Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Traditionslokal: Warum die Waffenschmiede nach 54 Jahren schließt

Hilde und Wolfgang Zaun in ihrer Waffenschmiede.
Hilde und Wolfgang Zaun in ihrer Waffenschmiede.

Die Waffenschmiede in Bad Dürkheim öffnet am Sonntag zum letzten Mal. Die Wirtsleute Hilde und Wolfgang Zaun haben besonders gerne Hausmannskost aufgetischt.

Wenn am Sonntagabend der letzte Gast die Waffenschmiede verlässt, dann endet ein Stück Bad Dürkheimer Gastronomie-Geschichte: Nach 54 Jahren schließen Hilde und Wolfgang Zaun ihr Restaurant in der Kurbrunnenstraße. An seinen ersten Arbeitstag in der Gaststätte könne er sich gar nicht mehr erinnern, bekennt Wolfgang Zaun. Im Haus nebenan hatten seine Eltern einen Weinbaubetrieb mit Straußwirtschaft, Zaun erweiterte den Betrieb um die Waffenschmiede. Im Keller eröffnete die vermutlich erste Diskothek der Pfalz – das „Prestige“. In den 1980er-Jahren betrieben die Zauns sogar einen der Nachfolgebetriebe der Diskothek selbst.

Doch ihr Herz gehörte immer der Gastronomie. Dabei wollten beide ursprünglich einen anderen Weg einschlagen: Wolfgang Zaun hatte eine Ausbildung bei der BASF gemacht, seine Frau Hilde arbeitete zunächst als Hauswirtschafterin bei einer Neustadter Familie und wollte dann eigentlich Krankenschwester im Bad Dürkheimer Krankenhaus werden. „Aber es kam anders“, sagt Hilde Zaun.

Heute würde man die beiden als Quereinsteiger in die Gastronomie bezeichnen. In all den Jahren folgten sie einem einfachen Credo: „Was wir nicht essen wollen, das bieten wir unseren Gästen auch nicht an“, sagt Wolfgang Zaun. Beide standen sowohl in der Küche als auch hinter der Theke. „Wir haben vieles selbst gemacht, zum Beispiel die Leberknödel“, erzählt Wolfgang Zaun. Er könne, falls es nötig sei, sogar noch eine Wutz schlachten, ergänzt Zaun mit einem Lächeln. Zu den Spezialitäten des Hauses zählt seine Frau Hilde auch Bratwurst, Rumpsteak, Sauerbraten oder Gulasch. „Hausmannskost eben“, erklärt die 72-Jährige.

Besonders stolz sind die beiden auf ihre Salatsaucen, die sie nach einem besonderen Familienrezept zubereitet haben. „Das wird aber nicht verraten“, sagt Hilde Zaun. Nur so viel: „Wir verwenden nur besten Essig und beste Öle.“

Bis 2014 öffnete das Ehepaar immer über den Wurstmarkt den Hof, die Familie half mit. Noch heute würden Gäste nach den Herzdriggerte fragen, die es nur dort gab. Das sind gefüllte Kartoffelknödel in Specksauce. „Dafür waren wir bekannt“, sagt Hilde Zaun. Überhaupt: der Wurstmarkt. Zu ihm hatten die Zauns eine besondere Beziehung. Die Waffenschmiede war bei Schaustellern beliebt, die dort bis in die frühen Morgenstunden saßen. Wenn es zu bunt wurde, sagt Hilde Zaun, habe es schon einmal eine Ansage gegeben: „Aber wir hatten immer ein gutes Verhältnis zu unseren Gästen.“

Seit die Nachricht die Runde machte, dass sie aufhören, habe es viele, auch emotionale Reaktionen ihrer Stammgäste gegeben. „Manche sind früher mit ihren Großeltern gekommen und kommen jetzt mit ihren Enkeln“, verdeutlicht Hilde Zaun. Die allermeisten hätten ihren Schritt in den Ruhestand verstanden. Ihre fünf Mitarbeiter hätten zum Teil bereits andere Stellen gefunden. „Sie sind sehr treu und zuverlässig gewesen“, lobt Hilde Zaun.

Das Ehepaar möchte zunächst etwas Abstand gewinnen und dann das Anwesen in der Kurbrunnenstraße verkaufen. Welche Pläne haben die beiden? „Das lassen wir auf uns zukommen“, erklärt Hilde Zaun. Aber am Wochenende wollen die beiden noch einmal mit ganzem Herzen für die Gäste da sein: „Wie immer in den letzten 54 Jahren“, sagen die Zauns.

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