Interview RHEINPFALZ Plus Artikel SV Weisenheim II verliert überraschend – ohne Cheftrainer

Beim Versuch, dem Weisenheimer Andreas Christian Blohm den Ball abzunehmen rutsche der KirchheimerOliver Rittmannaus
Beim Versuch, dem Weisenheimer Andreas Christian Blohm den Ball abzunehmen rutsche der KirchheimerOliver Rittmannaus

Neben der überraschenden 1:2-Niederlage des SV Weisenheim II ärgert Trainer Michael Koback eine ganz andere Sache.

Herr Koback, das war kein schönes Geburtstagsgeschenk der Mannschaft. Wie sehr hat Sie die Niederlage an ihrem Ehrentag getroffen?
Ich war wegen des 1:2 schon etwas betrübt. Meine Freundin hat es mir auch angemerkt. Aber ich habe das Spiel möglichst schnell abgehakt, sodass es noch ein schöner Abend wurde. Es gibt aber noch etwas, was mich furchtbar ärgert.

Erzählen Sie bitte, was Sie bedrückt.
Bei der Partie in Kirchheim musste ich eine Sperre wegen der Roten Karte aus dem Pokalspiel gegen Obersülzen absitzen.

Oh, Rote Karte – was ist da passiert?
Diese Rote Karte war völlig überzogen und ungerecht. Ich bin als Spieler nie vom Platz geflogen, habe nicht mal eine Gelb-Rote Karte bekommen. Ich bin gar nicht der Typ, um an der Linie auszurasten.

Welchen Folgen hatte diese Rote Karte für Sie?
In Kirchheim durfte ich jeweils 30 Minuten vor und nach dem Spiel keinen Kontakt zur Mannschaft haben. Vor dem Spiel, das leuchtet mir noch ein, weil man ja nicht coachen oder das Team einstellen darf. Aber nach dem Spiel, da ist ja alles vorbei, da will man seine Mannschaft loben oder bei einer Niederlage sein Team direkt wieder aufbauen.

Hat jemand kontrolliert, ob Sie die Vorgaben einhalten?
Ja, Klaus Rings, der Vorsitzende des Fußball-Kreises Rhein-Pfalz, war da und hat sich bei mir gemeldet. Ich kenne ihn, er ist nett. Ich stand 90 Minuten auf Höhe der Mittellinie und habe geschwiegen wie ein Grab.

Keine Anweisungen, keine Zurufe, auch kein Coaching in der Halbzeit?
Nein, nichts von alledem. Ich habe mit meinem Vertreter Patrick Reith unter der Woche mögliche Auswechslungen abgesprochen. Das war alles. Beim Halbzeitpfiff hat er mich angeschaut. Möglicherweise habe ich genickt (lacht).

Wie haben Sie sich auf den Zuschauerrängen gefühlt?
Ehrlich gesagt wie ein Sträfling, der Ausgang hat. Als es in meiner Nähe auf dem Platz mal einen Tumult gab, bin ich weggegangen, um nicht mit reingezogen zu werden.

Und nach dem Spiel haben Sie 30 Minuten warten müssen?
Klaus Rings ist relativ zügig gegangen. Ich glaube, er hat ein gutes Gefühl für die Situation und sich prima verhalten. Ich bin schließlich kein Schwerverbrecher.

Zum Sportlichen. Das 1:2 war wieder eine Niederlage gegen ein Team, das hinter euch steht. Hat der SVW den Gegner unterschätzt?
Nein, nach der Niederlage gegen Flomersheim waren die Sinne geschärft. Es soll nicht wie eine Ausrede klingen, aber es hat den ganzen Tag geregnet, der Naturrasenplatz war kaum zu bespielen. Kirchheim hat es mit lang und hoch geschlagenen Bällen besser gemacht. Wir haben versucht zu kombinieren. Aber das hat nicht geklappt.

Es stand lange 0:0. Wollte das Team zu viel, statt sich mit einem Punkt zu begnügen?
Nein. Der Grund für die Niederlage war unsere eklatant schlechte Chancenverwertung. Wir hätten längst führen müssen. Am Ende hat Kirchheim offensichtlich auf Zeit gespielt. Es gab zwei Verletzungen und mehrere Auswechslungen, aber keine Nachspielzeit. Das war ärgerlich. Der Schiedsrichter hat auch einen glasklaren Rückpass zum Torwart nicht geahndet. Aber ich sage ganz deutlich: Er war nicht schuld an der Niederlage. Wir hatten genügend Möglichkeiten, um zu gewinnen.

Der SVW hat den Sprung in die obere Tabellenhälfte verpasst. Muss der Blick jetzt nach unten gehen?
Wir könnten Fünfter sein, wenn wir nicht unnötig Punkte hätten liegenlassen. Es geht nicht um oben oder unten. Wir müssen so weiterarbeiten, dann werden sich positive Ergebnisse einstellen, denn wir sind nicht schlechter als die meisten Gegner. Wir haben jetzt eine englische Woche und können Boden gutmachen.

Stehen Sie am Donnerstag gegen die SG Leiningerland wieder an der Seitenlinie?
Ja, ganz sicher, und darauf freue ich mich auch sehr.

Michael Koback.
Michael Koback.
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