Bad Dürkheim
Trachtengruppe Ungstein feiert mit vielen Gästen 90. Geburtstag
Bad Dürkheim. Ganz klar: Bei so einem runden Geburtstag war die Liste der Gratulanten lang. Und nicht nur das. Zu Ehren des Jubiläums ist in der Ungsteiner Winzergenossenschaft eigens ein Wein mit entsprechendem Etikett kreiert worden. Dieser wurde den Gästen als Präsent überreicht. Tanzleiter Lukas Bauer, Gerd Freiermuth und Ruwen Krauß führten durch den bunten Abend, der viele Programmpunkte bot.
Die Trachtengruppe Ungstein wurde am 19. Oktober 1935 gegründet. Anlass war damals die Einweihung der Deutschen Weinstraße. Alle sollten vor 90 Jahren mitmachen dürfen. Man besorgte reichlich Stoff für die Kleider, schneidern musste man sie allerdings selbst. Das war somit die Geburtsstunde der Ungsteiner Trachtengruppe.
Tracht als „roter Faden“
Man blicke voller Stolz auf 90 Jahre Brauchtumspflege, Volkstanz und Gemeinschaft in der Trachtengruppe, sagte Vorstand Lukas Bauer bei der Begrüßung. 49 Mädchen in rot-weiß karierter Tracht hatten 1935 ihren ersten Auftritt. Diese Tracht ziehe sich wie ein „roter Faden“ durch die ganze Geschichte. Jede Trachtengruppe habe ihre eigene Prägung, ihr Ziel sei dagegen immer das Gleiche: Das kulturelle Erbe einer Region zu pflegen und weiterzugeben. Im Jahr 2025, zum 90. Geburtstag, stehe die Trachtengruppe verglichen mit der Vergangenheit vor ganz anderen Herausforderungen.
Eugen Schumann, der über drei Jahrzehnte Herz und Stimme der Trachtengruppe war, habe sie gestärkt, weiter entwickelt und in die Zukunft getragen, blickte man zurück. Dabei sei die Pflege des Brauchtums kein Relikt aus früheren Zeiten: Sie verbinde, mache Freude und biete Anlass zusammen zu feiern. Der Vorstand bedankte sich bei den vielen Helfern, die diesen Abend mit ihrem Engagement überhaupt erst möglich gemacht hätten. „Wir sind ein gutes, dynamisches Team und außerdem ziemlich jung“, warb Bauer für den Verein.
Ein Hoch aufs Brauchtum
Im Namen der Stadt gratulierte Bürgermeisterin Natalie Bauernschmitt (CDU). Sie erinnerte an die Wurstmarktumzüge und die 1225-Jahr-Feier der Stadt mit Beteiligung der Trachtengruppe. Das 90 Jahre lang im Verein gelebte Engagement fand die Bürgermeisterin toll. „Lassen sie uns das Brauchtum heute Abend hochleben und gemeinsam feiern“, meinte sie. Jede Gemeinde, die eine solche Gruppe wie die Ungsteiner hätten, könne sich glücklich schätzen, betonte der Vorsitzende des Verbands für Heimat- und Brauchtumspflege Rheinland-Pfalz, Werner Dietrich. Man werde in der heutigen Gesellschaft leider nicht mehr so geschätzt wie früher, bedauerte er. Man müsse Heimat wieder aussprechen dürfen, ohne anzuecken, forderte er und wünschte „gute Vereinsarbeit für die Zukunft.“
Landtagsabgeordneter Markus Wolf (CDU), ein geborener Ungsteiner, konnte sich an viele Auftritte der Trachtengruppe in seiner Kindheit erinnern, die den Ort über die Region hinaus bekannt gemacht hätten. Für seinen Bruder, den Ungsteiner Ortsvorsteher Andreas Wolf (CDU), ist die Trachtengruppe „ein Stück Heimat“.
Knallende Peitschen
Wie verschieden tatsächlich Traditionen sein können, demonstrierten neben den Gastgebern der Heimat und Volkstrachtenverein „D’Lechauer“ aus Königsbrunn mit beeindruckenden Steinadlerfedern am Hut, die Männer in Lederhosen und die Damen im prächtigen Dirndl, die Trachtengruppe Mußbach und vor allem die Winster Morris Dancers, die sich schon vom Outfit her stark von ihren Kollegen aus Deutschland unterschieden. Wie so Vieles in England hat auch der Morris eine lange Tradition. Man weiß, dass der Morris-Tanz um 1700 fester Bestandteil des englischen Lebens geworden war, berichtete der Vorsitzende Richard Powley.
Den knallenden Schlusspunkt setzten im wahrsten Sinne des Wortes die Bayern mit ihren vier Peitschen-Schnalzlern. Die Trachtenkapelle Königsbrunn sorgte für die passende Musik.