Bad Dürkheim
SWR3-Comedy-Festival: Schlusspunkt einer Erfolgsgeschichte
Begonnen hatte alles im Jahr 2016, als der Radiosender SWR3 das Comedy-Festival in die Kurstadt holte – der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Mehr als 100 Liveshows erlebten Zuschauer in Bad Dürkheim seither. Auch bei der nunmehr achten und letzten Auflage durfte sich das Publikum über bekannte Comedians wie Bernhard Hoëcker, Lisa Feller, Anne Vogd, Mundstuhl, Sebastian Lehmann, Abdelkarim und Andreas Müller freuen. Trotzdem: Seit Sonntagabend ist das Festival Geschichte. Der Sender muss nach eigenen Angaben in vielen Bereichen den Rotstift ansetzen und Kosten reduzieren.
Für die gebürtige Rheinländerin Anne Vogd, die seit 1996 in Deidesheim wohnt, war das Comedy-Festival 2016 der Start in ein neues (Berufs-)Leben. Damals gewann sie mit 51 Jahren – „ja, ich bin erst relativ spät Comedian geworden“ – den vom Sender ausgelobten Comedy-Förderpreis. Zuvor war Vogd 25 Jahre als Betriebswirtin in der Modeindustrie beschäftigt. „Ich bin zwar eine Spätberufene, aber als Rheinländerin trage ich die Fröhlichkeit von Geburt an in mir“, sagt Vogd lachend. Sie sei schon immer im Karneval aktiv gewesen, wurde vor etwa zehn Jahren in Bensheim in Hessen für die Comedy entdeckt und habe sich beim SWR für den Nachwuchswettbewerb 2016 beworben.
Seitdem verdient die Rheinländerin mit der Comedy ihren Lebensunterhalt, hat bereits zwei Bücher veröffentlicht und schreibt für verschiedene Zeitschriften Kolumnen. Die RHEINPFALZ-Leser kennen ihre Beiträge unter der Überschrift „Annes Welt“. Beim SWR ist sie wöchentlich mit Beiträgen der Reihe „Die Welt ist weiblich – volle Kanne Anne“ zu hören. „Es ist superschade, dass jetzt hier in Bad Dürkheim alles vorbei ist. Immer wenn ich nach Bad Dürkheim komme, über den Schlossplatz laufe, denke ich, dass hier für mich alles angefangen hat“, sagt Vogd, die sich selbst als „Pfälzerin mit rheinischem Migrationshintergrund“ bezeichnet, mit trauriger Stimme. Der letzte Auftritt am Sonntag sollte dann noch einmal zu einem echten Heimspiel werden, verbunden mit einer gehörigen Portion Wehmut.
Brill sieht Zukunft für Kleinkunst und Kabarett
Der Dürkheimer Fachbereichsleiter für Kultur und Tourismus, Marcus Brill, blickt auf eine sehr gute Zusammenarbeit mit dem SWR zurück. „Wir haben da eine tolle Entwicklung genommen, und Dürkheim hat gezeigt, dass es das Potenzial hat, Kabarett und Kleinkunst auf die Bühne zu bringen, um als Kurstadt auch ein modernes Gesicht zu zeigen“, erklärt Brill. Er finde es „unendlich schade“, dass das Festival, das über Radio und Fernsehen auch Bad Dürkheim bekannt gemacht hat, nun nicht mehr stattfinden wird. Trotzdem blickt Brill nach vorn: Er könne sich vorstellen, in der Brunnenhalle voraussichtlich im übernächsten Jahr wieder regelmäßige und dauerhafte Veranstaltungen im Bereich Kleinkunst und Kabarett anzubieten. Auch der Kurpark Ost würde sich sehr gut als Event-Location eignen.
Andreas Müller, der als Comedy-Chef des SWR3 am Wochenende selbst einen Auftritt auf der Open-Air-Bühne hatte und dort die Leute unter anderem mit den „Tierdocs“ oder Parodien des Gesundheitsministers Karl Lauterbach begeisterte, erklärt gegenüber der RHEINPFALZ, dass er die Zeit in Bad Dürkheim immer sehr genossen habe. Er könne sich vorstellen, dass Comedy in Bad Dürkheim auch in den nächsten Jahren weitergehen kann. „Aber für den SWR war das die letzte organisierte Veranstaltung in den Dimensionen der vergangenen acht Jahre“, sagt Müller, der von einem stets hohen technischen Aufwand für die Liveübertragung von den verschiedenen Standorten spricht. Möglich wäre etwa, dass der Standort am Kurpark Ost ausgeweitet wird oder auch die Brunnenhalle – wenn sie fertig ist – wieder mit Comedyleben gefüllt werden könnte. Er wolle sich auf jeden Fall dafür stark machen, dass es in Bad Dürkheim weiterhin Comedy und Kabarett geben werde.