassenberg (nahe Aachen). Deren Geschäftszweck wird im Handelsregister mit dem An- und Verkauf von Abo-Verträgen angegeben. Unter dem gleichen Dach ist auch der gemeinnützige Verein „Sportjugend-Förderung e.V.“ eingetragen, als dessen Vorstand ebenfalls Michael Marx fungiert. Dieser betont gegenüber der RHEINPFALZ: „Was wir machen, ist absolut korrekt und seriös. Die Kinder und Jugendlichen bekommen immer ihre gewünschten Prämien.“ Daran gibt es zunächst keinen berechtigten Grund zu zweifeln, wie unsere Nachfragen bei anderen Vereinen ergaben, etwa beim TV Gönnheim. Dirk Markmann, Organisationsleiter des Unternehmens und verantwortlich für die Aktion in Wachenheim, kann die Beschwerden kaum nachvollziehen: „Klar gibt es immer mal wieder unglückliche Situationen. Aber dass unsere Leute den sprichwörtlichen Fuß in die Tür stellen oder sich nicht korrekt vorstellen würden, kann ich wirklich ausschließen.“ Klar, es handele sich um ein Verkaufsgeschäft, von einer „Drückerkolonne“ seien er und seine Angestellten aber meilenweit entfernt, betont Markmann. Dass bei derartigen Konzepten hauptsächlich der Ton die Musik macht, bestätigt Christian Gollner von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. „Verboten ist diese Form der Spendenakquise zumindest nicht“, sagt er. Es sei jedoch immer zu hinterfragen, wie viel der Abo-Einnahmen tatsächlich an die Vereine flösse. Marx kann dazu keine verbindlichen Aussagen treffen. Die Quote hänge immer auch vom Gesamterlös der jeweiligen Aktion ab. 20 bis 30 Prozent seien es aber in der Regel schon, so der Unternehmer. Holger Schön hat als damaliges Vorstandsmitglied des TV Gönnheim bereits eine Werbeaktion mit Marx’ „Sportwerbung“ durchgeführt. „Den Trikotsatz haben wir damals wie gewünscht erhalten“, bestätigt er. In seiner heutigen Funktion als Sportkreisjugendwart sieht er die Sache eher mit gemischten Gefühlen: „Das kann man schon machen. Die Verantwortlichen sollten sich aber im Klaren darüber sein, dass viele Leute ihre Vereine eigentlich lieber auf eine persönlichere Art unterstützen möchten. Die Gefahr, dass da ein negativer Schatten auf den Verein fällt, ist immer gegeben.“ Denn selbst, wenn es sich im Grunde vielleicht nur um ein Missverständnis an der Tür gehandelt habe, falle dies aus Sicht der Bürger oft direkt auf den Verein zurück, so Schön.