Wachenheim
Trio „sixty1strings“ in der Ludwigskapelle
Die Mandolinenklänge dominieren das Spiel, perlend wie kleine Wasserfälle, schwellen an und ebben ab, während die Harfe ihre zarten Töne wie Tautropfen ins Spiel webt, alles ummantelt von den warm wogenden Akkorden der Gitarre. Kompositionen aus vier Jahrhunderten haben die drei renommierten Musikerinnen von „sixty1strings“ (61 Saiten) in ihrem Repertoire. Benannt nach der Anzahl der Saiten ihrer Instrumente und gegründet im Jahr 2013 sorgen sie als Trio nicht nur durch die Instrumentenwahl für einen außergewöhnlichen, musikalischen Auftritt.
Sie begeistern auch durch die Bearbeitungen unterschiedlichster Kompositionen sowohl bekannter, klassischer Komponisten, insbesondere des Barock, als auch zeitgenössischer oder unbekannterer Meister, Filmmusik des 20. Jahrhunderts inklusive. Kraftvoll melodisch spielt das Trio auf, trommelt taktbetonend immer wieder rhythmisch auf die Corpi von Mandoline und Harfe und lässt so beispielsweise die „Verrückten von Spanien“ ausgelassen „singen und tanzen“. In Anlehnung an die Folia, eine Art alte Kompositionsvorlage, die im Laufe der Jahrhunderte variiert wurde, hat Marin Marais die Harmonien im 17. Jahrhundert eigentlich auf der Viola da Gamba zu Gehör gebracht.
Ungewöhnliche Besetzung
„Lange rumgewerkelt“ habe man bei so mancher Komposition, erklärt Habibi denn auch schmunzelnd, die das Programm moderiert. Schließlich hätten nur wenig Komponisten ihre Original-Kompositionen für die ungewöhnliche Besetzung Gitarre, Harfe und Mandoline vorgesehen.
Mit weiteren Darbietungen, wie einer mitreißend freudigen Aria sopra la Bergamasca vom italienischen Komponisten Marco Uccellini, oder einer stimmungsvollen, musikalischen Venedig-Fahrt Sonata a mandolino e basso des Komponisten Carlo Arrigoni überraschen sie die Gäste.
Nicht fehlen dürfen zwei der beliebtesten Barockkomponisten Italiens, Antonio Vivaldi (Concerto für Mandoline C-Dur) und Domenico Scarlatti mit drei Sätzen aus der Sonata in d-moll, die Präzision, Virtualität und Einfühlungsvermögen der Musikerinnen erfordern und verdeutlichen. Authentisch für die Zeit des Barocks spielen die Künstlerinnen bis zur Pause auf nicht ganz 61 Saiten, da sie hier die Barockvarianten ihrer Instrumente einsetzen. „Musik des goldenen Zeitalters“ bedeute die Barockzeit für ihre Instrumente, deren Auftritt in dieser Epoche eine Blütezeit erlebt hätte, stellt Habibi fest.
Ausdrucksvoller Vortrag
„Music oft the Golden Age“ ist so auch zum Titel einer der Tonträger des Trios geworden. Mit zwei Soli, sowohl auf Gitarre, als auch auf Barockgitarre, zeigt Habibi, welche Dynamik in ihrem Instrument jenseits seiner begleitenden Funktionen stecken kann. In „Eine arabische Laune“ ist der Spanier Francisco Tárrega als Vertreter der modernen, spanischen Gitarrenmusik bei seinem Nordafrikabesuch geraten. Sein „Capricho àrabe“, wie auch die „Chaconne“ des Francois Le Cocq, offenbaren Habibs Liebe zum Instrument, ihre Fähigkeit zum lebendigen, ausdrucksvollen Vortrag.
Doch auch im Gemeinschaftsspiel bleibt immer wieder Raum für solistische Takte, die der Harfe und der Mandoline als „Instrument des Jahres“ Wirkung verschaffen. Die Musikerinnen überzeugen mit ihrer Professionalität in ambitioniertem Zusammenspiel. Sie sind begehrte Orchesterpartnerinnen im In- und Ausland, seit Jahren in unterschiedlichen Ensembles erfolgreich und mehrfach ausgezeichnet. Solovey und Kuß kommen aus musikalischen Familien.
Große Spielfreude
Kein Problem sind so Zeitensprung und der Wechsel der Instrumente. „Hable con ella“ von Alberto Iglesias lässt die Dramatik der Filmgeschichte des Regisseurs Pedro Almodóvar aus dem 21. Jahrhundert erahnen. Nicht nur hier erzählen Mandoline, Harfe und Gitarre eine Geschichte, „schildern“ in spielerischen Facetten zwischenmenschliche Dramen von melancholischer Traurigkeit in getragener Rhythmik. Heiter schwingen dagegen die Tänze von Hirte und Gaucho in den argentinischen Tänzen des in Buenos Aires geborenen Alberto Ginastera. Einmal mehr wird es hier temperamentvoll, obwohl doch die Gäste erst kurz zuvor im „Aquarium“ gedanklich mit den Fischen von Camille Saint-Saens in stiller Eleganz dahingeglitten sind.
Langer Applaus belohnt das außergewöhnliche Konzert. Mit einer Zugabe gewährt das Trio noch einmal einen Rückblick auf seine große Spielfreude, verbunden mit beeindruckend fesselndem Können.